Ups. Das letzte Interview ist hier schon fast ein dreiviertel Jahr her. Warum es so lange keins gab? Hm. Weil dieser Blog nach wie vor Hobby und Herzensprojekt ist. Darum interviewe ich nur Bands und Musiker, die ich so richtig, richtig faszinierend finde.

Elias Hadjeus hat mich mit seinem Debütalbum so umgehauen, dass ich mir sicher war: Dahinter steckt ein interessanter Mensch. Und ich lag sowas von richtig. Das Interview hat riesigen Spaß gemacht und Elias hatte zu meinen Fragen sympathische und anregende Antworten.

Das Beste passierte jedoch nach dem eigentlichen Interview. Ich wollte noch ein Foto für den Blog machen. Ganz unspektakulär. Nebeneinander stehen, Foto machen, zack – fertig. Aber Elias war plötzlich voll in seinem Element und hatte die verrücktesten Ideen. Bis wir am Ende sogar mitten auf der Straße standen! Ich wusste es doch: Dieser Elias ist großartig!

Interview mit Elias Hadjeus

Zur Zeit findet ja in München das Oktoberfest statt. Warst du heute dort?

Ja, wir sind Achterbahn gefahren. Mit dieser super krassen Loopingachterbahn. Wir waren davor noch Burger essen, was nicht so ganz klug war. Aber ich hab heute von dem Techniker hier erfahren, dass es viel besser ist, wenn man vorher schon was getrunken hat, weil das dann mehr knallt. Aber das konnten wir leider nicht machten, weil wir ja noch spielen müssen.

Und hat’s dir gefallen?

Ja, ich war zum ersten Mal da und würde gern nochmal wieder kommen. Mit ein bisschen Zeit, wenn man dann auch Leute kennt, die in einem Bierzelt nen Tisch haben.

Du gehörst ja genauso wie ich zur Generation Maybe, die unzählige Möglichkeiten haben, aber nicht wissen, was sie machen sollen. Die alle so ein bisschen auf der Suche sind nach dem, was sie ausmacht. Du singst ja auch teilweise darüber. Fühlst du dich schon angekommen oder bist du noch auf der Suche?

Ich fühl mich überhaupt nicht angekommen. Ich hatte das große Glück, dass ich mit 13 angefangen hab Musik zu machen und seitdem immer was hatte, das mich total interessiert hat und was ich machen wollte. Das hat meinem Leben immer eine gewisse Struktur gegeben und eine Richtung, in die das alles gegangen ist. Außerhalb ist das nicht ganz so klar.

Hast du einen Tipp, wie man sich selbst finden kann?

Hm, grundsätzlich nichts ausschließen, glaub ich. Das ist relativ wichtig. Das Schöne an dieser Tour gerade ist, dass wir nur zu zweit unterwegs sind und das dann wie ein einziges langes Gespräch ist, weil wir jeden Tag 600 km fahren und dabei viel Zeit haben über Dinge zu sprechen. Ich hab Tobi vorab ein paar Bücher gegeben, die er mal lesen soll, damit wir ein bisschen Gesprächsstoff haben. Wir haben über Demian von Hermann Hesse gesprochen. Was ich da total toll fand, war, dass einer der Ansätze von diesem Ding ist, dass dieser Junge aus dem Buch am Anfang feststellt, dass für ihn diese Welt in hell und dunkel und gut und böse geteilt ist und dass er aber findet, dass diese Kategorisierung von gut und böse gar nicht so viel Sinn macht, weil man sich von Vornherein so viel Sachen ausschließt. Er entwickelt dann daraus so ne Selbstfindungssache frei von den Kategorien und entscheidet nach den Erfahrungen selbst, ob er die Dinge annimmt oder nicht. Der Song Wir brauchen nichts schließt da z. B. an. Dieses „Was wir im Dunkeln tun, wird dort im Hellen gemacht“. Nur weil Sachen im Dunkeln passieren, heißt das nicht, dass sie per se dunkel sind.
So viel zu „aktuelle Gedanken zur Sinnsuche des Elias Hadjeus“.

