Interview mit Adulescens

Adulescens – 2011 wurden sie Band des Jahres, PULS hat sie zweimal zur Band der Woche gekürt. Nun sind sie bei der Top-Booking-Agentur Target unter Vertrag und ihr Debütalbum ist fertig im Kasten. So what’s next? Genau darüber hab ich mich mit Bassist Max und Gitarrist Schlicki unterhalten.

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Wo kommt ihr gerade her? Aus Aichach oder wart ihr schon in Augsburg unterwegs?
Max: Wir kommen ausm Bett ehrlich gesagt. Wir hatten die letzten Tage Videodreh. Morgen geht es weiter. Ich glaube, da ist gerade jeder ganz froh um seinen Schlaf. Oder?
Schlicki: (gähnt) Hm, ja, doch.

Wenn euch jemand als Band frägt, was eure Heimatstadt ist, sagt ihr dann Aichach oder Augsburg?
Max: Aichach. Wobei es schon zwiegespalten ist.
Schlicki: Es kommt darauf an. Eigentlich ist es schon eher Aichach, weil wir da her kommen und uns auch dort gegründet haben. Aber Augsburg kennt man halt und Aichach…kennt man bei uns schon auch, aber wenn wir überregional unterwegs sind, ist für viele schwer einzuschätzen wo das liegt. Wenn wir z. B. kleinere Gigs in größeren Städten spielen, dann ist es eher Augsburg, weil die Leute sich dadurch einen Begriff machen können. Aber das hat nichts damit zu tun, dass wir keine Aichacher mehr sein wollen. Aichach ist cool, aber Augsburg ist halt größer und die Leute kennen die Stadt eher als Aichach.
Max: Und zwei Fünftel der Band wohnen in Augsburg. Das sind wir zwei.

Euer Bandname heißt übersetzt sowas wie jung oder jugendlich…
Max: Das hat mehrere Bedeutungen: jung, jugendlich, der Heranwachsende. Aber ich glaube, „Heranwachsende“ trifft es am besten, weil – also das wirkt jetzt ziemlich bedeutungsschwanger, aber man wächst ja mit sich und seinen Aufgaben und genauso wachsen wir mit der Musik. Darum ist „Heranwachsend“ in meinen Augen die schönste Bedeutung dafür.

Was bei euch ziemlich ungewöhnlich ist: ihr habt keinen typischen Frontmann. Stattdessen singt euer Drummer. Wie kam es dazu?
Schlicki: Na ja, der singt halt am schönsten. Und jemanden zu nehmen, der nicht so schön singen kann, wäre ein Qualitätsabstrich. Also muss der Drummer singen. Wobei das keine Notlösung ist, sondern schon ein festes Konzept. Die Leute reagieren auch sehr positiv darauf.
Max: Wir haben auch drei Jahre in einer anderen Formation funktioniert, als der Hannes noch gesungen hat, der sich jetzt in seiner Synthi-Ecke austobt. Aber wir sind uns einig, dass keiner von uns die Rolle des Frontmanns übernehmen kann, weil keiner von uns eine Rampensau ist und dann macht das auch keinen Sinn. Das ist nicht nur unauthentisch sondern schwächt auch die Performance. Und so funktioniert das super! Die komplette Formation, so wie wir auf der Bühne stehen, ist ein Konzept. Wir stehen in einem Halbkreis, wir gucken uns an, wir machen zusammen Musik.
Schlicki: Am Anfang haben wir schon ein bisschen daran gezweifelt. Es war klar: der Maxi muss singen. Aber wie machen wir das, dass er auch gleichzeitig Schlagzeug spielt?
Max: Es gibt natürlich immer Probleme mit dem Sound. Wenn du auf der Bühne bist und er in sein Becken crasht, hast du das natürlich auch alles auf dem Gesangsmikro. Da haben wir vor ca. einem halben Jahr erst die richtige Lösung gefunden. Und jetzt ist der Sound so stark, richtig geil und wir wollen es nicht mehr ändern. Wobei – ändern wollten wir es eh nie.
Schlicki: Nee, aber man muss sich natürlich ein bisschen finden und rumexperimentieren. Aber aus dem Stadium sind wir jetzt raus.

Wer schreibt bei euch die Songs? Auch Maxi, euer Drummer?
Max: Die Songs entstehen im Kollektiv. Das ist super unspektakulär. Einer hat eine Idee und der andere tüftelt dann rum. Am produktivsten sind wir zu dritt. Wenn fünf Leute da stehen und keiner hat eine Idee, kloppt man sich bloß die Köpfe ein. Die Texte mach dann ich.

Macht es dir nichts aus, dass die Songs jemand anderes singt? Ich denk mal, dass das, was du schreibst, schon Persönliches ist oder ist das alles komplett fiktiv?
Max: Das ist ausschließlich persönlich. Ich schreib nichts, was mich nicht betrifft. Aber wir sind halt eine Band und ich bin kein Singer-Songwriter, der sein Innerstes loswerden will. Ich schreib den Song nicht für mich sondern für uns als Band mit meinem persönlichen Erfahrungswert. Deswegen tangiert mich das gar nicht.

