Interview mit Elias Hadjeus

Ups. Das letzte Interview ist hier schon fast ein dreiviertel Jahr her. Warum es so lange keins gab? Hm. Weil dieser Blog nach wie vor Hobby und Herzensprojekt ist. Darum interviewe ich nur Bands und Musiker, die ich so richtig, richtig faszinierend finde.

Elias Hadjeus hat mich mit seinem Debütalbum so umgehauen, dass ich mir sicher war: Dahinter steckt ein interessanter Mensch. Und ich lag sowas von richtig. Das Interview hat riesigen Spaß gemacht und Elias hatte zu meinen Fragen sympathische und anregende Antworten.

Das Beste passierte jedoch nach dem eigentlichen Interview. Ich wollte noch ein Foto für den Blog machen. Ganz unspektakulär. Nebeneinander stehen, Foto machen, zack – fertig. Aber Elias war plötzlich voll in seinem Element und hatte die verrücktesten Ideen. Bis wir am Ende sogar mitten auf der Straße standen! Ich wusste es doch: Dieser Elias ist großartig!

Interview mit Elias Hadjeus

Zur Zeit findet ja in München das Oktoberfest statt. Warst du heute dort?

Ja, wir sind Achterbahn gefahren. Mit dieser super krassen Loopingachterbahn. Wir waren davor noch Burger essen, was nicht so ganz klug war. Aber ich hab heute von dem Techniker hier erfahren, dass es viel besser ist, wenn man vorher schon was getrunken hat, weil das dann mehr knallt. Aber das konnten wir leider nicht machten, weil wir ja noch spielen müssen.

Und hat’s dir gefallen?

Ja, ich war zum ersten Mal da und würde gern nochmal wieder kommen. Mit ein bisschen Zeit, wenn man dann auch Leute kennt, die in einem Bierzelt nen Tisch haben.

Du gehörst ja genauso wie ich zur Generation Maybe, die unzählige Möglichkeiten haben, aber nicht wissen, was sie machen sollen. Die alle so ein bisschen auf der Suche sind nach dem, was sie ausmacht. Du singst ja auch teilweise darüber. Fühlst du dich schon angekommen oder bist du noch auf der Suche?

Ich fühl mich überhaupt nicht angekommen. Ich hatte das große Glück, dass ich mit 13 angefangen hab Musik zu machen und seitdem immer was hatte, das mich total interessiert hat und was ich machen wollte. Das hat meinem Leben immer eine gewisse Struktur gegeben und eine Richtung, in die das alles gegangen ist. Außerhalb ist das nicht ganz so klar.

Hast du einen Tipp, wie man sich selbst finden kann?

Hm, grundsätzlich nichts ausschließen, glaub ich. Das ist relativ wichtig. Das Schöne an dieser Tour gerade ist, dass wir nur zu zweit unterwegs sind und das dann wie ein einziges langes Gespräch ist, weil wir jeden Tag 600 km fahren und dabei viel Zeit haben über Dinge zu sprechen. Ich hab Tobi vorab ein paar Bücher gegeben, die er mal lesen soll, damit wir ein bisschen Gesprächsstoff haben. Wir haben über Demian von Hermann Hesse gesprochen. Was ich da total toll fand, war, dass einer der Ansätze von diesem Ding ist, dass dieser Junge aus dem Buch am Anfang feststellt, dass für ihn diese Welt in hell und dunkel und gut und böse geteilt ist und dass er aber findet, dass diese Kategorisierung von gut und böse gar nicht so viel Sinn macht, weil man sich von Vornherein so viel Sachen ausschließt. Er entwickelt dann daraus so ne Selbstfindungssache frei von den Kategorien und entscheidet nach den Erfahrungen selbst, ob er die Dinge annimmt oder nicht. Der Song Wir brauchen nichts schließt da z. B. an. Dieses „Was wir im Dunkeln tun, wird dort im Hellen gemacht“. Nur weil Sachen im Dunkeln passieren, heißt das nicht, dass sie per se dunkel sind.
So viel zu „aktuelle Gedanken zur Sinnsuche des Elias Hadjeus“.

Dein Album ist eine Woche zu früh auf Amazon gelandet. Was war dein erster Gedanke, als du das erfahren hast?

Ich hab mich tatsächlich gefreut. Ich hab so viel darum gekämpft, dass dieses Album erscheinen kann. Das war eine der härtesten Sachen in meinem ganzen Leben. Nicht nur dieses Album zu machen, sondern auch dafür zu sorgen, dass es so erscheinen kann. Normalerweise bin ich sehr perfektionistisch, was sowas angeht. In jeder anderen Situation hätte ich mich super aufgeregt. Aber ich war einfach nur froh, dass es dann draußen war und hab mir gedacht: „Ey, ich hab mir nicht so viele graue Haare wachsen lassen, dass es rauskommen kann, um mich jetzt darüber aufzuregen, dass es ne Woche früher draußen ist.“

Auf deinem Album gibt es den Song Das denkst du und der ist ja eigentlich nur Stille. Ist das deine Interpretation von John Cages 4’33“ oder was war dein Gedanke dahinter?

Ich hab das Album gehört und fand es etwas überfordern in der kompletten Länge. Ursprünglich wollte ich Elefanten als Hidden Track drauf machen. Das hab ich dann so gelöst, dass nach Daran denk ich einfach ein bisschen Stille kommt und die hab ich Daran denkst du genannt, weil ich das ganz lustig finde. Weil bei Daran denk ich kann ich von mir sprechen, woran ich denke oder woran ich nicht denke. Ich kann dir als Zuhörer aber nicht sagen, was du denkst. Die einzige Möglichkeit, das zu machen, war, da Stille einzufügen. Und da gibt’s die verschiedensten Reaktionen darauf. Meine Mutter hat gesagt: „Hier, Elias, muss man sich nochmal drum kümmern. Auf dem einen Lied ist gar nichts drauf.“ Oder man fragt sich halt „Hä, was ist denn jetzt?“ oder man denkt an irgendwas ganz anderes, weil man glaubt, das Album ist vorbei. Und deswegen Daran denkst du. Es ist immer eine wahre Aussage.

Du hast Literatur studiert. Beeinflusst das dein Songwriting?

