Konzert: The Unguided – 17.04.2016 – Urban Spree

Im heutigen Blogeintrag geht es um ein Genre, von dem ich eigentlich nicht viel Ahnung hab. Die Rede ist von Metal. Und aus eben dem Grund, bekommt ihr heute nicht nur meine Meinung zu lesen, sondern auch die von Chris, der mich zu diesem Konzert mitgeschleift hat. Die Idee zum Blogeintrag entstand sehr spontan, deswegen entschuldigt die schlechte Qualität der Fotos.

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Wie ich das Konzert erlebte…

Nie und nimmer hätte ich gedacht, dass ich das jemals tun würde und eigentlich war es auch nicht ganz freiwillig. Ich musste. Weil ich halt genau an dem Tag bereits in Berlin war. Und was sollte ich sonst tun? Däumchen drehen? Also musste ich mit. Zum Metal-Konzert. Chris freute sich, weil ich mich nicht freute. Und ich hatte Angst, dass die Metaller mich Hipster-Kind, mit meinem Hipster-Turnbeutel und meinen Hipster-Schuhen, steinigen würden. Zuhause hatte ich schon massig schwarze Klamotten eingepackt. Sicher ist sicher. Aber vor Ort war ich dann doch überrascht. Meine Vorurteile haben sich kaum bestätigt. Die meisten Männer hatten gar keine langen Haare. Es hatte auch keiner ausgefranste Jeanswesten oder lange Ledermäntel an. Die sahen alle recht normal aus. Ich entdeckte sogar ein Mädel, das anscheinend wie ich nur Anhängsel war und mitmusste. Sie trug einen weißen Pullover und eine braune Hippieumhängetasche. Anfängerin.

Zu meinem Bedauern gab es an diesem Abend zwei Vorbands. Die erste stellte sich so vor: „Wir sind Hopelezz und kommen aus Wuppertal.“ Hahahahaha! Das hätte ich besser verschwiegen. Hört sich nämlich an wie „Möchtegern aus Hinterdupfing“. Und ungefähr so klang das auch. Nur lautes Geballer und absolut unmelodisch. Immerhin hat sich der Sänger hin und wieder im Singen versucht – also anstatt zu screamen. Hat nicht so recht funktioniert. Sein Atem war nämlich überhaupt nicht gestützt (ach ja, schlimm diese Musikblogger, die auch noch selbst Musiker sind) und so klang der Gesang, als würde er auf den Boden fallen und von der Bühne kullern. Da wünschte ich mir fast, er würde doch lieber wieder screamen.

Danach folgten Eyes Wide Open, die sehr, sehr komisch geschminkt waren. Sollte das nach was aussehen oder einfach nur dreckig wirken? Keine Ahnung. Für mich schwankte das irgendwo zwischen befremdlich und lächerlich. Wenigstens konnte der Sänger singen und das obwohl er erst vor drei Wochen innerhalb der Band auf die Position des Frontmanns wechselte! Und ich dachte mir so: Wenn man die Gitarren reduzieren und das Schlagzeug etwas dämpfen würde…ja, dann könnte man daraus vielleicht auch einen ganz netten Popsong machen. Außerdem muss ich zugeben, dass die Band ein ziemlich gutes Intro hatte!

Dann endlich der Hauptact – meine Qual sollte bald ein Ende haben. Was mir bei The Unguided als erstes auffiel: der Sänger erinnerte mich optisch stark an Sigi von William’s Orbit. Also irgendwas muss an dem Wochenende mit meinen Augen gewesen sein…Ansonsten wurde es musikalisch immer besser, melodiöser und auch elektronischer. Konnte man sich gut anhören. Wenn man stellenweise weghörte. Viele der anwesenden Fans machten häufig das typische Handzeichen – die Faust mit ausgestrecktem Zeige- und kleinen Finger. Ich als Noob dachte mir nur: sieht von hinten aus wie der Schweigefuchs. Sorry, an alle Metalfans, aber das ist so. Bis dahin verlief das Konzert im Großen und Ganzen ziemlich ruhig. Kein Pogen, kein Moshpit und die Prinzessin musste noch nicht schreiend aus der Location fliehen. Aber genau in dem Moment, als mir das bewusst wurde, ruft der Sänger zur Wall Of Death auf. Panik in meinen Augen und der Drang, sich sofort in die hinterste Ecke des Clubs zu verkrümeln. Es wurde dann doch weniger schlimm als ich befürchtet hab. Ich hab überlebt. Und außer einem kleinen Hörschaden den Abend unversehrt überstanden.

