Konzert: Agnes Obel – 07.12.2014 – Freiheiz

Ich kann es noch immer kaum glauben, dass ich gestern Agnes Obel live gesehen habe. Mein Idol und Vorbild. Kann mich bitte mal jemand kneifen?

Das Konzert fand im Münchner Freiheiz statt. Eine große, alte Halle mit Backsteinwänden, die vor einer Ewigkeit mal zur Beheizung des Bahnhofs gedient hat. Für Agnes Obel schien das der perfekte Ort für ein Konzert zu sein. Ein wunderschöner Flügel stand auf der Bühne und an jedem der drei Mikrofone hingen kleine goldene Käfige, die sich später als Laternen entpuppten. Auch war der ganze Saal bestuhlt. Ein Konzert im Sitzen? Das kam für mich sonst nie in Frage. Hier hätte ich es mir aber gar nicht anders vorstellen können. Solch ruhige, melancholische Musik kann man nur wirklich genießen, wenn man die Augen schließen kann und sich auf nichts anderes konzentrieren muss.

Eigentlich dachte ich, Agnes Obel würde keine Vorband haben. Das würde einfach nicht passen. Doch tatsächlich stand als erstes die zierliche Erin Lang alias Feral & Stray mit ihrer E-Gitarre auf der Bühne. Das schien für mich noch viel weniger zu passen. Aber als sie anfing zu spielen und zu singen, war sie fast wie eine zweite Agnes Obel. Nur eben mit E-Gitarre statt Klavier. Naja…und noch zwei so komischen anderen Instrumenten, von denen ich ehrlich gesagt nicht die leiseste Ahnung habe, was das für komische Dinger waren.

Nach einer kurzen Umbaupause betrat dann endlich Agnes Obel zusammen mit Mika (Geige) und Anne (Cello) die Bühne. Am Anfang noch etwas scheu, versteckte sie sich hinter einem Vorhang aus blonden Haaren. Doch später, als sie merkte wie sehr das Publikum die Musik genoss, zeigte sie auch immer öfter ihr Gesicht. Und wir genossen es wirklich. Das Publikum war bunt gemischt, aber wirklich angenehm. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass die Musik einen unglaublichen Sog entwickelte, dem sich niemand im Raum entziehen konnte. Das Licht – mal als Spot auf die einzelnen Musiker gerichtet, mal die ganze Bühne wie auf dem Aventine-Cover in Rot getaucht – tat sein Übriges.

Nach den ersten Songs fragte sie im Publikum nach Schals und Tüchern. War ich doch am Anfang noch recht verwundert, was sie denn nun damit wollte, weiß ich jetzt endlich, wie die schöne Melodie von Aventine entsteht. Die Tücher hat sie geschickt über die Saiten des Flügels drapiert und plötzlich hört sich alles ganz anders an. Und wusstet ihr, dass Run Cried The Crawling auf einen Kinderreim über eine Spinne basiert, den sie sich als kleines Mädchen selbst ausgedacht hat?

Das Konzert verging wahnsinnig schnell. Aber zum Glück gab es eine Zugabe…oder mehrere. Zuerst einen Song zusammen mit Erin Lang. Danach durfte das Publikum entscheiden, welchen Song es gerne hören würde. Den ersten kannte ich leider nicht. Beim zweiten entschieden sich die Zuhörer aber mehr oder weniger einstimmig für Just So. Agnes erklärte, dass viele Leute denken, das Lied sei ein fröhliches. In Wirklichkeit ist es aber für einen depressiven Menschen, dem man zeigen möchte wie schön doch das Leben eigentlich ist.

Nach dem Konzert passierte aber noch das aller Beste des Abends. Als wir gerade gehen wollten, tauchte Agnes Obel am Merchandise-Stand auf und fing an Taschen, CDs und T-Shirts zu signieren. Ich hatte mir schon zuvor ein Poster gekauft und wollte es unbedingt noch von ihr unterschreiben lassen. Sie fragte mich nach meinem Namen und als ich mit Ramona antwortete, wollte sie gleich wissen, ob ich den Song von Bob Dylan kenne. Kannte ich natürlich nicht (peinlich…). Den solle ich mir auf jeden Fall anhören, weil er wunderschön ist und so tolle Lyrics hat. Ich hab ihr noch erzählt, dass ich ihren Song Riverside selbst sehr gern spiel und dazu sing. Sie riet mir auf jeden Fall dabei zu bleiben und weiter zu machen. Und ja: diesen Entschluss habe ich gestern auch gefasst. Wenn sie es schafft nur mit Klavier und ihrer Stimme monatelang durch Europa zu touren und dabei ausschließlich ausverkaufte Konzerte zu spielen, dann werde ich es wohl hinkriegen eigene Songs zu schreiben. Ach ja: unser komplettes Gespräch müsst ihr euch als ein Durcheinander von Deutsch und Englisch vorstellen. Sie spricht eigentlich ganz gut Deutsch, aber ab und zu fällt ihr Englisch wohl doch leichter. Das macht sie noch sympathischer als sie eh schon ist.

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