Dein Album ist eine Woche zu früh auf Amazon gelandet. Was war dein erster Gedanke, als du das erfahren hast?

Ich hab mich tatsächlich gefreut. Ich hab so viel darum gekämpft, dass dieses Album erscheinen kann. Das war eine der härtesten Sachen in meinem ganzen Leben. Nicht nur dieses Album zu machen, sondern auch dafür zu sorgen, dass es so erscheinen kann. Normalerweise bin ich sehr perfektionistisch, was sowas angeht. In jeder anderen Situation hätte ich mich super aufgeregt. Aber ich war einfach nur froh, dass es dann draußen war und hab mir gedacht: „Ey, ich hab mir nicht so viele graue Haare wachsen lassen, dass es rauskommen kann, um mich jetzt darüber aufzuregen, dass es ne Woche früher draußen ist.“

Auf deinem Album gibt es den Song Das denkst du und der ist ja eigentlich nur Stille. Ist das deine Interpretation von John Cages 4’33“ oder was war dein Gedanke dahinter?

Ich hab das Album gehört und fand es etwas überfordern in der kompletten Länge. Ursprünglich wollte ich Elefanten als Hidden Track drauf machen. Das hab ich dann so gelöst, dass nach Daran denk ich einfach ein bisschen Stille kommt und die hab ich Daran denkst du genannt, weil ich das ganz lustig finde. Weil bei Daran denk ich kann ich von mir sprechen, woran ich denke oder woran ich nicht denke. Ich kann dir als Zuhörer aber nicht sagen, was du denkst. Die einzige Möglichkeit, das zu machen, war, da Stille einzufügen. Und da gibt’s die verschiedensten Reaktionen darauf. Meine Mutter hat gesagt: „Hier, Elias, muss man sich nochmal drum kümmern. Auf dem einen Lied ist gar nichts drauf.“ Oder man fragt sich halt „Hä, was ist denn jetzt?“ oder man denkt an irgendwas ganz anderes, weil man glaubt, das Album ist vorbei. Und deswegen Daran denkst du. Es ist immer eine wahre Aussage.

Du hast Literatur studiert. Beeinflusst das dein Songwriting?

Hm. Ich würde schon „Ja“ sagen. Man kann über die Sachen in Büchern nicht so gut singen, weil die halt 300 Seiten brauchen um zu funktionieren. Aber ich fand das total befreiend zu lernen über andere Texte nachzudenken, die keine Songtexte sind. Das hat mir viel Struktur gegeben. Zu lernen wie andere Texte funktionieren. Mittlerweile kann ich auch jede Idee, die ich hab, zu Ende schreiben. Früher saß ich vor nem Berg voller unfertiger Lieder und wusste nicht, wie ich die zu Ende kriegen sollte. Jetzt kann ich wenigstens jedes Lied, das ich mal angefangen habe, zu Ende schreiben. Das heißt nicht, dass es dadurch besser oder ein guter Song wird, aber ich kann jede Idee zumindest zu nem Abschluss bringen. Das hat mir das Studium gegeben. Und eine Beschäftigung neben der Musik!

In deinen Songs kommen oft Katzen und Hunde vor. Bist du eher ein Katzen- oder ein Hundemensch?

Eine hervorragende Frage. Eigentlich bin ich ein Katzenmensch, aber ich bin auf Katzen ganz schlimm allergisch. Ich kompensiere dieses Ich-kann-keine-Katze-haben dadurch, dass ich mir massivst Katzen im Internet anschaue. Aber ich würde auch gar keine Katzen haben wollen. Weil die sind halt echt Arschlöcher. Ich würde als Tier tatsächlich eher einen Hund haben wollen, aber auch dafür bin ich noch nicht bereit. Ich übe das ab und zu indem ich mir ne Pflanze kaufe. Und dann geht die ein. Und dann weiß ich: „Ja Elias, du bist noch nicht bereit dich um irgendwas außer dich selbst zu kümmern. Es ist okay. Musst du auch nicht. Aber kauf dir kein Tier.“

Interview mit Elias Hadjeus

Interview mit Elias Hadjeus

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