Hm. Ich würde schon „Ja“ sagen. Man kann über die Sachen in Büchern nicht so gut singen, weil die halt 300 Seiten brauchen um zu funktionieren. Aber ich fand das total befreiend zu lernen über andere Texte nachzudenken, die keine Songtexte sind. Das hat mir viel Struktur gegeben. Zu lernen wie andere Texte funktionieren. Mittlerweile kann ich auch jede Idee, die ich hab, zu Ende schreiben. Früher saß ich vor nem Berg voller unfertiger Lieder und wusste nicht, wie ich die zu Ende kriegen sollte. Jetzt kann ich wenigstens jedes Lied, das ich mal angefangen habe, zu Ende schreiben. Das heißt nicht, dass es dadurch besser oder ein guter Song wird, aber ich kann jede Idee zumindest zu nem Abschluss bringen. Das hat mir das Studium gegeben. Und eine Beschäftigung neben der Musik!

In deinen Songs kommen oft Katzen und Hunde vor. Bist du eher ein Katzen- oder ein Hundemensch?

Eine hervorragende Frage. Eigentlich bin ich ein Katzenmensch, aber ich bin auf Katzen ganz schlimm allergisch. Ich kompensiere dieses Ich-kann-keine-Katze-haben dadurch, dass ich mir massivst Katzen im Internet anschaue. Aber ich würde auch gar keine Katzen haben wollen. Weil die sind halt echt Arschlöcher. Ich würde als Tier tatsächlich eher einen Hund haben wollen, aber auch dafür bin ich noch nicht bereit. Ich übe das ab und zu indem ich mir ne Pflanze kaufe. Und dann geht die ein. Und dann weiß ich: „Ja Elias, du bist noch nicht bereit dich um irgendwas außer dich selbst zu kümmern. Es ist okay. Musst du auch nicht. Aber kauf dir kein Tier.“

Interview mit Elias Hadjeus

Interview mit Elias Hadjeus

Myousic #9 – Ralf

Seit knapp drei Jahren wohne ich nun schon in diesem tollen Haus, das so schief und verwinkelt ist, wie man es sich kaum vorstellen kann. Hier gibt es zehn oder noch mehr Wohnungen. Wie viele allerdings tatsächlich bewohnt sind, weiß irgendwie keiner so recht.

Von meinen Nachbarn kenne ich nur die wenigsten. Eigentlich nur Anita, die im Erdgeschoss einen kleinen Laden mit selbstgenähter 60er und 70er Jahre Mode hat und Ralf, der immer diese mysteriöse Post bekommt. In unserem Haus gibt es eine unabgesprochene Regelung was Päckchen betrifft: Nimmt man für jemanden was an, legt man es einfach auf die große Fensterbank neben den Briefkästen. Und genau dort liegt mindestens einmal die Woche ein quadratisches, sehr flaches Päckchen für Ralf. Seit meinem Einzug frage ich mich schon, was sich darin befinden mag.

Als ich vor ein paar Wochen abends von der Arbeit nach Hause kam und wie so oft Anita und Ralf draußen vor der Eingangstür begegnete, wechselten wir wie üblich ein paar Worte und dann fragte ich einfach mal gerade heraus, was er sich denn da immer schicken lasse. Die Antwort war so simpel und doch überraschend: Schallplatten! Zwei Stockwerke unter mir wohnt ein Musikliebhaber, der seinesgleichen sucht. Seit seiner Teenagerzeit sammelt er schon Platten. Somit haben sich in seiner Wohnung nun irgendwas zwischen 2000 – 3000 Stück angesammelt. Von Pop und Indie über HipHop bis hin zu Hardcore und Klassikern wie den Beatles findet man da so gut wie alles. Man kann sich vorstellen wie überrascht ich war. Als er dann auch noch von seinen Connections zu Tomte und Kettcar erzählte, fiel mir sprichwörtlich die Kinnlade runter. Ganz klar – das schrie nach einem Interview für Myousic!

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Ralf Bamberger, 40 Jahre alt

Welcher ist momentan dein Lieblingssong?
Puh, das ist ganz schwer…Hm, dann nehmen wir doch gleich den hier. (Er springt auf und geht zu einer Box mit Platten, die noch nicht einsortiert sind) Den hab ich jetzt schon ein paar Mal gehört. Der Song heißt So Nice von Curtiss Maldoon. Das sind zwei Typen – also eher wie Simon & Garfunkel.

Hast du eine ganz besondere Platte? Eine, die für dich was Besonderes ist oder die allgemein ziemlich wertvoll ist?
Klar, da hab ich Verschiedenste. Was ein schönes Stück ist, ist der Harold and Maude Soundtrack. Und von der Rarität her vielleicht die Kate Nash LP. Da gab’s, glaub ich, nur 666 Stück in pinkem Vinyl.

Du hast es ja schon letztes Mal erwähnt, aber würdest du mir nochmal die Geschichte mit Tomte und Kettcar erzählen?
Die Kettcars kannten wir von früher, als wir noch unsere eigene Band hatten. Der Gitarrist von Kettcar hat damals Tomte gefahren, mit denen wir ´98 unterwegs waren. Die haben im Provino Live Club gespielt. Da waren die ja noch ganz klein. Aber da sind wir ins Gespräch gekommen und haben die dann mit unserer Band Cherryville für ein paar Shows begleitet. Und 2002 war ich dann mit Kettcar unterwegs. Die waren in Augsburg und hatten niemanden. Keinen Fahrer und keinen Merchverkäufer. Und dann haben sie gefragt, ob jemand mitkommt. Ja, und dann bin ich für drei Shows mit denen mitgefahren. Also das war jetzt nicht so die riesige Tour. Aber die waren dann schon ganz froh, dass ich denen geholfen hab und seitdem hab ich lebenslange Gästeliste bei allen Kettcarkonzerten.

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Ein Fundstück aus Ralfs Sammlung. Der ein oder andere musikinteressierte Augsburger wird’s vielleicht kennen: Markus Mehr mit seinem früheren Projekt Aroma.

Myousic #8 – Doro

Es geht weiter mit Myousic! Heute möchte ich euch Doro, meine Gesangslehrerin, vorstellen und natürlich taucht auch sie irgendwo im Hintergrund meiner eigenen Musik auf. Seien es die Songs, die ich selbst schreibe, oder die, die ich cover.

