Früher hab ich Interviews immer etwas…naja, ungern geführt. Was soll man nur fragen? Und die ganze Recherche vorher und die Abtipperei danach. Mittlerweile mach ich das aber echt gern, weil man schön alles mögliche fragen kann. Und ich frag meistens das, was mich wirklich interessiert. Auch wenn die Fragen manchmal etwas fies sind. Schön ist auch, wenn es dann wie von allein läuft. So wie am Ende von diesem Interview hier mit der Münchner Band Kytes.

Interessant ist es auch immer wieder wie sich das so ergibt und was man dabei alles erlebt. Kytes sind nämlich durch meinen bösen Artikel über Cosby auf mich aufmerksam geworden. Und als ich dann nach dem Konzert zu ihnen ins Backstage ging, sprang da noch Michi oben ohne über die Sofas. Er war auf der Suche nach seinem Shirt. Und Tom hielt sich eine kalte Flasche Spezi an seinen Knöchel, da er auf der Bühne böse umgeknickt war. Ähnlich chaotisch und überaus lustig verlief dann auch das Interview…

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Ihr habt ja jetzt euren Namen von Blind Freddy zu Kytes geändert und auch euer Musikstil hat sich verändert. Warum wolltet ihr das so radikal machen?

Tim: So radikal war das gar nicht.
Kerim: Wir haben Blind Freddy angefangen mit 15 oder 16 ungefähr und haben das Ganze als Schülerband in einer Abstellkammer von der Schule gestartet. Wir hatten einfach Bock zusammen Musik zu machen und im Laufe der Zeit – so in den letzten Jahren – haben wir uns geändert und hatten Bock das ein bisschen professioneller aufzuziehen und haben wie wahrscheinlich viele Bands das Schülerbandimage mit uns rumgetragen und wollten die alten Lasten mal abwerfen und das Ganze neu starten mit neuen Ambitionen, mit mehr Zeit, mit mehr Energie. Wir waren auch lang im Studio, haben da ein bisschen rumprobiert und dann mussten wir wieder alles wegschmeißen, weil es uns nicht getaugt hat. Und dann haben wir so in den letzten zwei Jahren herausgefunden, was wir eigentlich musikalisch wirklich machen wollen. Dann war es für uns der richtige Weg, das Ganze von Anfang an so aufzuziehen wie wir wollen. Mit einem gescheiten Konzept dahinter, ein geiles Team aufbauen.
Tom: Beziehungsweise die Leute von Blind Freddy mitzuziehen. Wir haben uns mit Blind Freddy schon ein paar Leute an Bord geholt, die immer noch dabei sind, z. B. Ferdinand Feldmann und Christoph Schaller. Zwei sehr tolle Jungs, die für uns alle Videos und alle Fotos machen. Mit denen haben wir auch das On The Run und das Inner Cinema Video gedreht. Die sind mega geil drauf und unterstützen uns.

Ist das nicht irgendwie inkonsequent, wenn man sozusagen nicht mehr von seinem eigenen Projekt überzeugt ist?

Tim: Ich finde nicht, dass es inkonsequent ist. Mehr so weit entwickelt, dass man checkt: okay, das was wir gemacht haben, war schon cool und hat Spaß gemacht, aber es ging nicht so hundertprozentig in die Richtung wie wir es letztendlich machen wollen.
Michi: Ich finde, es ging so nicht mehr weiter. Mit der Einstellung mit der wir in Blind Freddy reingegangen sind oder was halt dieser Grundgedanke von Blind Freddy war: „Hey wir haben Bock zu zocken, Bock mal Musik zu machen. Musik schreiben, spielen, juhu fertig! Und um alles andere soll sich jemand anders Gedanken machen.“ Das hat sich einfach geändert. Und da haben wir gesagt, wenn wir schon alles neu angehen, mit neuen Gedanken, neuem Konzept und neuer Motivation, dann wollen wir auch das komplette Projekt nochmal neu starten. Es war nicht scheiße was wir gemacht haben. Aber das alte so ein bisschen los werden. Wir schämen uns nicht dafür, was wir gemacht haben. Es war nämlich voll cool und hat mega Spaß gemacht und waren gute Erfahrungen. Wir haben voll viel gelernt. Sonst hätten wir das neue Projekt auch nie so anfangen können.