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Wie Chris das Konzert erlebte…

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust – Ob es dem guten Goethe auch so ging wie mir als er diesen Satz rausgehauen hat, ist jedoch fraglich. Denn mein Musikherz schlägt sowohl für die zarten als auch harten Töne. Und letztere gab es für mich nach langer Live-Abstinenz dann am Sonntag, den 17.04. endlich wieder im Urban Spree auf die Ohren.

Los ging es schon daheim bei der Kleiderwahl, denn wie jeder weiß sind bei einem Metalkonzert die richtigen Klamotten das A und O. In Ermangelung einer traditionellen Kutte fiel die Wahl schnell auf meinen treuen Festival-Hoodie, während bei den T-Shirts die übliche Frage anstand: Welches schwarz darf es heute sein?

Damit aber genug Fashion-Talk, bevor ich noch weiter abdrifte und wir hier über den richtigen Conditioner für die Wallemähne und ein ultimativ-befreites Headbang-Erlebnis sprechen. Im Club angekommen, entpuppte sich dieser als kleiner, als ich bisher angenommen hatte. In Augsburg durften The Unguided und Konsorten schließlich meine geliebte Ro(ck)Fa(brik) auseinandernehmen. Hier in Berlin wartete ein zwar ähnlich charmant-verkommener Club auf uns, der aber deutlich weniger Leuten Platz bot. Aber gut, man soll den Gig nicht vor der Zugabe loben bzw. über ihn schimpfen und somit wartete ich geduldig, bis das Licht ausging und der Support-Act Hopelezz losschredderte.

Sorry Jungs, aber mehr 08/15 ging nicht, oder? Beim nächsten Songschreiben bitte weniger im „Metal 101“-Baukasten rumgraben und ein wenig selber kreativ werden. The Hopelezz haben sich zumindest wirklich angestrengt, Stimmung zu erzeugen. Sie schraddelten und screamten, als ob es um ihr musikalisches Leben ginge und wenn man sich gaaaaanz doll angestrengt hat, konnte man auch hier und da eine Melodie erkennen. Mir hat Ramona wirklich leidgetan, sich diese Band als Nicht-Metallerin antun zu müssen. Der schönste Part des Auftritts jedenfalls war, als die Truppe Eyes Wide Open als nächste Band ankündigten. Yay!

Grinsend wie ein Honigmetpferd schickte ich ein Hardrock-Halleluja gen Himmel, dass ich mich in der Band nicht getäuscht hatte. Und bei Lemmy, das hatte ich auf keinen Fall! Obwohl ihre Outfits eher nach einer B-Produktion von The Walking Dead aussahen, lieferten die Jungs eine geniale Show ab. Von den ersten Tönen an hörten sich die Schweden wie ihre Landesvettern von In Flames zu ihren besten Zeiten an (die leider definitiv schon vorbei sind). An dieser Stelle muss man auch noch hinzufügen, dass der ursprüngliche Sänger die Band ganze drei Wochen vor der Tour verlassen hat und der Gitarrist dessen Stelle kurzfristig übernommen hat. Also fette, fette Props dafür, dann trotzdem so einen Auftritt hinzulegen. Nach einigen fetten Songs, Ghettofists und Handschlägen fürs Publikum war es dann Zeit für die Band, auf die wir alle (bis auf Ramona und ein paar andere mitgeschleppte Freundinnen) gewartet haben: The Unguided!