Bei Doro bin ich ebenfalls seit gut einem Jahr, denn unglücklicherweise haben mich damals mein Klavierlehrer und meine Gesangslehrerin fast gleichzeitg „verlassen“. Ich muss gestehen: am Anfang war ich skeptisch. Äußerst skeptisch. Ob das denn überhaupt was wird mit Doro und mir. Ihr müsst nämlich wissen, dass sie aus dem klassischen Bereich kommt und alles was wir im Unterricht machen, dort seinen Ansatz hat. Dagegen hab ich mich anfangs etwas gesträubt, denn ich will doch Popsongs singen. Aber weil ich weiß, dass solche Veränderungen viel bringen können, hab ich dem Ganzen eine Chance gegeben und siehe da: mittlerweile fühle ich mich wie ein fluffiger Sopran! Wohingegen ich vor einem Jahr schon froh war, wenn ich überhaupt eine einzige Oktave sauber singen konnte. Und soll ich euch was sagen: gerade machen wir im Unterricht ein klassisches Stück. Ich sing irgendwas auf italienisch und hab keine Ahnung, um was es geht. Und es ist einfach geil!

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Dorothee Velten, 32 Jahre alt

Welcher ist dein aktueller Lieblingssong?
Mein aktueller Lieblingssong ist Funeral von Lukas Graham. Ich find das ganz herzig. Ne Schülerin hat mir den Song 7 Years gebracht – den ich ziemlich cool fand, weil der so bounct – und dann hab ich mir das Album runtergeladen und fand die Idee ziemlich geil: Ein Lied über das eigene Ableben, das aber total positiv ist!

Hast du einen universellen Tipp fürs Singen?
Wenn es sich scheiße anfühlt, klingt es meistens auch scheiße! Und was sich frei und mühelos anfühlt, also was nicht weh tut sondern von alleine kommt, hat meistens mehr die Chance zu wachsen. Ohne dass man es überforcieren muss, sondern quasi den Ton auf dem Atem surfen lässt. Denn wenn der Atem stoppt, dann stoppen die Töne und dann müssen wir basteln, dann müssen wir schieben, drücken, festhalten, dass die Töne überhaupt kommen. Und wenn der Atem fließt und die Töne einfach mitnimmt, kannst du im Prinzip alles damit machen. Und – ganz wichtig: Was ich mir vorstellen kann als Ton und für mich mit meiner Stimme, das kann ich erzeugen. Also immer erst die Vorstellung und dann folgt alles andere.

Was wäre für dich schlimmer: Nur noch sehr schlecht hören oder kaum mehr sprechen zu können?
Sehr sehr schlecht hören. Weil wenn ich nicht mehr sprechen kann, dann kann ich es immer noch aufschreiben. Aber wenn ich nicht mehr gut hören könnte, dann wäre mein Lebenssoundtrack weg – das was mich den ganzen Tag begleitet. Und dann würde ich nichts mehr mitkriegen, was so um mich rum passiert. Ich glaube, raubt man mir mein Gehör, wäre ich der unglücklichste Mensch aller Zeiten. Mein Leben wäre dann echt inhaltlos. Weil mein Job als Pädagogin besteht ja z. B. auch darin, in erster Linie zuzuhören – und dann einen Tipp geben. Wenn ich gar nicht hören würde, was ihr so macht, dann kann ich auch keinen Tipp geben. Das wäre ganz schrecklich. Ich glaube, ich würde mir die Kugel geben, wenn ich nicht mehr hören könnte.

Myousic #7 – David

In der Rubrik Myousic stell ich euch ja immer Menschen vor, die auf irgendeine Art und Weise mit Musik zu tun haben, aber eher im Hintergrund agieren und nicht unbedingt selbst Musiker sind. Myousic hat ein paar Monate Pause gemacht, aber jetzt geht’s wieder los – sogar mit einem kleinen Special! Es geht nämlich um jemanden, der nicht nur hinter seiner eigenen Musik und der von ein paar anderen Leuten steckt, sondern auch hinter meiner. Heute möchte ich euch David, meinen Klavierlehrer, vorstellen!

Als vor gut einem Jahr mein früherer Lehrer aufgehört hat, kam David ans downtown und hat seine Schüler übernommen. Seitdem hat er mich an der Backe. Und erträgt meine ehrlichen Meinungen („Das klingt als könnte es ein Jingle für die ARD sein“) und all meine Launen („Ich will jetzt aber mal was fröhliches spielen!“). Letzteres hat ihn dann sogar dazu gebracht, ein paar Stücke zu schreiben, die fröhlich sind und bei denen ich trotzdem was lerne. Weil mir alles andere von Bach usw. nicht gefallen hat. Ich sag’s ja immer wieder: am downtown unterrichten keine Lehrer, sondern Menschen mit Leidenschaft!

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David Kremer, 33 Jahre alt

Welcher ist dein aktueller Lieblingssong?
Ich hör eigentlich grad gar keine Musik. Nicht freiwillig. Ich wohne mit zwei DJs zusammen und immer wenn ich am Klavier sitze, kommt auch Musik raus. Das reicht. Ich bin ganz froh, wenn es mal still ist. Das letzte Lieblingslied, was mir einfällt, ist Halftime von Nas. Das ist jetzt aber eher so HipHop-Shit.

Hast du einen universellen Tipp fürs Klavierüben?
Der interviewgenste Tipp, den ich geben kann – also interviewgen ist ein Neologismus. Das ist wie „fotogen“ nur eben für Interviews – Also der interviewgenste Tipp ist folgender: Wenn man einen Fehler spielt, sollte man nicht erschrecken, sondern den Fehler so oft spielen, bis er einem gefällt. Und der bisschen langweiligere Tipp ist natürlich: jeden Tag acht Stunden üben! ;)

Was war der schönste Flügel oder das schönste Klavier, auf dem du bisher spielen durftest?
Der Steinway von meinem alten Klavierlehrer. Perlig, fluffig, wunderschön. Die Yuki hat auch ein schönes Klavier – Steinweg, blau lakiert! Und ne B3 Hammond Orgel hab ich mal gespielt. Das hat auch sehr viel Spaß gemacht. Und der Badan hat so ein ganz kleines Plastikkeyboard, das hat nur zehn Tasten, aber die sind bunt! Keine schwarzen Tasten, man kann also nur C-Dur spielen oder D-Moll.

