Interview mit Dicht & Ergreifend

Als vor zwei Wochen Dicht & Ergreifend ein Konzert in Augsburg spielten, hab ich natürlich die Chance ergriffen und ein Interview mit ihnen geführt. Seit dem Stereowald Festival kennt man sich ja – öhöm. Selfies haben wir diesmal nicht gemacht, dafür aber die ganze Zeit auf Bayerisch geredet. Teilweise sogar übers Bayerische. Ich hab es trotzdem ins Hochdeutsche übersetzt – sozusagen. Denn den Kauderwelsch und meine bayerischen Schreibkünste wollte ich euch dann doch nicht antun. Wer will, kann sich den Dialekt ja dazu denken…

Ihr wohnt ja mittlerweile in Berlin – oder Über-Bayern wie ihr es nennt. Redet ihr dort auch Bayerisch oder dämpft ihr den Dialekt etwas ein?

Lef Dutti: Ein bisschen schon, man macht da schon einen Unterschied. Aber bayerisch kommt immer durch bei mir.
George Urquell: Ich switch am Tag ungefähr vierzigmal. Also von einer Sekunde auf die andere. Von gestochen Hochdeutsch auf Bayerisch.

Verstehen euch die Leute dort?

Lef Dutti: Wenn du knallhart bayerisch redest, dann wird’s schon manchmal schwierig. Nicht alle verstehen’s. Aber so knallhart bayerisch reden mit jemanden, das mach ich dann auch nicht.
George Urquell: Das ist ja auch unhöflich.

Wobei es bestimmt Leute gibt, die das machen.

Lef Dutti: Ja, die sagen dann: ach, der versteht das schon.
George Urquell: Das krasse ist…mein Onkel! Egal wer anruft, ob’s von der Telekom ist oder von seinem Sky-Abonnement, der redet knallhart Landau-an-der-Isar-Slang. Der zieht das voll durch. Der versucht nicht ein bisschen sich zu verstellen.

Ich finde ja, das Heimat und die eigene Sprache ganz eng miteinander verflochten sind. Fehlt euch das bayerische nicht manchmal oder kommt ihr euch fremd vor in Berlin?

Lef Dutti: Wir sind ja ständig in Bayern auf Konzerten. Und auch zustätzlich ständig in Bayern unterwegs.
George Urquell: Wir haben auch eine extrem große Bayernbastion in Berlin. Einen Haufen Regensburger, also wirklich viele Leute, die auch von Bayern nach Berlin gegangen sind. Da könnte ich jetzt zehn oder fünzehn Leute aufzählen.
Lef Dutti: Aber es gibt schon manche Situationen, wo man dann ein kleines bisschen Heimweh hat. Wenn halt irgendeine Veranstaltung daheim ist. Von unseren Freunden, die in Bayern wohnen. Wo man dann nicht dabei ist.
George Urquell: Wie jetzt erst ein Geburtstag. Der wäre richtig geil, aber dann haben wir mal zwei Wochen frei, dann will ich nicht schon wieder runter fahren, obwohl ich voll gern auf den Geburtstag gehen würde.

Warum seid ihr dann überhaupt nach Berlin gegangen?

George Urquell: Arbeiten…und studieren.
Lef Dutti: Wir sind ja schon seit acht Jahren da.

Ihr habt vor kurzem ein Konzert in Kiew gespielt. Also nicht nur außerhalb Bayerns sonder auch außerhalb Deutschlands! Fühlt sich das dann nochmal anders an oder wie reagieren die Leute dort? Können die mitsingen?

George Urquell: Beim Spliff können’s mitsingen.
DJ Spliff: Da gibt’s ein Video von dem da-Spliff-Song. Und die schreien des alle fleißig mit. Die singen nicht „Okay the Spliff“ oder „It’s the Spliff“ sondern die singen „Ja da Spliff“. Und natürlich muss man das Ganze ein bisschen ins Englische bringen. Also die Ansagen dazwischen und so. Aber die waren dabei und das war ein grandioses Konzert.
George Urquell: Das ist auch eine kulturelle Frage. Der Mindset bei denen ist: Boah leck, da kommen Leute von ganz weit her und spielen umsonst und das hört sich noch geil an und die gehen Vollgas ab. Joa, da machen wir mit! Also das war eines der tollwütigsten Publika, die mir jemals hatten.
Lef Dutti: Die waren richtig hungrig!
George Urquell: Und auch danach! Wir sind ausm Foto machen gar nicht mehr rausgekommen. Die sind alle dahergekommen, als wenn wir Dieter Bohlen wären. Tatsache, Modern Talking ist DIE Nummer in der Ukraine.
Lef Dutti: Der einzige deutsche Exportschlager ist Dieter Bohlen bzw. Modern Talking und natürlich Rammstein.
George Urquell: Und der Thomas Anders spielt da Soloshows.

Was? Immer noch?

George Urquell: Ja, weil er Kohle braucht!
DJ Spliff: Aber der ist sehr gut besucht.
Lef Dutti: Ich glaub, da ist das von Haus aus so. Wenn Konzerte sind, ist da immer was los.

Schreibt ihr eure Songs eigentlich von Anfang an auf bayerisch oder entstehen die Ideen zunächst auf Hochdeutsch?

