Am Freitag fand also wieder ein Konzert der Bedroomdisco statt. Ich finde diesen Gedanken, dass irgendwo in deiner Stadt ein geheimes Konzert stattfindet einfach fantastisch. Nur wenige wissen wo und was einen genau erwartet, ist immer eine kleine Überraschung. Sowas macht einfach Spaß!

Am Mittwoch kam die Email mit der Info zur Location: es war die Modular Festival Zentrale! Ähm…ehrlich gesagt, wusste ich das ja schon vorher. Zu oft hatte ich in letzter Zeit mit dem Festival zu tun, als dass das vor mir hätte verborgen bleiben können. Ehrlich gesagt, war ich aber etwas besorgt, ob in diesen Räumen die erwünschte Wohnzimmeratmosphäre aufkommen kann. Die Zentrale ist wirklich toll eingerichtet und ein wahrer Tempel für alle Hipster. Aber dass daraus eine gemütliche, kuschlige Sofawelt werden kann, konnte ich mir nicht vorstellen. Doch da hatte ich mich wirklich getäuscht und wohl zu wenig Vertrauen in die Leute von der Bedroomdisco. Was uns da erwartete war eine kleine Bühne umringt von Teppichen, Sofas und Hockern aus Getränkekisten. Draußen fuhren Straßenbahnen vorbei und Leute blieben stehen, um durch die großen Fenster zu uns reinzuschauen. Perfekt!

Etwas anderes, das mir ein bisschen Sorgen machte, war Senore Matze Rossi selbst. Kurz vorm Konzert hab ich mir nochmal ein paar Songs von ihm angehört. Und erst da ist mir aufgefallen, dass er beim Singen eine kratzige Frosch-im-Hals-Stimme hat. Etwas das viele tolle finden, ich mir aber nur bedingt anhören kann. Doch auch hier hab ich mich sehr getäuscht. Komischerweise hat mir die raue Stimme bei Matze Rossi gar nichts ausgemacht. Gut, ein oder zweimal fand ich es schon krass (auch dass er zwischendurch immer wieder mal ein Spray benutzen musste – naja, so eine Tour hinterlässt halt ihre Spuren), aber irgendwie passte es zu ihm.

Überhaupt war Senore Matze Rossi ein Mensch, der mich sehr überrascht hat. Ich mein: da stand ein 38-jähriger Mann auf der Bühne, der aus dem Punkrockbereich kommt und den ziemlich viele Tattoos zieren. Und dann sehe ich, dass sich auf seinem rechten Oberarm auch ein Bild von einem der Monster aus Wo die wilden Kerle wohnen (die Geschichte mochte ich schon immer!) befindet. Und der Mann ist Yogalehrer! Bitte was?! Ja, so hab ich auch geschaut. Und seinen drei Kindern bastelte er eine Art Adventskalender, um ihnen die Zeit, die er auf Tour ist, etwas zu verschönern. Wie lieb ist das denn?! So…und jetzt nochmal: Senore Matze Rossi spielt auch in einer Punkband. Bad Drugs heißt die.

Bei seinem Auftritt in der Modular Zentrale merkte man aber davon wenig. Ich stell mir Punkmusik ja immer eher wild und böse und gefährlich vor. Keine Ahnung, ob das so ist. Ich hab mir noch nie was in der Richtung angehört. Ich weiß nur, dass Senore Matze Rossi wunderschöne Songs schreibt. Über Sachen, die mich berührt haben. Viele seiner Lieder handeln davon, dass das Leben schön ist und man das machen sollte, wofür man brennt. Mit Songs über solche Themen kriegt man mich immer! Weil ich den Gedanken fantastisch finde und es wohl auch irgendwie mein Lebensmotto ist. Aber Matze Rossi schreibt auch traurige Songs. Und zwar solche, die sich direkt in dein Herz fressen und dir einen Kloß im Hals bescheren. Ich weiß nicht, was am Freitag mit mir los war. Normalerweise bin ich nicht so emotional. Vor allem nicht bei Konzerten. Aber da..da hätte nicht mehr viel gefehlt und mir wären Tränen über die Wangen gelaufen. Ein Song war besonders ergreifend. Den hat er nämlich für einen Freund geschrieben, der vor ein paar Jahren an Krebs gestorben ist. Wir waren alle eng im Kreis zusammen gestanden, Matze Rossi mittendrin – nur mit Gitarre und ganz ohne Mikro – und haben zusammen mit ihm diesen Song gesungen. Nur den Refrain, ein paar Zeilen. Aber der Zauber, der dadurch entsteht, ist unbeschreiblich!

Äußerst außergewöhnlich war auch die Tatsache, dass Matze Rossi keine Setlist geschrieben hat. Genaugenommen macht er das nie. Er spielt einfach das, was ihm gerade in den Sinn kommt. Das sind hauptsächlich eigene Songs, aber auch welche seiner Band. Meistens auf deutsch, manchmal auch auf Englisch.

Das allerbeste an diesem Konzert war jedoch, dass er erzählt hat. Geschichten, Anekdoten, Hintergründe zu verschiedenen Songs. Ich liebe es ja Geschichten zu lauschen. Schon in der Schule fand ich es immer viel interessanter, wenn die Lehrer private Geschichten erzählten, anstatt irgendwelche trockenen Matheformeln zu erklären versuchten. Und Matze Rossi hat wirklich viel erzählt. Von seinen Kindern, die ihn vermissen. Von seinem letzten Konzert in Augsburg, das schon eine halbe Ewigkeit her ist. Von seiner Hose, die eigentlich seinem Sohn gehört. Dass er eigentlich gar nicht Gitarre spielen kann und erst vor Kurzem gelernt hat, welcher Akkord welcher ist. Und das auf so unverkrampfte, lockere, witzige und ehrliche Art und Weise, dass ich ihm noch Stunden hätte zuhören können. Und wenn ihm gerade mitten in einem Song etwas einfiel, dann hat er das halt eben kurz zwischen Refrain und Strophe erzählt.

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