Interview mit Timothy Auld

Ich war noch nie so aufgeregt vor einem Interview wie vor dem mit Timothy Auld. Warum? Ich hab keine Ahnung. Vielleicht weil er immer so super entspannt wirkt? Und ich an dem Abend wie ein überdrehter Flummi durch die Gegend gesprungen bin? Möglich. Dabei war die ganze Nervosität völlig umsonst. Timothy ist ein wahnsinnig netter und herrlich unverkrampfter Mensch. Noch dazu hatte ich an dem Abend Unterstützung dabei. Sebi, mein Kollege, war beim Konzert mit am Start. Klar, dass ich ihn danach mit zum Interview geschleift hab, denn witzigerweise kennen er und Timothy sich von früher. Als er uns vor der Show über den Weg lief, haben die zwei sich schon mit Handschlag begrüßt. Und ich stand daneben, der liebe Timothy noch völlig ahnungslos, dass ich ihn später mit meinen Fragen löchern werde. Also wundert euch nicht, dieses Interview enthält mehr Akteure als zunächst angenommen…

Ramona: Früher hast du ja in der Augsburger Reggae-Band Dub á la Pub gesungen. Das ist eigentlich eine ganz andere Musikrichtung, wie das was du jetzt machst. Inwieweit hat dich das in deiner Laufbahn als Musiker beeinflusst?

Timothy: Schon viel. Da haben wir ja auch oft gespielt und da hat man sehr viel Bühnenerfahrung mitgenommen und gelernt wie das ist, mit zwölf verschiedenen Charakteren auf Tour zu sein. Und Reggaemusik ist ja auch irgendwie bei mir drin. Also nicht unbedingt in meiner Musik, aber…

Ramona: Aber es ist genauso lässig…

Timothy: Das ist sehr lieb, da freu ich mich natürlich. Ja, das hat mich schon beeinflusst, klar. Wie lange war ich da drin? Schon so sechs, sieben Jahre…

Sebi: Hast du da mit 20 angefangen?

Timothy: Ich glaub, schon früher. Eigentlich schon mit 16. Und wann bin ich rausgegangen? Vor zwei Jahren. Das erste Mal war mit 16 in der Kantine. Da hab ich quasi meinen allerallerersten, richtigen Auftritt gehabt – mit Dub á la Pub.

Sebi: Seit wann hast du dann schon diese Parallellaufbahn?

Timothy: Schon immer. Schon seit ich zwölf bin schreib ich meine eigenen Lieder und produzier.

Sebi: In Weilheim damals oder?

Timothy: Damals in Weilheim, ja. Das war deswegen immer irgendwie da und der Kevin hat das damals gemacht und dadurch, dass er mein Bruder ist, hat sich das so schön ergeben, dass ich da mitmachen konnte.

Ramona: Du hast zum Soundtrack von zwei Schweighöfer-Filmen Songs beigesteuert. Hast du da nicht Sorge gehabt, dass man dich da evtl. in so ne Schublade steckt, wie das z. B. bei OneRepublic bei den Til-Schweiger-Filmen war.

Timothy: Echt? Sind die in so ner Schublade?

Ramona: Für mich schon. Der Til Schweiger verwendet die halt voll oft in seinen Filmen, vor allem bei den ersten, Keinohrhasen und so…

Timothy: Das ist witzig. Das fragen immer so viele Leute. Und ich hab ja eigentlich gar nichts mit dem zu tun. Ich hab den noch nie kennen gelernt. Man muss, glaube ich, verstehen, dass das zwei verschiedene Sachen sind. Die Filmkomposition ist durch einen Komponisten entstanden, bei dem ich im Studio wohn. Und bei dem hab ich nämlich die Sachen eingesungen und so hat sich das ergeben.Weißt du, wie ich mein?

Ramona: Äh…nee?

Timothy: Ich bin nicht zum Matthias Schweighöfer gegangen und hab gesagt: „Hey Matthias, schau mal, hier sind meine Songs, die sind richtig geil.“ Sondern ich hab den Filmkomponisten durch Zufall – über 15 Ecken kennengelernt – und der hat gesagt: „Hey, ist ganz cool. Komm doch mal vorbei und sing was ein.“ Und da hab ich was eingesungen und das hat gepasst. Und dann wurde das verwendet.

Ramona: Okay. Aber OneRepublic haben ja auch nicht extra für Til Schweiger die Sachen gemacht.

Timothy: Nee, aber ich glaub, auf so einer Ebene geht’s dann eh wieder um andere Sachen. Das wissen die ja oft gar nicht. Zum Beispiel Pharrell Williams. Der weiß ja nicht, dass Happy zum fünftausendsten Mal in irgendeinem deutschen Film verwendet wird. Es ist nicht immer so krass, wie man meint. Aber ich freu mich natürlich immer über diese Sachen, die so passieren.

Sebi: Was sind das dann eigentlich für Filme?

Timothy: Das war What A Man, Schlussmacher, Der Nanny…

Ramona: …Traumfrauen…

Timothy: Ja, aber das war mit Elyas M’Barek. Das ging ja eigentlich nur über Parov Stelar. Das passiert immer über Ecken, wo man eigentlich gar nix dafür kann – was ja auch schön ist.

Ramona: Auf Facebook hast du in den letzten Wochen immer wieder Videos gepostet, wo du Songs coverst. Und du spielst alle Instrumente selbst. Würdest du dich als Multiinstrumentalist bezeichnen?