Hast sich auch was anderes bei euch gravierend geändert?

Kerim: Michi hat gelernt zu singen.
Tim: Man checkt halt ein bisschen mehr, dass das Projekt Kytes Arbeit ist. Davor bei Blind Freddy haben wir uns zweimal die Woche im Bandraum getroffen, Musik gemacht, Bier getrunken und am Wochenende ein Konzert gespielt. Scheiß auf alles andere. Kytes ist jetzt einfach mehr so…klar, wir sind mega happy, dass wir das machen können, was wir machen, was unser Traum ist. Wir sind gerade drei Stunden aus einer anderen Stadt hierher gefahren und das ist so cool, dass wir das endlich machen können. Wir haben halt gecheckt: das ist gerade unsere Arbeit und es gibt auch Momente, wo du merkst, das ist Arbeit. Zum Beispielt jetzt, wenn wir dann mit dem Interview fertig sind, dass wir runtergehen und erst mal ne halbe Stunde unser Zeug abbauen. Oder z. B. wenn wir eine Woche in Berlin im Studio waren und gemerkt haben: boah, das ist ganz schön hart – eigentlich würde ich gerade lieber an der Isar chillen, meinen Sommer genießen und mit meinen Freunden Party machen. Man checkt, dass man bei vielen Sachen zurückstecken muss wie Freunde, Liebe, Familie. Es sind einfach viele Sachen, die du unterordnen musst.
Kerim: Bei Blind Freddy hat halt jeder noch irgendwas gehabt, ob es Schule war oder Studium. Und da ist man halt in Proberaum gegangen und hat so hobbymäßig ein bisschen gespielt. Blöd gesagt. Und auch wenn man jetzt merkt, dass es Arbeit wird, ist es ja genau das, was wir wollen. Es soll ja unser Lebensinhalt werden und unser Lebensunterhalt.
Michi: Man muss jetzt nur drauf klar kommen, dass zum Hobby – zum reinen Hobby – jetzt auch dieses professionelle Ding dazu kommt.
Tim: Oder man trifft sich und bespricht zwei Stunden lang, was wir die nächsten zwei Monate machen. Oder wir streiten uns fünf Stunden lang, wie es jetzt genau weiter gehen soll. Also nicht nur musikalische Gespräche, sondern auch so strategische Sachen.
Michi: Voll! Wann kommt welcher Song raus? Wann spielen wir da am besten? Sollen wir da überhaupt spielen? Mit der und der Band? Hm, geben wir dieses Interview? Lauter so Sachen, über die man sich sonst null Gedanken gemacht hat.
Tim: Oder was machen wir mit unserem Video? Was wollen wir da aussagen? Solche Sachen überlegt man halt mehr. Das ist teilweise voll geil und macht voll Spaß und natürlich wollen wir das alle, aber man checkt auch mehr, dass es Arbeit ist.

Habt ihr einen Masterplan, damit das jetzt auch wirklich das Richtige ist und so bleibt?

