Vor einer Woche durfte ich die Band Mundhaarmonika zum Interview treffen. In ihrer Musik kommt so ziemlich alles zusammen, was ich gut finde: Rap abseits von Ich-bin-ja-ach-so-Gangster, poppiger HipHop, intelligente Texte und ein Saxophon – eines meiner Lieblingsinstrumente (vor ein paar Jahren hätte ich ja fast selbst angefangen Saxophon zu lernen). Bei Mundhaarmonika gefällt mir aber nicht nur die Musik; mich fasziniert, dass neben den Musikern auch diejenigen, die eher im Hintergrund agieren, völlig selbstverständlich zur Band gehören. Und so kam es, dass bei unserem Interview im Weißen Lamm nicht nur Simon (Rap) und Felix (Bass), sondern auch Marcel (dreht die Videos) und Temren (kümmert sich ums Management) dabei waren.


In Videos und bei Konzerten trittst du ja immer mit Melone und Sonnenbrille auf. Es weiß also im Prinzip keiner so recht, wer da drunter steckt. Ist das eine Art Konzept, das ihr von Anfang an festgelegt habt, dass du so ne Maske wie Cro oder Sido hast?

Simon: Es ist eigentlich keine Maskerade in dem Sinne. Sonst müssten wir wahrscheinlich eine Maske nehmen, die ein bisschen aufwendiger ist. Unterschwellig ist es natürlich eine Maske, weil man mich nicht erkennt. Aber ich bin da jetzt nicht so drauf erpicht. Den Hut hab ich damals schon in meiner alten Band getragen. Die hat sich dann aufgelöst…

Welche Band war das?

Simon: So eine Alternative-Rock-Band hier in Augsburg. Ich sag jetzt nicht den Namen, sonst fängst du an zu googlen (lacht). Das ist vogelwild…ein Video gibt’s noch bei Youtube. Da hatte ich den Hut schon. Das hat sich halt aufgelöst und dann hab ich viel Musik selber gemacht und den Hut einfach behalten. Als Markenzeichen. Oder eher als Wiedererkennungswert, dass man halt merkt „Ah, das ist dieser Typ mit Melone und Sonnenbrille“. Aber wegen der Maskerade jetzt nicht unbedingt.

Hast du dann schon mal Auftritte ohne gespielt?

Simon: Nee.

Ihr habt ja euer eigenes Label – Plattenmoped – und da steht auf der Homepage, dass ihr Clash Rap macht. Was versteht man denn unter Clash Rap?

Simon: Wer will? Ich weiß die Antwort…

Felix: Ich hab selber keine Ahnung, was Clash Rap bedeutet (lacht).

Simon: Das kam eigentlich daher: Letztes Jahr haben wir diesen Bandwettbewerb mit der Stadtsparkasse gewonnen, wo wir dann auch aufm Oben Ohne spielen durften. Und da haben wir ein Coaching bekommen mit einem großen Label in München. Die haben gesagt, wir müssen ganz genau definieren, was wir für eine Musikrichtung machen. Für uns selbst erst mal und dann aber auch für Leute, die uns buchen wollen. Wir sind natürlich schon geprägt von HipHop und Rap durch mich, aber durch die Jungs auch viel Jazz, Funk und sonst irgendwas. Da kommen ja wahnsinnig viele Musikrichtungen mit rein. Und wenn wir nur schreiben würden HipHop, dann bist du halt einer von vielen. Man soll seine eigene Stilistik ein bisschen umschreiben. Der Andi kommt mit Jazz, dann fang ich an drauf zu rappen. Der dritte kommt dann mit irgendwelcher Metal-Kacke – so aus Spaß. Im Songwriting ist es oft so, dass sich unsere Geschmäcker quasi clashen. Und so haben wir intern für uns beschlossen, dass es Clash Rap ist. Rap ist natürlich in jedem Song, aber was drunter passiert, das kann sich sehr wandeln. Das hat sich auch verändert von den Produktionen von früher zu heute. Das wird sich auch dieses Jahr wieder ändern. Wir haben schon ein paar Songs in der Pipeline, die sind schon mal wieder – ich sag mal: dezent etwas anders.

