Ungefähr einmal im Jahr kommt es vor, dass ich auf einem richtig, richtig großen Konzert bin, wo tausende Menschen sind. Letztes Jahr war es Justin Timberlake in Hamburg. Dieses Jahr Maroon 5 in der Münchner Olympiahalle. Im Vorfeld frage ich mich immer, warum ich das nur so selten mache. Im Nachhinein dann eher, warum ich mir das überhaupt antue.

Erstens sieht man schlecht. Ganz nach vorne schafft man es nie, egal wie früh man da ist. Zweitens steht man sich stundenlang die Beine in den Bauch. Ganze fünf lange Stunden waren es diesmal. Danach tut einem wirklich alles weh. Drittens ist es immer mega heiß, weil viertens tausende Menschen dich von allen Seiten her bedrängen. Und fünftens hat man jedes Mal ganz fürchterlichen Durst. Zumindest ich. Weil ich schon davor kaum mehr was trinke und während dem Konzert sowieso nicht. Sonst müsste ich ja aufs Klo, was bedeuten würde, das ich mich durch die ganzen Leute durchdrängeln muss und dann womöglich auch noch was vom Konzert verpasse. Okay, so schlimm war es dann doch nicht. Ich übertreib mal wieder.

Die Karten hab ich meiner Schwester zu Weihnachten geschenkt. Vielleicht auch ein bisschen deshalb, weil ich selber hin wollte. Wir hatten Stehplätze und dank der pfeilartigen Verlängerung der Bühne, um die sich die Leute einigermaßen homogen verteilten, standen wir sogar in der vierten Reihe. Generell war es auch gar nicht so voll. Die Sitzplätze schienen sehr beliebt gewesen zu sein, aber unten auf den buchstäblich billigen Plätzen war gar nicht mal so viel los.

Das Gute an so großen Konzerten ist, dass sie immer total pünktlich los gehen. Um fünf nach acht stand schon die erste Vorband auf der Bühne. Nick Gardner samt Band trällerte ein paar nette Songs. Auf Youtube findet man von ihm eigentlich nur Coversongs, aber der Junge hat eindeutig mehr zu bieten. Fast jedes Lied von ihm enthält so eine verrückte, ohrwurmverdächtige Melodie. Nach ein paar Songs war’s aber leider schon wieder vorbei. Ich konnte gerade noch ein Foto schießen.

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Ein paar Minuten Umbaupause und es folgte der zweite Support. Magic! kennen wahrscheinlich die meisten durch ihren Hit Rude. Wundersamerweise klingt der Song – oder das was die Musikindustrie daraus gemacht hat – gar nicht so wie die Band eigentlich klingt. Nämlich viel mehr nach Reggae. Auch der Frontmann der Band wirkt mit seinen langen, welligen Haaren und den weißen Klamotten eher wie ein Ersatzjesus als der Sänger einer gehypten Band (in England und den USA immerhin mal Nr. 1 in den Charts). Mir hat der Kontrast zum schmalzigen Nick Gardner und den popigen Maroon 5 aber sehr gut gefallen.

Nach einer weiteren und diesmal deutlich längeren Umbaupause folgt dann endlich Maroon 5. Es gab also zwei Vorbands. Mir drängt sich dabei immer die Frage auf, ob der Hauptact vielleicht einfach keine Lust hat, trotz hundert vorhandener Songs eine Zwei-Stunden-Performance abzuliefern. In diesem Fall leider ja. Maroon 5 starteten mit Animals, danach folgten einige ältere Sachen. Darunter auch unbekanntere Songs, die aber bestimmt auf irgendwelchen früheren Alben drauf sind. Enttäuschenderweise spielten sie von ihrem aktuellen Album V gerade mal die drei Singleauskopplungen Maps, Animals und Sugar. Ein bisschen wenig, finde ich. Zumal das Album doch jede Menge schöner Songs enthält.