Interview mit Mundhaarmonika

Vor einer Woche durfte ich die Band Mundhaarmonika zum Interview treffen. In ihrer Musik kommt so ziemlich alles zusammen, was ich gut finde: Rap abseits von Ich-bin-ja-ach-so-Gangster, poppiger HipHop, intelligente Texte und ein Saxophon – eines meiner Lieblingsinstrumente (vor ein paar Jahren hätte ich ja fast selbst angefangen Saxophon zu lernen). Bei Mundhaarmonika gefällt mir aber nicht nur die Musik; mich fasziniert, dass neben den Musikern auch diejenigen, die eher im Hintergrund agieren, völlig selbstverständlich zur Band gehören. Und so kam es, dass bei unserem Interview im Weißen Lamm nicht nur Simon (Rap) und Felix (Bass), sondern auch Marcel (dreht die Videos) und Temren (kümmert sich ums Management) dabei waren.


In Videos und bei Konzerten trittst du ja immer mit Melone und Sonnenbrille auf. Es weiß also im Prinzip keiner so recht, wer da drunter steckt. Ist das eine Art Konzept, das ihr von Anfang an festgelegt habt, dass du so ne Maske wie Cro oder Sido hast?

Simon: Es ist eigentlich keine Maskerade in dem Sinne. Sonst müssten wir wahrscheinlich eine Maske nehmen, die ein bisschen aufwendiger ist. Unterschwellig ist es natürlich eine Maske, weil man mich nicht erkennt. Aber ich bin da jetzt nicht so drauf erpicht. Den Hut hab ich damals schon in meiner alten Band getragen. Die hat sich dann aufgelöst…

Welche Band war das?

Simon: So eine Alternative-Rock-Band hier in Augsburg. Ich sag jetzt nicht den Namen, sonst fängst du an zu googlen (lacht). Das ist vogelwild…ein Video gibt’s noch bei Youtube. Da hatte ich den Hut schon. Das hat sich halt aufgelöst und dann hab ich viel Musik selber gemacht und den Hut einfach behalten. Als Markenzeichen. Oder eher als Wiedererkennungswert, dass man halt merkt „Ah, das ist dieser Typ mit Melone und Sonnenbrille“. Aber wegen der Maskerade jetzt nicht unbedingt.

Hast du dann schon mal Auftritte ohne gespielt?

Simon: Nee.

Ihr habt ja euer eigenes Label – Plattenmoped – und da steht auf der Homepage, dass ihr Clash Rap macht. Was versteht man denn unter Clash Rap?

Simon: Wer will? Ich weiß die Antwort…

Felix: Ich hab selber keine Ahnung, was Clash Rap bedeutet (lacht).

Simon: Das kam eigentlich daher: Letztes Jahr haben wir diesen Bandwettbewerb mit der Stadtsparkasse gewonnen, wo wir dann auch aufm Oben Ohne spielen durften. Und da haben wir ein Coaching bekommen mit einem großen Label in München. Die haben gesagt, wir müssen ganz genau definieren, was wir für eine Musikrichtung machen. Für uns selbst erst mal und dann aber auch für Leute, die uns buchen wollen. Wir sind natürlich schon geprägt von HipHop und Rap durch mich, aber durch die Jungs auch viel Jazz, Funk und sonst irgendwas. Da kommen ja wahnsinnig viele Musikrichtungen mit rein. Und wenn wir nur schreiben würden HipHop, dann bist du halt einer von vielen. Man soll seine eigene Stilistik ein bisschen umschreiben. Der Andi kommt mit Jazz, dann fang ich an drauf zu rappen. Der dritte kommt dann mit irgendwelcher Metal-Kacke – so aus Spaß. Im Songwriting ist es oft so, dass sich unsere Geschmäcker quasi clashen. Und so haben wir intern für uns beschlossen, dass es Clash Rap ist. Rap ist natürlich in jedem Song, aber was drunter passiert, das kann sich sehr wandeln. Das hat sich auch verändert von den Produktionen von früher zu heute. Das wird sich auch dieses Jahr wieder ändern. Wir haben schon ein paar Songs in der Pipeline, die sind schon mal wieder – ich sag mal: dezent etwas anders.

Früher warst du Straßenrapper. Was darf man sich darunter vorstellen? Straßenmusiker mit Gitarre kennt man ja, aber was macht ein Straßenrapper?

Simon: Das steht, glaub ich, in unserem Press-Kit, da hast du das wahrscheinlich gelesen. Damit hab ich eigentlich nicht gemeint, dass ich ein Straßenmusiker so an sich bin. Ich war halt immer einer, der in seinem kleinen Zimmer produziert hat, raus gegangen ist auf die Straße, gefilmt hat und das den Leuten und Freunden gezeigt hat. Ich hatte ja keine Band. Aber ich bin jetzt kein Straßenmusiker. Wär aber auch mal geil.

In euren Songs kommt auch immer wieder ein Saxophon vor. Eigentlich ein ziemlich ungewöhnliches Instrument fürs Rappgenre oder für HipHop allgemein. Wie kam es dazu?

Felix: Die ursprüngliche Band, die der Pianist zusammengestellt hat, waren ich am Bass, der Tom am Schlagzeug und eben der Andi an den Keys. Und wir haben uns gedacht, dass da irgendwas fehlt. Sei es Trompete oder Saxophon oder sonst was. Und ich kannte eben den Joachim vom Studium. Wir waren mal auf einer Party und es war schon relativ spät. Und irgendwann hab ich zum Simon gesagt: „Hey pass auf, das ist unser neuer Saxophonist.“ Das war kurz nachdem wir im Studio waren. Da hatten wir für unsere EP What’s Rap auch Bläser dabei und das wollten wir auch live umsetzen. Dadurch kam die Idee „Komm, lass uns zumindest einen Bläser dazu holen“. In den 80ern war ja fast in jedem Popsong so ein Sax-Solo drin und ich liebe die 80er so als Musikgenre. Da kamen coole Songs bei rum. Vielleicht also auch ein bisschen da drauf zurück gegriffen. Aber eben auch weil es inzwischen wieder innovativ ist, sowas zu machen. Und es passt auch zu unserem Sound.