Früher warst du Straßenrapper. Was darf man sich darunter vorstellen? Straßenmusiker mit Gitarre kennt man ja, aber was macht ein Straßenrapper?

Simon: Das steht, glaub ich, in unserem Press-Kit, da hast du das wahrscheinlich gelesen. Damit hab ich eigentlich nicht gemeint, dass ich ein Straßenmusiker so an sich bin. Ich war halt immer einer, der in seinem kleinen Zimmer produziert hat, raus gegangen ist auf die Straße, gefilmt hat und das den Leuten und Freunden gezeigt hat. Ich hatte ja keine Band. Aber ich bin jetzt kein Straßenmusiker. Wär aber auch mal geil.

In euren Songs kommt auch immer wieder ein Saxophon vor. Eigentlich ein ziemlich ungewöhnliches Instrument fürs Rappgenre oder für HipHop allgemein. Wie kam es dazu?

Felix: Die ursprüngliche Band, die der Pianist zusammengestellt hat, waren ich am Bass, der Tom am Schlagzeug und eben der Andi an den Keys. Und wir haben uns gedacht, dass da irgendwas fehlt. Sei es Trompete oder Saxophon oder sonst was. Und ich kannte eben den Joachim vom Studium. Wir waren mal auf einer Party und es war schon relativ spät. Und irgendwann hab ich zum Simon gesagt: „Hey pass auf, das ist unser neuer Saxophonist.“ Das war kurz nachdem wir im Studio waren. Da hatten wir für unsere EP What’s Rap auch Bläser dabei und das wollten wir auch live umsetzen. Dadurch kam die Idee „Komm, lass uns zumindest einen Bläser dazu holen“. In den 80ern war ja fast in jedem Popsong so ein Sax-Solo drin und ich liebe die 80er so als Musikgenre. Da kamen coole Songs bei rum. Vielleicht also auch ein bisschen da drauf zurück gegriffen. Aber eben auch weil es inzwischen wieder innovativ ist, sowas zu machen. Und es passt auch zu unserem Sound.

Simon: Es ist einfach ein verdammt geiles Instrument.

Felix: Ich hab früher auch viel Saxophon gespielt. Deswegen bin ich dem auch nicht abgeneigt.

Simon: Saueklig aber auch.

Felix: Eklig? Ja wegen der ganzen Spotze.

Temren: Das ist echt das widerlichste Instrument, das es gibt.

Simon: Mit dieser komischen Holzplatte, die man nass machen muss. Bäh!

Felix: Es geht noch ekliger. Posaunen oder so, die haben unten ne Klappe, wo dann einfach die Spotze rausläuft.

Simon: Ne Spotzenklappe (lacht).

Mmmmhhh…Dein erstes Video, das war zum Song Gefällt mir – da warst du ja noch ohne Band unterwegs, oder?

Simon: Ja.

Das hast du in der Augsburger Innenstadt gedreht. Euer letztes war dann schon in einer Münchner Wurstbude. Welche Bedeutung hat Augsburg noch für dich? Du kommst ja auch von hier oder?

Simon: Ja, eine große Bedeutung. Ich bin hier aufgewachsen, hab meine ganze Jugend hier verbracht. Meine ganzen Freunde sind hier. Ich war bis 21, 22 in Augsburg und bin dann wegen dem Studium nach München. Da hat sich so viel entwickelt. Mit der Band und auch von der Arbeit her. Ich mach mit Marcello – der hat eine eigene Firma – auch viel, was jetzt nichts mit der Band zu tun hat. Ein Kumpel von uns hat ein Start-up, da bin ich auch gerade angestellt. In München ist es eine ganz andere Situation, ein ganz anderes Netzwerk, das da durch Zufall entstanden ist. Aber wenn jetzt jemand fragen würde: „Was ist besser – Augsburg oder München?“ Das kann man nicht beantworten. Es ist einfach anders. Ich komm auch noch gern hier her und bin auch regelmäßig hier.