Lef Dutti: Alles auf bayerisch von Anfang an.
George Urquell: Es geht ja oft mit einem Wortspiel oder so los.
Lef Dutti: Wir denken ja auch auf bayerisch. Das ist ja unsere Muttersprache. Ich glaube, das könnten wir jetzt auch gar nicht bringen, dass wir auf Hochdeutsch ein Album raus bringen.
DJ Spliff: Die Texte von Dampf der Giganten sind ja auf Hochdeutsch im Booklet drin. Das müsste man eigentlich nur mal einrappen, dann könnte man die hochdeutsche Version machen.
Lef Dutti: Und die dritte Platte machen wir dann auf Englisch.
George Urquell: Wir mausern uns von Bayern nach Deutschland und dann gleich Australien und Papua Neuguinea!

Ist es schwieriger auf bayerisch zu texten und wünscht ihr euch manchmal, dass ihr doch das geläufige Deutsch benutzen könntet?

Lef Dutti: Bei manchen Passagen wär’s gut, wenn Hochdeutsch erlaubt wäre quasi. Und andersrum ist es aber auch so, wenn man was auf Hochdeutsch schreibt – fernab von Dicht & Ergreifend – wünscht man sich auch manchmal, dass man auf bayerisch weiterschreiben könnte. Weil irgendeine Zeile einfach mit bayerisch besser beendet werden könnte bzw. ein Wort besser reinpasst. Aber ist halt doof, wenn man das mischt.
George Urquell: Manchmal stolpert man auch über so Fälle wie Konjunktiv und solche Geschichten. Solche Sachen gehen halt dann im Deutschen aber nicht im Bayerischen.
Lef Dutti: Aber auch andersrum!

Ich glaub, ihr habt ja bisher noch nie ein typisches Liebeslied gemacht oder?

DJ Spliff: Ach, da Spliff?!
Alle lachen xD

Würdet ihr denn auch mal ein typisches Schnulzenliebeslied schreiben?

George Urquell: Ich weiß ned. Forever Youngg’seY ist ja eine Ode an lauter Stereotypen von Frauen. Das ist, glaube ich, wenn dann so ein Liebessong. Und das erste, was mir da immer einfällt, sind die Beginner mit Liebeslied. Der hat das Thema ja so gesehen auch Null ernst genommen. Das ist ja eigentlich auch eine Verarschung. Da muss man schon eher so Xavermäßig unterwegs sein.
Lef Dutti: Ich könnte kein Lied schreiben, dass zu 100 Prozent ein Liebeslied ist und keinen Funken an Humor hat.
George Urquell: Checkts mal das Lied von Fatoni mit der Mine aus. Das ist eigentlich eine Liebeserklärung, aber der wuchtet das irgendwie ziemlich geil. Kennt ihr das?
Alle schütteln den Kopf…
George Urquell: Da sind die Ebenen drin. Wer hat gesagt, dass man auf Deutsch keine Liebeslieder schreiben soll? War das Tocotronic? Das ist einfach auch schwierig, ohne dass es schmalzig wird.
Lef Dutti: Also da setz ich mich für ein, dass es kein schmalziges Liebeslied gibt.

Das meiste von eurer Musik kommt ja vom DJ – vom Spliff. Nur Tuba und Trompete nicht. Warum habt ihr die zwei immer live auf der Bühne dabei und bindet das nicht auch irgendwie über den DJ mit ein?

Lef Dutti: Warum nicht? Weil es halt fett ist, vom Sound her.
George Urquell: Man kann halt doch auch ein bisschen mehr variieren. Das Solo zum Schluss ist immer ein bisschen anders. Und es ist auch einfach mehr geboten. Die zwei kommunizieren miteinander, wir sind auch mal nicht auf der Bühne. Das belebt das Ganze ungemein.
Lef Dutti: Wir können aber auch Shows nur zu dritt spielen; das geht genauso. Ist halt dann anders.

In einem Interview habt ihr mal gesagt, dass Dicht & Ergreifend, der erste Song und das alles eher ein Unfall war und gar nicht so geplant. Was würdet ihr jetzt machen, wenn es diesen Unfall nicht gegeben hätte und ihr jetzt keine Musik machen würdet? Was wäre euer Job?

Lef Dutti: Wir haben ja trotzdem immer noch normale Jobs.

Echt? Seid ihr nicht schon hauptberuflich Musiker?

George Urquell: Nee…auf keinen Fall.
Lef Dutti (mit einem Kopfnicken zu Takeda Tight und Lulle 68): Die zwei sind hauptberuflich Musiker.

Was sind dann eure normalen Jobs?

Lef Dutti: Ich bin Grafiker.
George Urquell: Und ich bin Kameramann.
DJ Spliff: Projektmanager.

Also auch nicht hauptberuflich DJ?

DJ Spliff: Nee. Das wäre natürlich schon auch irgendwo cool, aber momentan hab ich wegen den ganzen Konzerten eh nen Break von meinem Job. Ab Januar geht’s wahrscheinlich wieder los. Aber momentan wär’s für mich gar nicht zu stämmen so ein Nine-to-Five-Job.
Lef Dutti: Wir arbeiten aber schon ziemlich frei.
George Urquell: Sag Nine to Five.
DJ Spliff: Geiler Songtitel! Sag Nine To Five!
George Urquell: Das geht sogar im Bayerischen. Sog Neine…na, na.
DJ Spliff: Ham mas scho wieda!

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Facebook: https://www.facebook.com/dichtundergreifend
Website: http://dichtundergreifend.com/

Wer neugierig ist, sollte auch mal hier vorbeischauen. Auf Facebook verlose ich dreimal das Album Dampf der Giganten von Dicht & Ergreifend!

2 Gedanken zu „Interview mit Dicht & Ergreifend“

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