Noch vor zwei Jahren hätte ich nie und nimmer gedacht, dass ich mir jemals irgendeine Band öfter wie ein- oder zweimal live geben würde. Tja, bei Adulescens hab ich mittlerweile aufgehört zu zählen. Die hab ich inzwischen so oft live gesehen, dass ich nun sogar die beiden Brüder Max und Hannes auseinanderhalten kann. Gar nicht so einfach sag ich euch! Das gestrige Konzert war trotzdem etwas ganz Besonderes. Die Band hat mich zu einem Kopfhörer- bzw. einem Silent-Konzert in ihrem Proberaum in Obergriesbach eingeladen, das der Testlauf für eine geplante Tour im Herbst war.

Das Haus, in dem das Konzert statt fand, muss wohl früher mal eine Wirtschaft gewesen sein. Jetzt ist es nur noch spärlich mit Möbeln bestückt und der Bandproberaum befindet sich hinter einer unscheinbaren, schallgedämmten Tür. Das Zimmer war mit Teppich ausgelegt, an den Wänden hingen Poster von super Bands und es war dunkel. Stockdunkel und neblig. Beim Eintreten haben wir alle ein paar schwarz-gelbe Bluetooth-Kopfhörer in die Hände gedrückt bekommen. Puh, kein Kabel. Davor hatte der Tollpatsch in mir ja ein kleines bisschen Schiss. Bevor es los ging, bekamen wir von Bassisten Max eine kurze Einführung. Eigentlich alles super easy. Kopfhörer auf und es konnte los gehen.

Am Anfang war es zwar etwas ungewohnt, alles über Kopfhörer zu hören, aber man gewöhnte sich echt schnell dran. Noch dazu bot das einige Vorteile. Man konnte z. B. die Lautstärke selbst regeln, was einfach genial ist (als ich von Zuhause los bin, wollte ich schon routinemäßig meine Ohrenstöpsel einpacken, bis mir einfiel, dass das ja an dem Abend eigentlich total hirnrissig wäre). Außerdem hat man alles viel klarer und deutlicher gehört und bei den Ansagen war es, als würde dir jemand ins Ohr flüstern. Das war…echt cool!

Zum einen wegen der Fotos, zum anderen weil ich mal wieder alles ganz genau wissen wollte, bin ich während des Konzerts durch den Raum spaziert. Die Band (inklusive zwei Leute für Ton und Licht) hatte sich kreisförmig in der Mitte platziert und waren einander zugewandt, während sich die Zuschauer in einem etwas größeren Kreis rundrum verteilten. Das war mal was anderes. Wenn auch etwas merkwürdig, da man so die Musiker, die am nähesten bei einem standen, immer nur von hinten gesehen hat. Man sollte meinen, dass man ja dank der Kopfhörer überall genau das Gleiche hören würde. Dem war aber nicht so, da die Dinger die Instrumente nicht komplett isolierten. Das war aber nicht weiter schlimm. Ich hab mich halt einfach in die Nähe vom Bassverstärker gestellt. Da hat’s mir ganz gut gefallen.

Ich war ja auch super neugierig, wie sich dieses Konzert ohne Kopfhörer anhört. Also hab ich sie zwischendrin mal abgenommen. Da war ich echt überrascht. Ich dachte ja, dass man außer Schlagzeug, Gesang und ein bisschen Gitarren-Pling-Pling nicht viel hören würde. Tatsächlich hat es aber bei manchen Songs gar keinen sooo gravierenden Unterschied gemacht, ob jetzt Kopfhörer auf oder nicht. Bei anderen widerum war es krass. Da dachte ich ohne Kopfhörer, ich hätte noch nie was gehört, das schiefer und schräger klingt. Dann Kopfhörer auf und zack! Alles fein und musikalisch tiptop. Wie ich es von Adulescens eben gewohnt bin. Die beeindrucken mich ja immer wieder. Allein die ganzen Instrumente, all die Synthies und Dinge, die ich noch nicht mal benennen kann, die sie immer am Start haben und natürlich einwandfrei beherrschen. Gestern durften wir sogar erfahren, was hinter dem Titel vom hoffentlich bald erscheinenden Album steckt. Adulescens haben die zwei Bedeutungen von Ataxia zusammengefasst und daraufhin eine Reihe von Songs geschrieben, die irgendwie mit geistiger Lähmung und Chaos zu tun haben. Ich finde, mit dem minimalistischen Gesang und dem Grundgerüst aus Elektro und Indie, das stellenweise kurz ins Rockige abdriftet, haben sie das ziemlich gut verdeutlicht. Klingt nach gelähmten Chaos (oder ist das ein Widerspruch in sich?).

Auf jeden Fall war’s fett und eine echt coole Erfahrung! Ich hoffe, das war nicht mein letztes Silent-Konzert. Mich würde nämlich schon interessieren, wie das denn ist, wenn man mit den Kopfhörern den Raum verlässt. Allein die Vorstellung, man könnte z. B. aufs Klo gehen und würde trotzdem noch alles hören…

IMG_4091

IMG_4062

IMG_4077

IMG_4099

IMG_4059

IMG_4120

IMG_4117

IMG_4080

IMG_4047

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s