Tim: Ich glaube grundsätzlich, dass es in der Musikindustrie einfach keinen Masterplan geben kann.
Tom: Wir haben ein mega geiles Team hinter uns und wir haben auch Musik von der wir selbst überzeugt sind und den Rest kann keiner vorhersehen. Wir machen worauf wir Bock haben und was am Ende dabei raus kommt, weiß keiner.
Tim: Letztendlich entscheiden einfach die Leute, ob sie den Song gut finden und ob sie den all ihren Freunden zeigen und ob das dann groß wird. Man kann schon viel dafür geben, aber am Ende entscheiden es die Leute. So ne Band, die bei unserem Label ist – Milky Chance – die hätten nie gedacht, dass ihr Song so weit aus Deutschland raus kommt und sie in Australien und Amerika nen mega Hit haben. Das kann man einfach überhaupt nicht planen. Es passiert einfach oder es passiert vielleicht langsamer oder es passiert gar nicht.
Kerim: Es ist halt wichtig, dass du überzeugt bist von dem, was du tust und alles dafür gibst.
Michi: Ich glaube, wir sind auf einem sehr guten Weg.

Spielt ihr die alten Songs auf der Bühne noch? Oder mal nur so für euch?

Michi: Nö, gerade nicht.
Tim: Du musst dir das so vorstellen: Immer wenn man du Musik machst und zwei/drei Jahre wartest – zumindest uns geht es so – fühlst du dich immer so: okay…das war vor zwei Jahren, aber es taugt uns nicht mehr so krass. Frag mal Noel Gallagher ob er Wonderwall noch so geil findet. Wahrscheinlich nicht mehr. Ich will jetzt nicht sagen, dass wir so nen Song wie Wonderwall hatten, aber es ist einfach so, dass man älter wird und reift und andere Musik hört. Ich finde es einfach schwierig, noch so viel Begeisterung für einen Song zu haben, der schon drei/vier Jahre alt ist. Und wahrscheinlich denken wir uns mit den Sachen, die wir jetzt machen, in zwei/drei Jahren auch: Oh Mann, das hätten wir anders machen können. Aber mit Blind Freddy ist das noch so ein bisschen was anderes. Auf unserem Album hatten wir auch voll viele Songs, die in eine ganz andere Richtung gegangen sind. Da war ein Song drauf, der war ein bisschen balkanmäßig, einer war auf Spanisch, einer war voll poppig, einer war total ruhig. Das waren Experimente. Wir haben einfach Musik gemacht, die uns taugt und haben nicht darauf geschaut, ob da ein roter Faden drin ist. Grundsätzlich finde ich es schon gut, dass man verschiedene Sachen macht, aber das war einfach ne Spur zu extrem.
Kerim: Findungsphase!
Tim: Ja voll! Das meinten auch alle Leute, die was über das Album geschrieben haben.
Tom: Damals waren wir schon noch so: ach was, Findungsphase – blablabla! Und mittlerweile sind wir schon auch: ja okay, das war unsere Findungsphase.

Trauert ihr irgendwas an Blind Freddy hinterher?

Kerim: Dem Abbauen und dem Aufbauen trauer ich hinterher!
Tom: Warum?
Kerim: Weil es einfach nur drei Verstärker waren und ein Schlagzeug und die Sache war erledigt.
Michi: Ich hab auch  noch eine Sache, der ich hinterher trauer und zwar: Ich hasse es, mir Gedanken darüber zu machen, wann man irgendwelchen Scheiß bei Facebook postet und wann man welches Promovideo macht und da noch ein Teaser und da noch ne Zeile. Da musst du dir das Lied anhören 14.11. von Edgar Wasser, dann weißt du genau, was mich dran stresst. Oder wir treffen uns zur Probe für vier Stunden. Und dann gehen auf einmal drei Stunden für irgendwelche Skypecalls drauf, um halt irgendwas zu planen.

Ich hab letzte Woche euren Song On The Run auf meinem Blog gepostet und jemand hat darunter kommentiert, dass er findet, euer Bandname passt sehr gut zu eurer Musik. Und da ist uns aufgefallen, dass man Kites – also die Drachen, die man steigen lässt – ja eigentlich mit i schreibt. Wer hat den Schreibfehler verbockt?