Simon: Es ist einfach ein verdammt geiles Instrument.

Felix: Ich hab früher auch viel Saxophon gespielt. Deswegen bin ich dem auch nicht abgeneigt.

Simon: Saueklig aber auch.

Felix: Eklig? Ja wegen der ganzen Spotze.

Temren: Das ist echt das widerlichste Instrument, das es gibt.

Simon: Mit dieser komischen Holzplatte, die man nass machen muss. Bäh!

Felix: Es geht noch ekliger. Posaunen oder so, die haben unten ne Klappe, wo dann einfach die Spotze rausläuft.

Simon: Ne Spotzenklappe (lacht).

Mmmmhhh…Dein erstes Video, das war zum Song Gefällt mir – da warst du ja noch ohne Band unterwegs, oder?

Simon: Ja.

Das hast du in der Augsburger Innenstadt gedreht. Euer letztes war dann schon in einer Münchner Wurstbude. Welche Bedeutung hat Augsburg noch für dich? Du kommst ja auch von hier oder?

Simon: Ja, eine große Bedeutung. Ich bin hier aufgewachsen, hab meine ganze Jugend hier verbracht. Meine ganzen Freunde sind hier. Ich war bis 21, 22 in Augsburg und bin dann wegen dem Studium nach München. Da hat sich so viel entwickelt. Mit der Band und auch von der Arbeit her. Ich mach mit Marcello – der hat eine eigene Firma – auch viel, was jetzt nichts mit der Band zu tun hat. Ein Kumpel von uns hat ein Start-up, da bin ich auch gerade angestellt. In München ist es eine ganz andere Situation, ein ganz anderes Netzwerk, das da durch Zufall entstanden ist. Aber wenn jetzt jemand fragen würde: „Was ist besser – Augsburg oder München?“ Das kann man nicht beantworten. Es ist einfach anders. Ich komm auch noch gern hier her und bin auch regelmäßig hier.

Kannst du dir dann vorstellen, mal wieder zurück zu ziehen?

Simon: Ausschließen würde ich es nicht. Wenn die Band mitkommt und wir hier ein fettes Studio haben, da bin ich der erste, der Ja sagt. Es steht halt aktuell nicht zur Debatte, weil jeder von uns in München studiert. Aber so finde ich Augsburg schon geil. Wir haben ja letztes Jahr auch da oben aufm Sonnendeck gespielt. Da kommt jetzt Mitte März auch das Video raus.

Hast du sonst noch einen favourite Place hier in Augsburg?

Simon: Da gibt’s viele, ganz viele. Hier (Anm. d. Red.: wir waren im Weißen Lamm), da oben aufm Sonnendeck, Golden Glimmer Bar…Wie heißt die neue am Königsplatz?

Die neue?

Simon: Ja, was heißt neu. Die gibt’s auch schon drei, vier Jahre.

City Club?

Simon: Ja, genau. Hallo Werner ist super nice. Wo ich ganz oft bin, ist Inningen. Da haben wir so ein Jugendhaus. Da war ich viel ehrenamtlich tätig.

Felix: Nicht der Plärrer.

Wir verstehen uns ;)
Ihr macht ja alles selbst, vom Design bis zum Produzieren. Habt ihr schon mal überlegt, das in andere Hände abzugeben?

Simon: Also ich kann nur für mich sprechen. Songtexte nicht und Design auch nicht (lacht). Nee, keine Ahnung. Wenn es irgendwann mal eskaliert und völlig ausrastet und wir von der Arbeit nicht mehr hinterher kommen, dann müssen wir es ja abgeben. Sollten wir mal auf Tour gehen, dann kannst du ja während der Tour nichts vorbereiten. Da bist du nur damit beschäftigt loszufahren, da anzukommen, alles aufzubauen, essen, spielen, einpacken und dann wieder weiter ziehen. Da kannst du ja von dem ganzen Organisatorischen nichts machen.

Felix: Also im Prinzip stellt sich die Frage erst, wenn es nicht mehr anders geht. Aber inzwischen ist es noch so, dass jeder seinen Kompetenzbereich hat und den voll ausschöpfen kann. Und es macht Spaß und ist halt unfassbar produktiv.

Ihr seid halt echt die einzige Band, die ich kenne, die alles selbst machen.

Simon: Du schreibst ja auch viel über Timothy Auld oder Impala Ray, die machen ja auch fast alles selber.

Aber die haben nicht ihren eigenen Manager.

Simon: Da macht das wahrscheinlich der Frontmann. Nicht? Hm, vielleicht brauchen wir auch ein Management.

Temren: Hey, jetzt aber Punkt hier! (lacht)

Anfang Februar habt ihr mit Balkon einen neuen Track rausgebracht. Was darf man in Zukunft von euch erwarten? Vielleicht ein Album?

Simon: Da kommt viel!


Nach unserem Interview durfte ich mir sogar exklusiv und vorab das neue Video zu Bauslupenband ansehen. Das will ich euch natürlich nicht vorenthalten. Zieht es euch rein! Denn auch hier könnt ihr nicht nur die Band sondern auch Tem und Marcel sehen…Ich hab’s mir gerade nochmal angeschaut. Ja sogar im Songtext kommen die beiden vor! Hach, kann eigentlich irgendwer nachvollziehen, warum ich das so genial finde?

Homepage: http://www.mundhaarmonika.de/
Facebook: https://www.facebook.com/mundhaarmonika/
Youtube: https://www.youtube.com/user/mundhaarmonikarecord

Interview mit Timothy Auld

Ich war noch nie so aufgeregt vor einem Interview wie vor dem mit Timothy Auld. Warum? Ich hab keine Ahnung. Vielleicht weil er immer so super entspannt wirkt? Und ich an dem Abend wie ein überdrehter Flummi durch die Gegend gesprungen bin? Möglich. Dabei war die ganze Nervosität völlig umsonst. Timothy ist ein wahnsinnig netter und herrlich unverkrampfter Mensch. Noch dazu hatte ich an dem Abend Unterstützung dabei. Sebi, mein Kollege, war beim Konzert mit am Start. Klar, dass ich ihn danach mit zum Interview geschleift hab, denn witzigerweise kennen er und Timothy sich von früher. Als er uns vor der Show über den Weg lief, haben die zwei sich schon mit Handschlag begrüßt. Und ich stand daneben, der liebe Timothy noch völlig ahnungslos, dass ich ihn später mit meinen Fragen löchern werde. Also wundert euch nicht, dieses Interview enthält mehr Akteure als zunächst angenommen…

Ramona: Früher hast du ja in der Augsburger Reggae-Band Dub á la Pub gesungen. Das ist eigentlich eine ganz andere Musikrichtung, wie das was du jetzt machst. Inwieweit hat dich das in deiner Laufbahn als Musiker beeinflusst?