Schon die Tracks, die während der Umbauphase liefen, ließen auf Großartiges schließen. Während vorher andere Genrevertreter aus den Boxen plärrten, lief hier einfach mal „Gimme All Your Lovin“ von ZZ Top. Oh ja, die könnt ihr haben: Sweet, sweet metal love.
The Unguided liefen wie Gladiatoren ein und man merkte sofort, dass sie – zumindest ein Teil der Jungs – für die ganz große Bühne geschaffen waren. Immerhin sind drei davon ehemalige Mitglieder (und der gute Teil) von Sonic Syndicate, die schon viel größere Massen zum moshen gebracht haben. Richard Sjunneson kann immer noch screamen wie kein zweiter und schaut auch immer noch so aus wie ein Liebeskind von Falco und Till Lindemann (Stichwort sweet metal love). Der Melodic Death Metal mit seinen vielen elektronischen Elementen batzt live nochmal eine ganze Ecke besser, wenn der Bass so richtig schön bumst und einem der Sound nur so um die Ohren fliegt. Da bleibt definitiv kein Nacken verschont.

Auch wenn es zwar etwas schade war, dass nur so wenig Metalheads in den Genuss dieses Knallerkonzerts kamen, konnte ich unglaublich happy und kaputt nach Hause fahren. Und ehrlich gesagt auch ein wenig dieses Berlin-Hipster-Gefühl mitnehmen, als einer der wenigen „voll underground“ die Band erlebt zu haben.

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9 Gedanken zu „Konzert: The Unguided – 17.04.2016 – Urban Spree“

  1. Da hast du dich aber echt wacker geschlagen auf deinem ersten Metalkonzert! Ich fand es wirklich total spannend und interessant, deine und Chris‘ Meinung quasi gegenübergestellt zu lesen – als eingefleischter Metalfan bin ich nämlich immer nur sehr verwundert, warum meine Schwester mich nie auf Konzerte begleiten will. Du hast ein wenig Licht in dieses Unverständnis meinerseits gebracht. Danke dafür!

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    1. Ich kann deine Schwester gut verstehen ;) wahrscheinlich hat sie wie ich auch einfach nur Angst, dass ihr was passieren könnte, weil die Leute so krass pogen etc. Aber ich hab gemerkt, wenn man weiter hinten steht, ist es so ruhig wie bei jedem anderen Konzert. Vielleicht kannst du ihr mal anbieten, dass ihr das Konzert einfach von der letzten Reihe aus anschaut :) hat bei mir auch geholfen ;)

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      1. Vermutlich hast du Recht. Allerdings könnte es auch einfach daran liegen, dass sie lieber Volksmusik hört :D Unsere Musikgeschmäcker sind da doch sehr verschieden… Nichtsdestotrotz: Ich finde es wirklich toll, dass du dich getraut hast.

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      2. Hehe, das wäre vielleicht sogar eine Option! Obwohl – am besten wäre es vermutlich, wenn wir beide uns andere Annäherungspunkte als die Musik suchen. Da kommen wir nämlich vermutlich nie auf einen gemeinsamen Nenner!

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  2. Ich war am Konzert in Wien dabei und fand es daher sehr interessant, deine Meinung und die von deinem Freund Chris zu lesen. Für mich war es ein gelungenes Konzert und ich war, ähnlich wie er, recht verwundert, dass sie auch in Wien in einer doch recht kleinen Location gespielt haben. Du scheinst dich aber für dein erstes Metalkonzert ganz gut geschlagen zu haben und über den Schweigefuchs-Vergleich musste ich erstmal lauthals lachen :D So habe ich das tatsächlich noch nie betrachtet. In Wien waren übrigens zusätzlich noch zwei lokale Supports dabei, die in Richtung Metalcore gingen – da wurde dann tatsächlich gepogt und Violent Dancing betrieben.

    lg

    Volume Injection – Live loud!

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