Elias Hadjeus

Album: Elias Hadjeus – Wir brauchen nichts

Eines Tages landete eine Mail in meinem Postfach, in der mir ein paar neue, junge Künstler vorgestellt wurden. Basierend darauf, dass ich großer Fan von Timothy Auld bin. Da kam dann auch gleich die Frage auf, ob ich denn schon Timothys Album habe. Man würde es mir gerne zuschicken, damit ich vorm Release schon mal reinhören könnte. Ich war begeistert und wollte unbedingt die CD haben, war ja klar. Von den anderen Musikern, die mir vorgestellt wurden, gefiel mir eigentlich kaum was. In meinem Kopf blinkte nur ganz groß und in Neonbuchstaben „Das Album von Timothy!“. Aber ich wollte nicht unhöflich sein und da mir Elias Hadjeus noch am ehesten zusagte, meinte ich, dass der auch ganz gut sei und ich sein Schaffen mal über Facebook weiter verfolgen würde.

Ein paar Tage später lag dann schon ein kleines Päckchen in meinem Briefkasten. Darin die CD von Timothy, die sofort in Endlosschleife durchgehört wurde. Und auch das Album von Elias Hadjeus zusammen mit einem Lyric-Heft, was beides erst mal ganz unten in den Stapel mit Papieren und Unterlagen wanderte, die irgendwann…irgendwann mal aufgeräumt werden sollten.

Und so lag das dann da. Einige Zeit. Wahrscheinlich sogar Monate. Bis ich irgendwann ein schlechtes Gewissen bekam und doch mal reinhörte. Denn mittlerweile hatte ich seinen Song Elefanten schon ein paar mal im Radio gehört, dessen Refrain mich jedes Mal aufs Neue umhaute.

und durch meinen Flur trampeln rosa Elefanten

Also hörte ich ins Album rein, aber weit kam ich nicht. Ich krallte mich gleich an Sturm fest und spielte ihn immer und immer wieder ab. Das Lied ist nämlich im wahrsten Sinne des Wortes ein richtiger Sturm. Es pusht dich, trägt dich und gibt dir Aufwind. Man fühlt sich voller Tatendrang und will wie ein Tornado alles umreißen und neu beginnen. Irgendwann bin ich dann mit dem Song im Ohr und dem Lyric-Heft in der Tasche zu meinem Klavierlehrer gegangen und hab ihn gebeten, mir zu helfen die Akkorde für das Stück rauszuhören. Darin bin ich nämlich leider immer noch eine absolute Niete. Aber ich wollte das Lied unbedingt singen und mich dazu am Klavier begleiten können. Jetzt spiele ich es seit Monaten immer wieder und auch mein Klavierlehrer ist ganz begeistert. Letztes Mal meinte er doch tatsächlich, ob wir nicht noch was aus dem Heft machen könnten.

Elias Hadjeus

Apropos dieses Lyric-Heft…sowas ist mir bisher noch nie in die Hände gefallen, aber ich bin begeistert. Jede Seite, jeder Song ist ganz unterschiedlich und zum Thema passend gestaltet. Hier kann man das Ganze auch digital durch blättern. Meins ist mittlerweile schon etwas zerlesen, verknickt und vollgeschmiert. Auf manchen Seiten war das hingegen schon vorher (gewollt) so.

Elias Hadjeus

Während ich dann in Schweden unterwegs war, hörte ich mich weiter durchs Album, kam aber wieder nicht weit, weil ich diesmal bei Feuerwerk hängen blieb. Zuerst war ich skeptisch, denn dieses kleine in Klammern gepackte „feat. Prinz Pi“ störte mich. Keine Ahnung warum, aber das war im ersten Moment ein heftiger Abtörner. Doch von den beiden langen, langen Strophen vor Prinz Pis Part, die fast schon Rap sind, kam ich nicht mehr los. Elias erzählt darin eine Geschichte, die in einer Silvesternacht spielt. Es könnte aber auch jede andere Nacht sein, die man mit einer heftigen Party verbringt. Elias erzählt von einer Begegnung, von Gefühlen, die vorgeben Liebe zu sein, vom Rausch und dem sich Allein fühlen.

Für Leute meiner Generation ist es wahrscheinlich nicht schwer, sich in jedem einzelnen Song auf Wir brauchen nichts selbst wiederzufinden. Das liegt wohl daran, dass Elias selbst zu genau diesen Leuten mit den unendlichen Möglichkeiten gehört. Die Texte handeln von Liebe. Natürlich. Aber auch von Angst. Vom aufgeben wollen. Vom Streiten. Vom sich Gedanken machen. Vom Vermissen. Vom Zurück blicken. Und nach Vorne schauen. Vom sich verlieren. Und sich selbst finden. Vom besser sein wollen. Vom man selbst sein. Wer auch immer das ist.

Wir könnten heute Abend eben

mal die Welt aus ihren Angeln heben

Für mich ist das Album definitiv das beste des Jahres 2016. Weil die Texte fast schöner sind als die von Bosse, den er schon mal für einige Shows supporten durfte. Und weil die Melodien, die Strukturen und jeder einzelne Song sich so stark vom eben dem davor gehörten unterscheidet, dass es fast unmöglich ist, irgendwann genug davon zu haben.


Hier kaufen: Amazon
Oder hier anhören: Spotify
Oder dort live erleben:
23.09.2016 Köln – Wohngemeinschaft
25.09.2016 München – Unter Deck
26.09.2016 Dresden – Bärenzwinger
27.09.2016 Wiesbaden – Walhalla Spiegelsaal
29.09.2016 Berlin – Musik und Frieden
30.09.2016 Hamburg – Mojo Jazz Café

Ein Gedanke zu “Album: Elias Hadjeus – Wir brauchen nichts”

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s