Timothy: Schon viel. Da haben wir ja auch oft gespielt und da hat man sehr viel Bühnenerfahrung mitgenommen und gelernt wie das ist, mit zwölf verschiedenen Charakteren auf Tour zu sein. Und Reggaemusik ist ja auch irgendwie bei mir drin. Also nicht unbedingt in meiner Musik, aber…

Ramona: Aber es ist genauso lässig…

Timothy: Das ist sehr lieb, da freu ich mich natürlich. Ja, das hat mich schon beeinflusst, klar. Wie lange war ich da drin? Schon so sechs, sieben Jahre…

Sebi: Hast du da mit 20 angefangen?

Timothy: Ich glaub, schon früher. Eigentlich schon mit 16. Und wann bin ich rausgegangen? Vor zwei Jahren. Das erste Mal war mit 16 in der Kantine. Da hab ich quasi meinen allerallerersten, richtigen Auftritt gehabt – mit Dub á la Pub.

Sebi: Seit wann hast du dann schon diese Parallellaufbahn?

Timothy: Schon immer. Schon seit ich zwölf bin schreib ich meine eigenen Lieder und produzier.

Sebi: In Weilheim damals oder?

Timothy: Damals in Weilheim, ja. Das war deswegen immer irgendwie da und der Kevin hat das damals gemacht und dadurch, dass er mein Bruder ist, hat sich das so schön ergeben, dass ich da mitmachen konnte.

Ramona: Du hast zum Soundtrack von zwei Schweighöfer-Filmen Songs beigesteuert. Hast du da nicht Sorge gehabt, dass man dich da evtl. in so ne Schublade steckt, wie das z. B. bei OneRepublic bei den Til-Schweiger-Filmen war.

Timothy: Echt? Sind die in so ner Schublade?

Ramona: Für mich schon. Der Til Schweiger verwendet die halt voll oft in seinen Filmen, vor allem bei den ersten, Keinohrhasen und so…

Timothy: Das ist witzig. Das fragen immer so viele Leute. Und ich hab ja eigentlich gar nichts mit dem zu tun. Ich hab den noch nie kennen gelernt. Man muss, glaube ich, verstehen, dass das zwei verschiedene Sachen sind. Die Filmkomposition ist durch einen Komponisten entstanden, bei dem ich im Studio wohn. Und bei dem hab ich nämlich die Sachen eingesungen und so hat sich das ergeben.Weißt du, wie ich mein?

Ramona: Äh…nee?

Timothy: Ich bin nicht zum Matthias Schweighöfer gegangen und hab gesagt: „Hey Matthias, schau mal, hier sind meine Songs, die sind richtig geil.“ Sondern ich hab den Filmkomponisten durch Zufall – über 15 Ecken kennengelernt – und der hat gesagt: „Hey, ist ganz cool. Komm doch mal vorbei und sing was ein.“ Und da hab ich was eingesungen und das hat gepasst. Und dann wurde das verwendet.

Ramona: Okay. Aber OneRepublic haben ja auch nicht extra für Til Schweiger die Sachen gemacht.

Timothy: Nee, aber ich glaub, auf so einer Ebene geht’s dann eh wieder um andere Sachen. Das wissen die ja oft gar nicht. Zum Beispiel Pharrell Williams. Der weiß ja nicht, dass Happy zum fünftausendsten Mal in irgendeinem deutschen Film verwendet wird. Es ist nicht immer so krass, wie man meint. Aber ich freu mich natürlich immer über diese Sachen, die so passieren.

Sebi: Was sind das dann eigentlich für Filme?

Timothy: Das war What A Man, Schlussmacher, Der Nanny…

Ramona: …Traumfrauen…

Timothy: Ja, aber das war mit Elyas M’Barek. Das ging ja eigentlich nur über Parov Stelar. Das passiert immer über Ecken, wo man eigentlich gar nix dafür kann – was ja auch schön ist.

Ramona: Auf Facebook hast du in den letzten Wochen immer wieder Videos gepostet, wo du Songs coverst. Und du spielst alle Instrumente selbst. Würdest du dich als Multiinstrumentalist bezeichnen?

Timothy: Nein, nein. Ich kann diese Instrumente gut genug, dass es okay klingt. Aber ich würde mich jetzt nicht auf ne Bühne stellen. Da müsste ich schon viel mehr üben, dass es cool ist.

Ramona: Welches Instrument spielst du am liebsten?

Timothy: Ähm. Ich produzier sehr gerne, wenn man das als Instrument bezeichnen darf. Ich hab sehr viele Ideen in meinem Kopf und ich weiß, wie ich sie umsetzen kann. Und das was ich benutze, ist halt mein PC. Ja gut…man kann es nicht wirklich als Instrument bezeichnen. Aber mein Lieblingsinstrument, das ich auch spiele? Ich finde Klavier am schönsten. Aber ich kann es nicht so gut spielen, leider. Aber ich finde Klavier unglaublich geil, weil man kann alles damit machen. Außer halt am Lagerfeuer…da wird’s etwas problematisch.

Ramona: Und welches Instrument spielst du überhaupt nicht gern?

Timothy: Die, die ich halt nicht kann.

Ramona: Aber Klavier kannst du ja auch nicht so wirklich gut ;)

Timothy: Das stimmt. Das kann man, glaub ich, gar nicht so sagen. Ich spiel jedes Instrument ganz gern. Alles ist so anders und schön und hat so seine Berechtigung.

