Konzert: Fräulein Brecheisen – 16.01.2015 – City Club

Gestern war ich seit langer Zeit mal wieder im City Club. Das ist ein ziemlich merkwürdiger, aber auch sehr schöner Club in Augsburg, der schon lange seinen Ruf weg hat. Etwas abgeranzt ist es dort. Aber nur so viel, dass es gerade noch schön ist. Fräulein Brecheisen passt da perfekt rein. Genauso wie der Club hat es keine Probleme damit anzuecken. Im Gegenteil! Ein junger Mann mit roter Strumpfhose, rosa Kleid und verschmiertem Lippenstift steht auf der Bühne. Das Haar steht etwas wirr vom Kopf ab, die Augen blicken versprengt vom einen Ende des Raums zum anderen.

Der Laden ist voll und das freut Fräulein Brecheisen irgendwie. Aber das kann es nicht so zeigen, weil die Tabletten nicht wirken. Und droht uns darum damit, alle zu erschießen, wenn wir nicht tanzen. Ehrlich gesagt, hatte ich ein bisschen Angst vor ihr/ihm.

Das Fräulein nimmt auch kein Blatt vor den Mund. Es sagt ganz einfach was es denkt und das ist selten nett. Es zweifelt an unserer Gesellschaft, es prangert Zustände an oder sagt eben einfach, was ihr sonst so durch den Kopf geht. Bzw. eigentlich…plärrt es das Fräulein viel mehr. Das hat mich manchmal ein bisschen gestört. So etwas muss man mögen – mir hat es manchmal die gute Musik kaputt gemacht. Die war nämlich wirklich phänomenal! Fräulein Brecheisen besteht aus einer Handvoll Musiker. Wie viele es wirklich sind weiß wohl keiner genau. Wahrscheinlich weiß nicht einmal das Fräulein selbst, wie viele Stimmen da so in ihrem Kopf sprechen. Gestern waren es sechs Musiker (oder auch ein, zwei Leute mehr), die das Fräulein begleiteten. Die meisten kommen aus dem Jazzbereich, was man der Musik natürlich auch angehört hat. Da wurde viel improvisiert, was mir sehr gut gefallen hat. Oft klang es aber auch nach 80er Jahre Elektropop, was ich noch viel viel besser fand. Man könnte es vielleicht mit der EAV (Erste Allgemeine Verunsicherung) vergleichen. Das hat mein Papa früher in seiner Jugendzeit gehört.

Das Konzert ging erst sehr spät los – erst um kurz vor zwölf – und dauerte fast zwei Stunden. Eine Zugabe gab’s natürlich trotzdem. Vielleicht traute sich das Publikum aber auch einfach nicht, keine zu fordern. Immerhin erwähnte das Fräulein oft genug, dass es eine Waffe dabei hat. Zum Schluss war es dann doch ganz gut gelaunt und wollte ein bisschen improvisieren. Die Zuschauer sollten sich vier Wörter aussuchen, woraus im Anschluss live und aus dem Stegreif ein Text entstand. Der ging dann also über Schnapspralinen, eine Hüpfburg, Hexenschuss und ein gelangweiltes Fräulein.

Wer wissen will, wie die Musik von Fräulein Brecheisen klingt, kann hier mal reinhören.

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