Als wir am Freitag vor der Kantine standen und darauf warteten rein zu dürfen, traf mich ein minikleines bisschen der Schlag. Vor uns musste eine Gruppe 14-jähriger Mädels die Einverständniserklärungen der Eltern vorzeigen. Entweder werde ich allmählich alt oder Kytes entwickeln sich langsam zum Teeniemagneten. Keine Ahnung, was schlimmer wäre. Aber ich stellte mich innerlich schon mal auf ganz viel Gekreische in den vorderen Reihen ein (das glücklicherweise ausblieb).

Der Abend begann mit Nick Yume, der erst vor Kurzem zum Besten Newcomer Bayerns 2016 gekürt wurde. Von seinem Auftritt beim Modular Festival her erinnerte ich mich tatsächlich noch an den ein oder anderen Song. Wobei die aber im Dunkeln und in einem Club eindeutig besser wirken als auf einer nackten Festivalwiese. Der Titel ist also auf jeden Fall verdient gewonnen, so catchy wie einige Songs sind. Sogar Allein, Allein von Polarkreis 18 klang in seiner Art wieder cool. Wobei ich aber arg bezweifle, dass die jungen Mädels in der ersten Reihe wussten, dass das gar nicht von ihm ist. Am Anfang wirkte Nick Yume zwar noch etwas zurückhaltend, aber nach ein paar Liedern bewegte er sich dann doch von seinem Mikroständer weg. Nur mit dem Reden haperte es noch. Außer einem Hallo und Tschüss und einer kurzen Vorstellung seiner Bandkollegen richtete er kaum das Wort ans Publikum. Doch für Jubel und Zugaberufe am Ende reichte es ohnehin.

Nick Yume Kantine Augsburg

Nick Yume Kantine Augsburg

Nick Yume Kantine Augsburg

Kytes starteten mit einem minimalistischen Intro, in das nach und nach immer mehr Instrumente einstiegen und so langsam in den ersten Song überging. Ich war so happy und freute mich so dermaßen diese Band endlich wieder live zu sehen, dass sich mir schon nach wenigen Sekunden ein breites Grinsen aufs Gesicht schlich. Ich war dann erst mal so mit gucken und freuen beschäftigt, dass die ersten Songs wie Nichts an mir vorbei zogen. Sänger Michi war gewohnt locker und auch irgendwie ein bisschen von der Rolle. Aber wer schon mal ein Konzert von Kytes besucht hat, weiß: Das ist für seine Verhältnisse normal. Mich wundert es ja immer wieder, wie er so viel Quatsch brabbeln und dann ganz easy – zack – den nächsten Song super straight und ohne Patzer spielen kann. Er sprang und tanzte über die Bühne und auch Kerim und Tom interagierten untereinander, spielten mal hinten bei Timothy am Schlagzeug oder nutzten die kurzen Pausen nach den Songs, um selbst eine kleine Ansage zu machen, bevor wieder Michi das Kommando übernahm. Hach, Kytes. Ihr macht einfach alles genau richtig und das richtig gut.

Interessanterweise fielen live die ruhigeren Songs gar nicht so krass auf wie auf dem Album. Beim ersten Mal durchhören war ich nämlich erstaunt, dass die vier ja doch den ein oder anderen langsameren Song im Repertoire haben. Aber live kommen die allesamt so richtig energiegeladen daher. Nur In The Morning gestalteten Kytes ganz klar als ruhiges Lied. Das Licht kam von hinten und so waren die Bandmitglieder nur noch dunkle Silhouetten. Auch das Publikum fuhr da ausnahmsweise mal einen Gang zurück. Das war mir nämlich an diesem Abend schon fast zu anstrengend. Es wurde überall getanzt, gesprungen und gesungen (was natürlich schön war) und auch wenn ich keine kreischenden Teenies ausmachen konnte, ging es teilweise doch etwas heftiger zu. Da meinte einmal sogar Tom ziemlich scharf (und zu recht): „Hey, wenn einer hinfällt, dann passen wir aufeinander auf!“ Ohoh. Aber wie gesagt, vollkommen zu recht. Allerdings waren da vielleicht auch Michis Aufrufe zur Eskalation etwas kontraproduktiv.

Als letzten Song spielten sie nochmal Inner Cinema, aber diesmal in einer reduzierteren, ruhigen Version, die sich dann aber doch langsam wieder steigerte und zum gewohnten Song wurde. Dann waren alle von der Bühne verschwunden und plötzlich kam Kerim an mir vorbei und bekam eine Akustikgitarre übers Mischpult hinter uns gereicht. Ich hab gar nicht schnell genug kapiert, was jetzt passiert, als schon alle kreisförmig aufm Boden saßen, Kerim und Michi in der Mitte. Sie stimmten I Got Something, mein Lieblingslied, in einer Akkustikversion an und überall stimmten begeisterte Fans in den Refrain mit ein. Das war so schön! Dann setzte auch das Schlagzeug auf der Bühne mit ein, die Szene im Publikum löste sich auf und der Song wurde on stage zu Ende gespielt. Die Leute sangen aber laut und unaufhörlich weiter. Das brachte das Konzept der Band schon deutlich ins Wanken. Aber welch grandioseren Abschluss könnte es geben, als ein Publikum, das den Song nicht zu Ende gehen lassen will?

Kytes Augsburg Kantine

Kytes Augsburg Kantine

Kytes Augsburg Kantine

Kytes Augsburg Kantine

Kytes Augsburg Kantine

Kytes Augsburg Kantine

Kytes Augsburg Kantine

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