Timothy: Nein, nein. Ich kann diese Instrumente gut genug, dass es okay klingt. Aber ich würde mich jetzt nicht auf ne Bühne stellen. Da müsste ich schon viel mehr üben, dass es cool ist.

Ramona: Welches Instrument spielst du am liebsten?

Timothy: Ähm. Ich produzier sehr gerne, wenn man das als Instrument bezeichnen darf. Ich hab sehr viele Ideen in meinem Kopf und ich weiß, wie ich sie umsetzen kann. Und das was ich benutze, ist halt mein PC. Ja gut…man kann es nicht wirklich als Instrument bezeichnen. Aber mein Lieblingsinstrument, das ich auch spiele? Ich finde Klavier am schönsten. Aber ich kann es nicht so gut spielen, leider. Aber ich finde Klavier unglaublich geil, weil man kann alles damit machen. Außer halt am Lagerfeuer…da wird’s etwas problematisch.

Ramona: Und welches Instrument spielst du überhaupt nicht gern?

Timothy: Die, die ich halt nicht kann.

Ramona: Aber Klavier kannst du ja auch nicht so wirklich gut ;)

Timothy: Das stimmt. Das kann man, glaub ich, gar nicht so sagen. Ich spiel jedes Instrument ganz gern. Alles ist so anders und schön und hat so seine Berechtigung.

Ramona: Du hast ja auch was von Jack Garratt gecovert – Worry. Das Lied find ich mega geil (Timothy: Cool, ich auch!). Der spielt ja auch alle Instrumente selbst, aber der spielt sie auch noch alle gleichzeitig. Was hältst du davon? Ist das erstrebenswert oder leidet da am Ende nur irgendwas drunter?

Timothy: Nee, das ist cool. Der hat das einfach perfektioniert. Ich glaube, sowas fängt man auch nur aus finanziellen Gründen an. Wenn du dir vorstellst, du gehst mit fünf Leuten auf Tour, dann musst du ja jedem was zahlen. Fürs Essen, Unterkunft…Und so kann der halt einfach sagen: Cool, ich spiel ein fettes Konzert und verdien einfach genau das, was halt die Gage ist und muss es nicht durch tausend Leute teilen. Aber es macht schon sehr viel Spaß mit einer Band zu spielen..

Sebi: Aber dafür hättest du ja dein Loop-Werkzeug. Wo du das heute zum Einsatz gebracht hast, hab ich mir vorgestellt, dass das wie so ne Art Straßenmusik ist…

Timothy: Kennst du Bernhoft? Der macht das auch. Und Jack Garratt macht das ja auch mit Loops. Der loopt sich ja auch nur selbst. Und Bernhoft macht das auch. Auch unglaublich gut. Wenn du den noch nicht kennst, musst du mal auschecken. Man kann das ja immer ins Unendliche perfektionieren, aber oft fehlt halt leider einfach die Zeit. Und ich spiel schon sehr gern mit der Band.

Ramona: Bist du dann Fan von Jack Garratt?

Timothy: Ja, voll. Ich hab mir auch schon Karten besorgt.

Ramona: Und wer inspiriert oder beeinflusst dich sonst noch?

Timothy: Alles. Ich hör gerade sehr viele Newcomersachen, weil ich es immer sehr interessant finde, weil das oft so Leute sind – gefühlt – wie ich. Die halt alles selber machen, selber produzieren, selber Sachen schreiben. Und das ist immer sehr interessant, welche Ideen die haben und wie die das umsetzen. Aber eigentlich, wirklich alles. Ich könnte jetzt nicht sagen, ich finde nur das und das geil und nur das inspiriert mich. Das wäre zu leicht.

Ramona: Auf welchem Konzert warst du dann zuletzt?

Timothy: Ich glaube D’Angelo. Vor einem Jahr. Tatsächlich genau heute vor einem Jahr. Jetzt muss ich mal überlegen. Ich glaub nicht, dass es das letzte war, aber ich hab das Gefühl, dass es das letzte war…Zumindest war es das letzte, das so krass war. Das war nämlich so ein Lifetime Hero. Der war ja zehn Jahre nicht auf Tour. Vor zehn Jahren war der einer der krassesten Sänger und ne Legende. Und der hat sein zweites Album rausgebracht letztes Jahr und ist dann wieder auf Tour gegangen nach zehn Jahren. Und das war dann so…wow!

Ramona: Ich finde ja, dass alle deine Songs mega lässig klingen. Bei dir klingt alles so entspannt und so groovig.

Timothy: Echt? Cool, das ist schön.

Ramona: Woher nimmst du diese Lässigkeit? Wenn du nen Song schreibst, ziehst du dir dann besonders lässige Klamotten an oder hörst den ganzen Tag nur Jazz? Weil ich finde, so entspannte Songs zu schreiben, ist große Kunst…

Timothy: Hm, ich weiß gar nicht so genau. Ich glaube, das ist gar nicht so verkopft. Das kommt einfach so raus. Manche Leute können z. B. unglaublich geile Partylieder oder unglaublich gute, depressive Musik schreiben – was ja auch sehr wichtig ist. Und vielleicht kann ich halt ganz gut lässige Songs schreiben. Oder vielleicht auch nicht (lacht).

Ramona: Hauptsache du schreibst Lieder, die so klingen, wie sie klingen! Danke für das Interview!

Timothy: Danke dir!

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Fun Fact: Wir tragen fast das selbe Hemd ^^

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