Zwei Tage nach The Ramona Flowers war ich tatsächlich schon wieder auf einem Konzert in München. Dieses Mal war aber alles ganz anders. Kein Gedränge und Gequetsche, sondern viel Platz, obwohl die Halle voll war. Deutsch statt Englisch. Und ich konnte bis zum Schluss bleiben, weil es 1. früher anfing und 2. keine Vorband gab. Eines blieb jedoch gleich: ich senkte den Altersdurchschnitt mal wieder beträchtlich. Um mich herum waren nur Leute um die 50. Gehe ich vielleicht zu den falschen Konzerten oder höre ich gar die falsche Musik. Oder die richtige?

Bei der Band des Abends handelte es sich um Radio Doria, deren Sänger Jan Josef Liefers ist. Ich mag ihn sehr als Schauspieler und seit neuestem auch seine Musik. Die klingt ein bisschen so wie Thees Uhlmann. Vom Album kannte ich bisher nur einzelne Stücke, aber manchmal gehe ich auch ganz gern – sozusagen – völlig unwissend auf Konzerte. Ich finde, da kann man die Musik viel bewusster wahrnehmen.

Zu Beginn des Konzerts zählte auf einer riesigen Leinwand ein Countdown die verbleibenden Sekunden. Ein Schwarz-Weiß-Film über einen Straßenmusiker (aus der Sicht seines Gitarrenkoffers) lief an. Dann stand da plötzlich Jan Josef Liefers auf der Bühne, alleine mit einer Gitarre und spielte den ersten Song solo. Eine Tänzerin kam hinzu. Verschwand wieder. Und dann ging’s erst richtig los!

Ein altes Radio, dessen Regler zwischen den einzelnen Sendern wechselte, erschien auf der Leinwand. Jan Josef Liefers machte die passenden Geräusche dazu, imitierte Nachrichtensendungen, einen Klassiksender, Moderatorenansagen. Danach spielten sie natürlich ihren Song Radio Doria. Während dem kompletten Konzert fühlte man sich nicht wie ein Zuschauer, sondern eher wie ein guter Freund, der den Abend mit der Band verbringt.

Jan Josef Liefers erzählte viele Geschichten. Hab ich schon mal erwähnt, dass ich es liebe, Geschichten zu hören? Meistens waren es witzige. Sie handelten z. B. von drei Brüdern, die versuchten 17 Kamele unter sich aufzuteilen oder seinem früheren Gitarrenlehrer mit den dritten Zähnen. Er erzählte aber auch ernste Geschichten. Von einem Filmdreh in Israel, einem Anschlag und zwei jungen Menschen, die dabei ums Leben kamen. Vor dem Mondlied sprach er über seine Liebe zum Mond und auch zu Verlorene Kinder sagte er ein paar Worte zu dem Kind in jedem von uns.

Während die Band zwischen den Songs ihre Gitarren gegen Banjo, Ukulele oder andere Gitarren tauschten, schauspielerte Jan Josef Liefers auch gern mal. Einmal klingelte plötzlich das alte Telefon, das auf der Bühne stand. Und wer war dran? Seine Mama. Oder er sprach zu einer ruhigen Klaviermelodie ein Gedicht, während die Tänzerin im Tütü über die Bühne schwebte.

Das komplette Konzert war eine super Show und wahnsinnig abwechslungsreich! Besser als mancher große Star es in der Olympiahalle hinbekommt. Sehnsucht Nr. 7 sang er zusammen mit dem Publikum. Welchen Part wir dabei übernehmen durften, ist eigentlich klar: Oh-oh, oh-oh-oh-oh-oh! Zu einem Song holte er sogar eine Frau aus der Menge auf die Bühne, um mit ihr Walzer zu tanzen. Eigentlich wäre ich schon auch gerne da oben gewesen, aber da ich keinen Walzer tanzen kann, war es wohl besser so. Sie hat das nämlich gut gemacht. Und hey: ich durfte ihm immerhin die Hand schütteln! Beim letzten Song (Blutmond) lief er durch’s Publikum und kam auch bei mir vorbei. Jetzt hab ich auf dem Handrücken einen Kratzer als Andenken (und mir seitdem trotzdem wieder die Hände gewaschen).

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