Kannst du dir dann vorstellen, mal wieder zurück zu ziehen?

Simon: Ausschließen würde ich es nicht. Wenn die Band mitkommt und wir hier ein fettes Studio haben, da bin ich der erste, der Ja sagt. Es steht halt aktuell nicht zur Debatte, weil jeder von uns in München studiert. Aber so finde ich Augsburg schon geil. Wir haben ja letztes Jahr auch da oben aufm Sonnendeck gespielt. Da kommt jetzt Mitte März auch das Video raus.

Hast du sonst noch einen favourite Place hier in Augsburg?

Simon: Da gibt’s viele, ganz viele. Hier (Anm. d. Red.: wir waren im Weißen Lamm), da oben aufm Sonnendeck, Golden Glimmer Bar…Wie heißt die neue am Königsplatz?

Die neue?

Simon: Ja, was heißt neu. Die gibt’s auch schon drei, vier Jahre.

City Club?

Simon: Ja, genau. Hallo Werner ist super nice. Wo ich ganz oft bin, ist Inningen. Da haben wir so ein Jugendhaus. Da war ich viel ehrenamtlich tätig.

Felix: Nicht der Plärrer.

Wir verstehen uns ;)
Ihr macht ja alles selbst, vom Design bis zum Produzieren. Habt ihr schon mal überlegt, das in andere Hände abzugeben?

Simon: Also ich kann nur für mich sprechen. Songtexte nicht und Design auch nicht (lacht). Nee, keine Ahnung. Wenn es irgendwann mal eskaliert und völlig ausrastet und wir von der Arbeit nicht mehr hinterher kommen, dann müssen wir es ja abgeben. Sollten wir mal auf Tour gehen, dann kannst du ja während der Tour nichts vorbereiten. Da bist du nur damit beschäftigt loszufahren, da anzukommen, alles aufzubauen, essen, spielen, einpacken und dann wieder weiter ziehen. Da kannst du ja von dem ganzen Organisatorischen nichts machen.

Felix: Also im Prinzip stellt sich die Frage erst, wenn es nicht mehr anders geht. Aber inzwischen ist es noch so, dass jeder seinen Kompetenzbereich hat und den voll ausschöpfen kann. Und es macht Spaß und ist halt unfassbar produktiv.

Ihr seid halt echt die einzige Band, die ich kenne, die alles selbst machen.

Simon: Du schreibst ja auch viel über Timothy Auld oder Impala Ray, die machen ja auch fast alles selber.

Aber die haben nicht ihren eigenen Manager.

Simon: Da macht das wahrscheinlich der Frontmann. Nicht? Hm, vielleicht brauchen wir auch ein Management.

Temren: Hey, jetzt aber Punkt hier! (lacht)

Anfang Februar habt ihr mit Balkon einen neuen Track rausgebracht. Was darf man in Zukunft von euch erwarten? Vielleicht ein Album?

Simon: Da kommt viel!


Nach unserem Interview durfte ich mir sogar exklusiv und vorab das neue Video zu Bauslupenband ansehen. Das will ich euch natürlich nicht vorenthalten. Zieht es euch rein! Denn auch hier könnt ihr nicht nur die Band sondern auch Tem und Marcel sehen…Ich hab’s mir gerade nochmal angeschaut. Ja sogar im Songtext kommen die beiden vor! Hach, kann eigentlich irgendwer nachvollziehen, warum ich das so genial finde?

Homepage: http://www.mundhaarmonika.de/
Facebook: https://www.facebook.com/mundhaarmonika/
Youtube: https://www.youtube.com/user/mundhaarmonikarecord

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