Dicht & Ergreifend @ Kantine Augsburg

Konzert: Dicht & Ergreifend – 23.09.2016 – Kantine

Als es am Freitag Zeit wurde, sich auf den Weg zur Kantine zu machen, war ich nur wenig motiviert für ein Konzert. Aber ich wusste: Wenn Dicht & Ergreifend spielen, dann kann es gar nicht schlecht werden und ich würde unter Garantie mit besserer Laune die Location verlassen. Also hin da. Außerdem war Taiga Trece Support, die mich ja schon auch interessierte.

Aber leider konnte gerade die überhaupt nicht bei mir landen. Man muss fairerweise sagen, dass ich mich im Vorfeld nicht großartig mit ihrer Musik auseinander gesetzt habe. Dennoch hab ich (warum auch immer) eher eine taffe HipHop Bitch erwartet – ohne dieses Bitch irgendwie abwertend zu meinen! Auf der Bühne stand dann aber eine zierliche Frau, gekleidet in Rosa und Mintgrün mit Kopftuch. Ihr Rap, eine Mischung aus Spanisch und Deutsch, hat was. Spanisch klingt halt einfach schön. Ich musste bei ihrer Musik als erstes an Vin Diesel und Fast & Furious denken. Keine Ahnung warum. Das Publikum fand’s auch gut, streckte die Hände in die Luft und machte mit. Für La Familia holte sie sich Verstärkung von Rapper Adams, der dann auch gleich für ein paar weitere Songs blieb. Zwischendrin erzählte sie, dass ein Großteil ihres Albums hier in Augsburg entstanden ist und dankte im Zuge dessen einem gewissen Dominik, der auch irgendwo im Publikum war. Ich vermute mal, Dominik Scherer war gemeint, der in der Augsburger Musikszene in ziemlich vielen Projekten seine Finger im Spiel hat und auch über die Stadtgrenzen hinaus wohl längst kein Unbekannter mehr ist. Also anscheinend eine ganz nette Frau, die Taiga Trece. Nur bei mir wollte der Funke nicht überspringen. Vor allem ihre Stimme. Bei ihren Ansagen klang es für mich immer so, als würde sie mit dem Publikum wie mit kleinen Kindern sprechen. Und als sie dann gefühlt zehn Mal fragte „Wer von euch representet Augsburg?“ war’s bei mir entgültig vorbei. Anglizismus in allen Ehren (ich mag das ja eigentlich ganz gern englische Begriffe im Alltag zu verwenden), aber das klang einfach nur schräg.

Taiga Trece @ Kantine Augsburg

Es konnte also nur besser werden. Nach einer überraschend kurzen Umbaupause ging es schon weiter. Bei den ersten Tönen von Dampf der Giganten machte ich mich auf den Weg nach vorne. Ich wollte ja ganz gerne ein paar gute Fotos schießen. Der Flamensaal war aber mittlerweile bis auf den letzten Platz gefüllt, so dass mich von links und rechts schon Kommentare wie „Ganz schlechte Idee“ erreichten. Ich kam auch gar nicht weit. Ich war noch einige Meter von der Bühne entfernt, als sich auf selbiger die Band um 180 ° drehte und das Konzert mit einem lauten „Buuuuumm – Dampf der Giganten!“ begann. Um mich rum flogen die Hände in die Luft und ich dachte mir nur noch so: „Neeeeeeein, wirklich keine gute Idee. Ich dreh dann mal besser um.“ Ich finde es immer wieder einfach nur krass, wie die zwei es schaffen, die Stimmung schlagartig durch die Decke gehen zu lassen. Von 0 auf 100 in wenigen Sekunden. Schon beim zweiten Song (sorry, hab vergessen welcher es war) schauten dann auch George Urquell und Lef Dutti ganz schon baff aus. Das Publikum sang so laut mit, dass die zwei kurz verstummten und sich ehrlich verwundert anschauten. Währenddessen sangen die Fans textsicher den Refrain in Eigenregie weiter.

Auch wenn es keine neuen Songs gab (nur bei diesem Lebakas-Lied bin ich mir nicht ganz sicher, ob der nicht vielleicht doch neu war) und obwohl ich sie jetzt schon zum vierten Mal live gesehen habe, wurde es dank neuen Ansagen, Geschichten und sogar einem kleinen Gedicht von George Urquell nicht langweilig und mal wieder ein Abriss vom Feinsten. Das absolute Highlight war wohl, als sich die Band ein paar Cuba Libre wünschte und mit dem Gedanken spielte, einmal quer durch die ganze Location bis zur Bar crowdzusurfen. Weil das ja sonst viel zu lange dauern würde, bis die Drinks an der Bühne ankommen. Kurz schienen sie noch selbst zu überlegen, ob das wirklich so eine gute Idee ist. Und dann warfen sie sich doch in die Menge und ließen sich vom Publikum bis zur Bar tragen. Wahnsinn! Absoluter Wahnsinn!

Ich glaube, ich hab noch nie ein Konzert erlebt, bei dem das Zusammenspiel zwischen Band und Publikum so überragend gut funktioniert. Dass einfach nur noch Funken fliegen. Gut, manchmal drohte durch die Anfeuerungen der Rapper das Ganze leichte in Richtung Bierzeltstimmung zu kippen. Aber wenn es wo passt, dann hier.

Eine weitere Unglaublichkeit: Dicht & Ergreifend spielen das letzte Lied und gehen von der Bühne. Doch das Publikum ruft nicht wie ich es erwartet hätte „Zugabe“ sondern fordert gleich den Song Zipfeschwinga. Die Band kommt der Bitte natürlich nach und ab da gab’s kein Halten mehr. Es wäre perfekt gewesen, hätte das Konzert hier geendet. Aber es folgte noch eine Freestyleeinlage, die ich schon vom letzten Konzert kannte. Das Publikum wurde in drei Gruppen unterteilt und sollte immer, wenn sich etwas auf die Endung -ent reimte, „Himme“, „Herrgott“ bzw. „Sakrament“ rufen. Das funktionierte nur so semi, denn teilweise waren die Reime nicht eindeutig. Darum entstanden manchmal kurze Pausen, so dass die Rapper nachhelfen und den Einsatz geben mussten. Und als dann auch noch Taiga Trece mit ihrer Micky-Maus-Stimme in diese Freestylenummer miteinstieg, klang das für mich absolut nicht mehr stimmig. Guter Ansatz und auch wenn das Publikum gewillt und motiviert an die Sache ran ging…man sollte das vielleicht nochmal überdenken.

Mit Wos is do los? als aller letzte Nummer wurde es dann nochmal ein Stück ruhiger. Gerade die letzten Songs zogen für mich das Konzert ganz schön in die Länge. Eine Band wie Dicht & Ergreifend sollte meiner Meinung nach doch besser mit einem großen Knall die Bühne verlassen. Alles andere macht wenig Sinn.

Dicht & Ergreifend @ Kantine Augsburg

Dicht & Ergreifend @ Kantine Augsburg

Dicht & Ergreifend @ Kantine Augsburg

Dicht & Ergreifend @ Kantine Augsburg

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