Ramona: Du hast ja auch was von Jack Garratt gecovert – Worry. Das Lied find ich mega geil (Timothy: Cool, ich auch!). Der spielt ja auch alle Instrumente selbst, aber der spielt sie auch noch alle gleichzeitig. Was hältst du davon? Ist das erstrebenswert oder leidet da am Ende nur irgendwas drunter?

Timothy: Nee, das ist cool. Der hat das einfach perfektioniert. Ich glaube, sowas fängt man auch nur aus finanziellen Gründen an. Wenn du dir vorstellst, du gehst mit fünf Leuten auf Tour, dann musst du ja jedem was zahlen. Fürs Essen, Unterkunft…Und so kann der halt einfach sagen: Cool, ich spiel ein fettes Konzert und verdien einfach genau das, was halt die Gage ist und muss es nicht durch tausend Leute teilen. Aber es macht schon sehr viel Spaß mit einer Band zu spielen..

Sebi: Aber dafür hättest du ja dein Loop-Werkzeug. Wo du das heute zum Einsatz gebracht hast, hab ich mir vorgestellt, dass das wie so ne Art Straßenmusik ist…

Timothy: Kennst du Bernhoft? Der macht das auch. Und Jack Garratt macht das ja auch mit Loops. Der loopt sich ja auch nur selbst. Und Bernhoft macht das auch. Auch unglaublich gut. Wenn du den noch nicht kennst, musst du mal auschecken. Man kann das ja immer ins Unendliche perfektionieren, aber oft fehlt halt leider einfach die Zeit. Und ich spiel schon sehr gern mit der Band.

Ramona: Bist du dann Fan von Jack Garratt?

Timothy: Ja, voll. Ich hab mir auch schon Karten besorgt.

Ramona: Und wer inspiriert oder beeinflusst dich sonst noch?

Timothy: Alles. Ich hör gerade sehr viele Newcomersachen, weil ich es immer sehr interessant finde, weil das oft so Leute sind – gefühlt – wie ich. Die halt alles selber machen, selber produzieren, selber Sachen schreiben. Und das ist immer sehr interessant, welche Ideen die haben und wie die das umsetzen. Aber eigentlich, wirklich alles. Ich könnte jetzt nicht sagen, ich finde nur das und das geil und nur das inspiriert mich. Das wäre zu leicht.

Ramona: Auf welchem Konzert warst du dann zuletzt?

Timothy: Ich glaube D’Angelo. Vor einem Jahr. Tatsächlich genau heute vor einem Jahr. Jetzt muss ich mal überlegen. Ich glaub nicht, dass es das letzte war, aber ich hab das Gefühl, dass es das letzte war…Zumindest war es das letzte, das so krass war. Das war nämlich so ein Lifetime Hero. Der war ja zehn Jahre nicht auf Tour. Vor zehn Jahren war der einer der krassesten Sänger und ne Legende. Und der hat sein zweites Album rausgebracht letztes Jahr und ist dann wieder auf Tour gegangen nach zehn Jahren. Und das war dann so…wow!

Ramona: Ich finde ja, dass alle deine Songs mega lässig klingen. Bei dir klingt alles so entspannt und so groovig.

Timothy: Echt? Cool, das ist schön.

Ramona: Woher nimmst du diese Lässigkeit? Wenn du nen Song schreibst, ziehst du dir dann besonders lässige Klamotten an oder hörst den ganzen Tag nur Jazz? Weil ich finde, so entspannte Songs zu schreiben, ist große Kunst…

Timothy: Hm, ich weiß gar nicht so genau. Ich glaube, das ist gar nicht so verkopft. Das kommt einfach so raus. Manche Leute können z. B. unglaublich geile Partylieder oder unglaublich gute, depressive Musik schreiben – was ja auch sehr wichtig ist. Und vielleicht kann ich halt ganz gut lässige Songs schreiben. Oder vielleicht auch nicht (lacht).

Ramona: Hauptsache du schreibst Lieder, die so klingen, wie sie klingen! Danke für das Interview!

Timothy: Danke dir!

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Fun Fact: Wir tragen fast das selbe Hemd ^^

Interview mit Kytes

Früher hab ich Interviews immer etwas…naja, ungern geführt. Was soll man nur fragen? Und die ganze Recherche vorher und die Abtipperei danach. Mittlerweile mach ich das aber echt gern, weil man schön alles mögliche fragen kann. Und ich frag meistens das, was mich wirklich interessiert. Auch wenn die Fragen manchmal etwas fies sind. Schön ist auch, wenn es dann wie von allein läuft. So wie am Ende von diesem Interview hier mit der Münchner Band Kytes.

Interessant ist es auch immer wieder wie sich das so ergibt und was man dabei alles erlebt. Kytes sind nämlich durch meinen bösen Artikel über Cosby auf mich aufmerksam geworden. Und als ich dann nach dem Konzert zu ihnen ins Backstage ging, sprang da noch Michi oben ohne über die Sofas. Er war auf der Suche nach seinem Shirt. Und Tom hielt sich eine kalte Flasche Spezi an seinen Knöchel, da er auf der Bühne böse umgeknickt war. Ähnlich chaotisch und überaus lustig verlief dann auch das Interview…

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Ihr habt ja jetzt euren Namen von Blind Freddy zu Kytes geändert und auch euer Musikstil hat sich verändert. Warum wolltet ihr das so radikal machen?

Tim: So radikal war das gar nicht.
Kerim: Wir haben Blind Freddy angefangen mit 15 oder 16 ungefähr und haben das Ganze als Schülerband in einer Abstellkammer von der Schule gestartet. Wir hatten einfach Bock zusammen Musik zu machen und im Laufe der Zeit – so in den letzten Jahren – haben wir uns geändert und hatten Bock das ein bisschen professioneller aufzuziehen und haben wie wahrscheinlich viele Bands das Schülerbandimage mit uns rumgetragen und wollten die alten Lasten mal abwerfen und das Ganze neu starten mit neuen Ambitionen, mit mehr Zeit, mit mehr Energie. Wir waren auch lang im Studio, haben da ein bisschen rumprobiert und dann mussten wir wieder alles wegschmeißen, weil es uns nicht getaugt hat. Und dann haben wir so in den letzten zwei Jahren herausgefunden, was wir eigentlich musikalisch wirklich machen wollen. Dann war es für uns der richtige Weg, das Ganze von Anfang an so aufzuziehen wie wir wollen. Mit einem gescheiten Konzept dahinter, ein geiles Team aufbauen.
Tom: Beziehungsweise die Leute von Blind Freddy mitzuziehen. Wir haben uns mit Blind Freddy schon ein paar Leute an Bord geholt, die immer noch dabei sind, z. B. Ferdinand Feldmann und Christoph Schaller. Zwei sehr tolle Jungs, die für uns alle Videos und alle Fotos machen. Mit denen haben wir auch das On The Run und das Inner Cinema Video gedreht. Die sind mega geil drauf und unterstützen uns.