Mehrere von euch singen, ihr habt zwei Gitarristen und ihr seid auch alle recht fit am Synthie. Gibt es da auch mal Diskussionen, wer was spielen darf?
Max: Nee. Angenommen wir haben einen Song, da spielen bereits vier Leute was und uns fehlt noch ein Klavier, dann spielt das derjenige, der noch frei ist. Ansonsten wird abgewogen, auf was man am ehesten verzichten kann.
Schlicki: Oder wer als erstes dran war. Aber das ist nicht zu ernst zu nehmen. Im Endeffekt zählt das Produkt, das daraus entsteht und nicht wer was spielt.
Max: Wegen sowas haben wir noch nie diskutiert. Das Ding ist halt nur, dass bei uns nichts vom Band kommt. Was bedeutet: kein Instrument wird ersetzt, einfach aufgenommen und dann angespielt. Wir schauen immer, dass der Song, so wie er ist, live performt werden kann.
Schlicki: Wenn man auf ein Konzert geht, will man wissen, was die Band und nicht was ihr Computer kann.

Euer Debütalbum ist fertig. Könnt ihr schon was dazu sagen?
Max: Wir haben jetzt zweieinhalb Jahre an dem Album gearbeitet. Sowas ist nicht nur nervenzehrend und anstrengend, sondern macht auch sehr viel Spaß. Und das jetzt reflektiert anzuschauen…Du hast halt ein Album gemacht! Und das zu fünft! Wir sind eine Band bei der das sehr demokratisch funktioniert. Sobald einer was gegen einen Song hat, ist der raus. Auf dem Album sind jetzt elf Songs, es steht ein geiles Konzept dahinter, aber wir müssen noch gucken, wo und wie das veröffentlicht wird. Es ist ein Video in der Pipeline und wenn das da ist, hat man einen schönen Vorgeschmack auf das Album. Jetzt hab ich viel um den heißen Brei herum geredet.
Schlicki: Das Album wird im Endeffekt großartig.

Wisst ihr schon, wann es rauskommt?
Max: Ich geh davon aus, dass es noch ziemlich lange dauert, obwohl es fertig ist. Die Branche und alles…das ist leider ein ganz schöner Kaugummiprozess.

Jetzt nach den Aufnahmen im Studio seid ihr wieder viel live unterwegs. Sind euch die Konzerte lieber als die Arbeit im Studio?
Schlicki: Mir schon, ja. Wobei das so nicht zu vergleichen ist. Im Studio hast du dein effektives Arbeiten und einen stetigen Prozess, aber es steckt auch sehr viel Mühe dahinter. Die steckt zwar auch hinter den Konzerten, aber bei einem Album dauert alles viel länger.
Max: Du hast einfach ein schnelleres Ergebnis bei einem Konzert. Du wirst schneller für deine Mühe belohnt. Deswegen finde ich die Konzerte fast geiler. Eine Albumproduktion benötigt einfach so unfassbar viel Kopfarbeit.

Euer Musikstil hat sich in den letzten Jahren etwas gewandelt. Eure Songs klingen jetzt elektronischer und auch detailreicher. Spielt ihr die „alten“ Sachen noch genauso auf Konzerten?
Max: Zwei Songs nur noch. „Sweet Blood, Pt. 1“ und „Sweet Blood, Pt. 2“. Alles andere ist raus und zwar einstimmig.
Schlicki: Das ist zwar rücksichtslos, aber na klar – wenn du merkst, dir gefällt das besser, was du vor Kurzem gemacht hast.
Max: Und vom Gefühl her kommt die neue Platte ganz anders bei den Leuten an. Die ist viel zugänglicher und greifbarer als das alte Zeug.

Ihr seid jetzt bei Target, einer super Booking-Agentur. Wie habt ihr das geschafft?
Max: Keine Ahnung ehrlich gesagt. Die sind auf uns zugekommen.

Ihr wart Band des Jahres 2011, Bayerische Band der Woche bei PULS, jetzt seid ihr bei Target und bringt bald euer erstes Album raus. Was ist euer nächster, großer Coup?
Schlicki: Wir haben darauf eigentlich selbst keine konkrete Antwort. Wir wissen ja nicht, was auf uns zu kommt und wie es weiter geht. Man kann sich seine Meilensteine nicht aussuchen. Es kann blöd laufen oder gut. Und wir hoffen, es läuft gut.
Max: Ich finde, dass der Sommer so schon geil ist. Wir spielen gerade so schöne Konzerte. Es gibt fast kein besseres Gefühl, als zu sehen, dass die Leute Spaß daran haben was wir fabrizieren.

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Facebook: https://www.facebook.com/adulescens
Website: http://adulescensmusic.de/#/home

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