Konzerte an einem Donnerstagabend – eigentlich kein Problem. Doch wenn sie erst um 22 Uhr beginnen, ist das für mich als Frühaufsteher (und somit auch früh ins Bettgeher) schon eine kleine Qual. Wenn man aber die Band unbedingt sehen will, beißt man eben mal in den sauren Apfel. Und Yawl wollte ich eben unbedingt live sehen. Die Band gibt es noch gar nicht so lange und dementsprechend finden sich auch kaum Infos geschweige denn Videos im Internet. Hinter dem Zwei-Mann-Projekt steckt zum einen Beat-Freak Dot – eine Hälfte von Blindspot und somit in Augsburg längst kein Unbekannter mehr – zum anderen Rapper Ancient Mith aus Denver, USA. In die Musik der beiden durfte ich schon vor Monaten reinhören, ohne dass ich es gewusst habe. Ich war bei meinem Tätowierer, der zufällig der Bruder von Dot ist, und während er mir was Hübsches auf meinen Arm zauberte, spielte im Hintergrund Yawl. Ich war begeistert von der Musik und hab seitdem sehensüchtig auf die Tour – ja auf die ersten Konzerte dieser Band überhaupt – gewartet.

Und so ging ich Donnerstagabendnacht endlich mal wieder auf ein HipHop-Konzert. Statt Twenty One Pilots, die ja leider viel zu schnell ausverkauft waren, eben Yawl (btw ist das immer noch die beste Taktik bei Überschneidungen von Konzertterminen und der daraus resultierenden Entscheidungsproblematik: einfach warten, bis eines der Konzerte ausverkauft ist). Um halb zehn war ich in der Soho Stage, wo gerade noch DJ King Hausi leicht träumerische Musik auflegte. Es waren noch nicht viele da und ich suchte nach bekannten Gesichtern. Vergeblich. Das änderte sich enttäuschenderweise den ganzen Abend nicht, obwohl es später doch recht voll wurde. Ich dachte ja, dass Dots neues Projekt mehr Leute aus der hiesigen Musikszene anziehen würde.

Um zehn Uhr war noch immer nicht die Vorband auf der Bühne. Spätestens da wusste ich, dass es ein langer Abend werden würde. Doch bald darauf fingen der DJ und ein zweiter Mann an, Turntables zu verrücken, Kabel zu entwirren und einen fließenden Übergang vorzubereiten. Das klappte ganz wunderbar und der Grundstein für die Performance von Broken Sequence, dem Supportact aus Wien, war gelegt. Zunächst kam der Gesang vom Band, doch bald sprang auch Selbstlaut, der Rapper des Duos, auf die Bühne. Der zappelte, zuckte und tänzelte während der kompletten Show, verbunden mit den typischen HipHop-Moves. Das Ganze war sehr energetisch und auch ganz schön Gangster. Aber die zwei heizten dem Publikum richtig ein, welches am Ende auch prompt und völlig zu Recht ein Zugabe forderte.

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Als dann wieder Turntables und Laptops getauscht wurden, hatte ich schon die Hoffnung auf einen zweiten fließenden Übergang. Aber die Soho Stage leerte sich zunehmend. Anscheinend gingen alle eine rauchen. Ich blieb und führte ein paar nette Gespräche. Dann ging es endlich los. Yay! Ancient Mith sang zuerst einige Zeilen solo, komplett ohne musikalische Begleitung, aber richtig laut. Das rüttelte wach. Dann stieg auch Dot ein. Ich mag den Sound seiner Musik. Und auch wenn praktisch alles vom PC kommt, hört man teilweise richtig schön die einzelnen Instrumente raus. Mal ein Klavier, mal ein Tamburin. Insgesamt klingen Yawl trotz HipHop, trotz Rap, sehr melodiös. Ancient Mith singt halt auch sehr viel und kommt generell nicht so wie der typische, knallharte Rapper rüber. Statt mit den Händen diese krassen Checkermoves zu machen (gibt’s dafür eigentlich einen Fachbegriff?), liebkoste er manchmal schon fast das Mikro und legt jede Menge Emotionen in seinen Gesang. Nur das „Schnuffeltuch“, das er ständig in den Händen hielt, mit dem er sich hin und wieder über das Gesicht fuhr, es manchmal sogar auf den Kopf legte…das fand ich leicht merkwürdig.

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