Kerim: Das ist kein Schreibfehler. Wir sind einfach alle vollkommene Fans vom Ypsilon.
Tim: Das ist schon bewusst so. Es wäre auch arg krass scheiße, wenn du beim Bandnamen einen Schreibfehler einbaust. Es soll auch nicht Drachen heißen. Das ist ein Wort, das wir mehr oder weniger erfunden haben bzw. was abgeändert haben.
Kerim: Es geht mehr um die Klangästhetik und dass es so auch noch cooler aussieht.
Tim: Wenn du die Bandnamenfrage stellen willst…

Nee, die wollte ich eigentlich nicht fragen, weil ich die immer total planlos finde.

Tim: Ja voll, aber wir hatten, als wir uns den Bandnamen überlegt haben, ein paar Bedingungen. Wir sollten einen kurzen haben, wir wollten einen, der schön aussieht, wenn du ihn schreibst – und wir finden, er sieht schön aus. Ich hoffe, du findest auch, dass er schön aussieht.

Ja, sieht schön aus.

Tim: Das war auch immer so eine Sache mit Blind Freddy. Jeder hat uns gefragt: Wer ist eigentlich Freddy von euch? Ist einer von euch blind? Wir wollten einfach versuchen, einen coolen, kurzen Bandnamen zu finden, den man schön irgendwo hinschreibt.

Ihr wart gerade erst mit der Startrampe vom Bayerischen Rundfunk unterwegs. Ich vermute, es war ziemlich cool. Was war das Highlight eures Roadtrips?

Tom: Die ganze Woche war eigentlich geil. Von der Startrampe hat uns auch einer gefragt, aber irgendwie kann man sich gar nicht festlegen.
Michi: Wir haben lauter geile Sachen gemacht. Wir haben so nen Sternekoch getroffen, der mit uns unser Lieblingsessen gekocht hat – Thai Curry. Wir haben nen Typen getroffen, der unseren Remix gemacht hat. In Wien haben wir zwei Konzerte gespielt, dann waren wir saufen mit denen. Das war alles cool eigentlich! Das war teilweise sehr anstrengend, weil…
Tim: Wir haben auch ein Video gedreht.
Michi: Genau, wir haben für unsere beiden Singles so ne ganz gechillte Version gemacht – so was wie ne Akustikversion – nur nicht akustik, sondern in gemütlich. Da haben die z. B. gedreht wie wir das Video drehen.
Tim: So behind-the-scenes-mäßig.
Kerim: Und mehr am 22.11. Da kommt die erste Folge raus.
Michi: 22.11.? Das muss ich meinen Vater sagen. Dann kann er mal wieder Bayerisches Fernsehen schauen…und sieht seinen Sohn!
Tim: Voll besoffen aufm Wiener Naschmarkt!

Da wart ihr auch? Boah, der ist voll geil, da war ich auch schon.

Kerim: Ja voll geil. Da sind auch ein paar lustige Scenen entstanden.
Tim: Ich musste weinen – vor laufender Kamera.
Kerim: Genau, aber mehr wollen wir hier nicht spoilern!
Michi: Ja, alles war cool! Es war sehr anstrengend teilweise, weil man den ganzen Tag gedreht hat. Aber richtig geile Woche!
Tim: Die haben ja so nen Bus – hast das schon mal angeschaut? Das war einfach cool mit dem mal rumzufahren.

Ja, die Folgen mit Cosby hab ich mir unter anderem mal angeschaut.

Kerim: Poledancing war darin nicht möglich.
Tom: Man stellt es sich eigentlich mega stressig vor, wenn man nur mit 80 km/h nach Zürich fährt, weil du ewig unterwegs bist. Aber es ging schon.
Tim: Es ist ein bisschen wie auf nem Tuckerschiff.
Kerim: Du machst dir auch keine Sorgen, wann du mal ankommst oder wie spät es ist.

Es sieht halt so mega gemütlich und gechillt aus!

Alle: Es ist auch mega gemütlich!

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Website: http://www.kytesmusic.com/
Facebook: https://www.facebook.com/kytesmusic/

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