Immerhin bekamen wir dank der großen Bühne Adam Levine auch mal von Nahem zu sehen. Er lies es sich aber nicht nehmen Spannung aufzubauen. Immer wieder spazierte er nur bis zur Mitte des Stegs, um dann wieder umzukehren. Beim nächsten Mal ein bisschen weiter, dann wieder etwas weiter. Nach dem gefühlt hundertsten Mal stand er endlich vor uns. Wobei ich aber sagen muss: Von Nahem sieht er gar nicht mehr so heiß aus, wie ich ihn mir immer vorgestellt habe. Der hat irgendwie so kleine Augen.

Nach einer knappen Stunde war’s dann tatsächlich schon vorbei. Natürlich kam noch eine Zugabe, die immerhin aus vier Songs bestand. Mehr als 15 Minuten waren aber auch da nicht drin. Eineinviertel Stunden für eine Band wie Maroon 5 ist aber schon echt wenig. Da hab ich mir wirklich mehr erwartet. Andererseits war es schon gut so, wir mussten ja noch unseren letzten Zug erwischen, was wir gerade so geschafft haben.

Im Großen und Ganzen hört es sich hier schlimmer an, als es in Wirklichkeit war. Das Konzert war gut, die Bühne war der Hammer und Adam Levine kann halt schon verdammt gut singen. Und gegen Ende des Konzerts gab es sogar noch was zu lachen, als ein – ohlala – nicht gerade kleiner BH auf die Bühne flog. Adam und sein Gitarrist machten sich ein bisschen darüber lustig und suchten auf dem Zettelchen nach der Größe, wobei sie zugaben, mit den europäischen Größenangaben nicht so ganz zurecht zu kommen.

5 thoughts

  1. Nuja, ist eigentlich ganz normal, dass US-Bands für 90 Minuten-Sets gebucht werden (inklusive der Applauszeit offstage dürfte das ungefähr hinkommen). Überrascht mich also nicht. Die 2 Vorbands sind eher dem geschuldet, dass man so einen viel schöneren „Spannungsbogen“ aufbauen kann, denke ich. (Vorausgesetzt die Bands wurden gut ausgewählt) und habe ich bei viel kleineren Konzerten auch erlebt (Frank Turner, Itchy Poopzkid+Zebrahead, … )
    Aber warum man sich das antut, verstehe ich auch nicht ;) Für das Budget könnte man locker 6-8 Bands mehr sehen (inklusive Vorbands)…meine Schmerzgrenze liegt da bei 50€…

    PS: Der Bh…der ist doch nicht etwa von dir? :P

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    1. Also ich hab das so zum ersten Mal erlebt. Konzerte von anderen US-Bands, auf denen ich bisher war, gingen eigentlich immer länger. Und zwei Vorbands hab ich bisher auch erst einmal gehabt, bei Phoenix.
      Na ja, wie gesagt, einmal im Jahr geht das schon. Die Karten haben in dem Fall auch „nur“ 50 Euro gekostet. Justin Timberlake letztes Jahr war da doppelt so teuer. Hat aber auch länger gespielt und das ohne Vorbands ;)

      Hilfe, nein! Der würde mir ja nicht mal passen :P

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  2. Es ist aber schon verwunderlich,dass von dem neuen Album nur 3 Lieder gespielt wurden, aber wahrscheinlich gehen viele amerikanische Künstler davon aus,dass man hier in Deutschland nur die veröffentlichten Singles kennt und nicht das ganze Album. Und man muss ja auch sagen, dass Maroon 5 ein ganze Palette an Hits zu bieten hat.
    Warum versuchst du es beim nächsten großen Konzert nicht mit guten Sitzplätzen?Da fallen die meisten deiner Probleme weg;)

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    1. Sitzplätze bei Konzerten find ich nicht so toll. Außer es sind klassische oder Wohnzimmerkonzerte ;) Aber bei solchen Bands wie Maroon 5 will ich tanzen und das geht bei einem Sitzplatz schlecht.
      Ich weiß, ich bin schwierig :D

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      1. haha:) das halte ich für ein gerücht!grade bei sitzplätzen kann man sehr gut tanzen!hab es die letzten 2 konzerte so gemacht, aber man muss natürlich auch sagen, nichts geht drüber hinaus seine band direkt (oder aus der 4. reihe) vor dir spielen zu sehen

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