Konzert: Jesper Munk – 19.11.2015 – Kantine

Es ist lange her, dass ich ganz allein auf einem Konzert war. Mittlerweile ist es so, dass ich hier in Augsburg fast immer jemanden treffe, den ich kenne. Schon irgendwie krass, wie schnell man in dieser Szene drin steckt. Am Donnerstag war ich dann aber doch ganz allein bei Jesper Munk. Meine Nachbarin hat überlegt mitzukommen. Sie war nämlich mit Jespers Mutter auf der Schule und kennt den Blondschopf noch als kleines Kind. Daraus wurde dann aber doch nichts und ich bin bei stürmischem Wind allein losgezogen.

Kurz vor Beginn war ich bei der Kantine. Am Eingang holte ich mir meinen Stempel und da stand auch schon Jesper Munk und plauderte noch mit den Leuten. Bloß nicht zu viel gucken und gaffen – das wäre ja peinlich! Lieber schnell weiter. Drinnen war es schon ganz schön voll. Ungewohnt, aber verständlich bei der Vorband. William’s Orbit hab ich schon beim Stadtschall Festival gesehen, jetzt gehen sie mit Jesper Munk auf Tour. Dazwischen haben sie noch den Titel „Bester Newcomer Bayerns 2015“ gewonnen. Den hat die fünfköpfige Hipster-Band (Man Bun und Movember-Schnauzer lassen grüßen) mehr als verdient. Zugegeben…die Musik ist typischer Indie-Rock, die Show war nichts Besonderes, aber recht solide, nach einer halben Stunde – zack – schon wieder vorbei. Doch die Songs, die Musik, das war halt schon ziemlich gut und total nach meinem Geschmack! Mich wundert es eh, dass William’s Orbit noch nicht auf eigener Headliner-Tour unterwegs ist. Vielleicht nächstes Jahr.

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Nach kurzer Umbaupause betritt Jesper Munk, gefolgt von Bassist und Drummer, die Bühne. Die blonden Haare stehen ihm wirr vom Kopf (das ist doch aber gefärbt oder?) und in der Hand hält er ein Glas Whisky. Zumindest vermute ich, dass es Whisky ist. So eine tiefe, kratzige Stimme muss ja gut geölt werden. Schon beim zweiten Song (ich glaube, es war The Parched Well) hat er mich voll überzeugt. Ich mag Bluesrock, obwohl man sowas eigentlich nie in meiner Playlist findet. Wenn das so richtig groovt und Schlagzeug und Bass einen langsamen, rollenden Beat erzeugen…das hat was. Außerdem klingen in diesem Genre auch ruhige Lieder nie traurig oder schnulzig.

Bei Blues meint man immer, das würden nur die älteren Generationen hören. An diesem Abend waren aber fast nur junge Leute in meinem Alter anwesend. Und immer wenn es besonders bluesig wurde, fingen die Frauen im Raum an zu pfeifen und ein ums andere Mal „Wooh!“ zu rufen. Jesper Munk ließ das aber recht unbeeindruckt. Song reihte sich an Song, zu jedem gab es eine kleine Ansage. Einmal grüßte er sogar seinen früheren Lehrer, der irgendwo im Publikum war. Es war ziemlich abwechslungsreich. Mal klang es rockiger, mal mehr nach Folk, dann wieder total nach Blues. Es waren ruhige und schnellere Nummern dabei. Auch ein Cover von Tom Waits sowie eins von Neil Young. Mehrere Songs spielte Jesper sogar allein, nur an Gitarre oder Piano. Das hörte sich dann aber plötzlich gar nicht mehr so recht nach Jesper Munk, sondern mehr nach typischem Singer-Songwriter. Mit Band gefiel mir das schon besser.

Am Ende packten die drei noch richtig coolen Rock’n’Roll aus, gespickt mit einem krassen Schlagzeugsolo. Der letzte Song war allerdings etwas richtig, richtig ruhiges. Das klang schon fast nach einem Rausschmeißer.

Insgesamt war es ein tolles Konzert, obwohl es nicht wirklich viele Überraschungen bot. Ich hab nämlich den Fehler gemacht und vorher einen Bericht über das Konzert in Ulm gelesen. Die Solostücke, die Cover von Waits und Young, das Glas Whisky, sogar die Ansagen…von all dem wusste ich vorher schon. Schade, dass das alles haargenau auch so in Augsburg passierte.

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