Ist das nicht irgendwie inkonsequent, wenn man sozusagen nicht mehr von seinem eigenen Projekt überzeugt ist?

Tim: Ich finde nicht, dass es inkonsequent ist. Mehr so weit entwickelt, dass man checkt: okay, das was wir gemacht haben, war schon cool und hat Spaß gemacht, aber es ging nicht so hundertprozentig in die Richtung wie wir es letztendlich machen wollen.
Michi: Ich finde, es ging so nicht mehr weiter. Mit der Einstellung mit der wir in Blind Freddy reingegangen sind oder was halt dieser Grundgedanke von Blind Freddy war: „Hey wir haben Bock zu zocken, Bock mal Musik zu machen. Musik schreiben, spielen, juhu fertig! Und um alles andere soll sich jemand anders Gedanken machen.“ Das hat sich einfach geändert. Und da haben wir gesagt, wenn wir schon alles neu angehen, mit neuen Gedanken, neuem Konzept und neuer Motivation, dann wollen wir auch das komplette Projekt nochmal neu starten. Es war nicht scheiße was wir gemacht haben. Aber das alte so ein bisschen los werden. Wir schämen uns nicht dafür, was wir gemacht haben. Es war nämlich voll cool und hat mega Spaß gemacht und waren gute Erfahrungen. Wir haben voll viel gelernt. Sonst hätten wir das neue Projekt auch nie so anfangen können.

Hast sich auch was anderes bei euch gravierend geändert?

Kerim: Michi hat gelernt zu singen.
Tim: Man checkt halt ein bisschen mehr, dass das Projekt Kytes Arbeit ist. Davor bei Blind Freddy haben wir uns zweimal die Woche im Bandraum getroffen, Musik gemacht, Bier getrunken und am Wochenende ein Konzert gespielt. Scheiß auf alles andere. Kytes ist jetzt einfach mehr so…klar, wir sind mega happy, dass wir das machen können, was wir machen, was unser Traum ist. Wir sind gerade drei Stunden aus einer anderen Stadt hierher gefahren und das ist so cool, dass wir das endlich machen können. Wir haben halt gecheckt: das ist gerade unsere Arbeit und es gibt auch Momente, wo du merkst, das ist Arbeit. Zum Beispielt jetzt, wenn wir dann mit dem Interview fertig sind, dass wir runtergehen und erst mal ne halbe Stunde unser Zeug abbauen. Oder z. B. wenn wir eine Woche in Berlin im Studio waren und gemerkt haben: boah, das ist ganz schön hart – eigentlich würde ich gerade lieber an der Isar chillen, meinen Sommer genießen und mit meinen Freunden Party machen. Man checkt, dass man bei vielen Sachen zurückstecken muss wie Freunde, Liebe, Familie. Es sind einfach viele Sachen, die du unterordnen musst.
Kerim: Bei Blind Freddy hat halt jeder noch irgendwas gehabt, ob es Schule war oder Studium. Und da ist man halt in Proberaum gegangen und hat so hobbymäßig ein bisschen gespielt. Blöd gesagt. Und auch wenn man jetzt merkt, dass es Arbeit wird, ist es ja genau das, was wir wollen. Es soll ja unser Lebensinhalt werden und unser Lebensunterhalt.
Michi: Man muss jetzt nur drauf klar kommen, dass zum Hobby – zum reinen Hobby – jetzt auch dieses professionelle Ding dazu kommt.
Tim: Oder man trifft sich und bespricht zwei Stunden lang, was wir die nächsten zwei Monate machen. Oder wir streiten uns fünf Stunden lang, wie es jetzt genau weiter gehen soll. Also nicht nur musikalische Gespräche, sondern auch so strategische Sachen.
Michi: Voll! Wann kommt welcher Song raus? Wann spielen wir da am besten? Sollen wir da überhaupt spielen? Mit der und der Band? Hm, geben wir dieses Interview? Lauter so Sachen, über die man sich sonst null Gedanken gemacht hat.
Tim: Oder was machen wir mit unserem Video? Was wollen wir da aussagen? Solche Sachen überlegt man halt mehr. Das ist teilweise voll geil und macht voll Spaß und natürlich wollen wir das alle, aber man checkt auch mehr, dass es Arbeit ist.

Habt ihr einen Masterplan, damit das jetzt auch wirklich das Richtige ist und so bleibt?

Tim: Ich glaube grundsätzlich, dass es in der Musikindustrie einfach keinen Masterplan geben kann.
Tom: Wir haben ein mega geiles Team hinter uns und wir haben auch Musik von der wir selbst überzeugt sind und den Rest kann keiner vorhersehen. Wir machen worauf wir Bock haben und was am Ende dabei raus kommt, weiß keiner.
Tim: Letztendlich entscheiden einfach die Leute, ob sie den Song gut finden und ob sie den all ihren Freunden zeigen und ob das dann groß wird. Man kann schon viel dafür geben, aber am Ende entscheiden es die Leute. So ne Band, die bei unserem Label ist – Milky Chance – die hätten nie gedacht, dass ihr Song so weit aus Deutschland raus kommt und sie in Australien und Amerika nen mega Hit haben. Das kann man einfach überhaupt nicht planen. Es passiert einfach oder es passiert vielleicht langsamer oder es passiert gar nicht.
Kerim: Es ist halt wichtig, dass du überzeugt bist von dem, was du tust und alles dafür gibst.
Michi: Ich glaube, wir sind auf einem sehr guten Weg.

Spielt ihr die alten Songs auf der Bühne noch? Oder mal nur so für euch?

Michi: Nö, gerade nicht.
Tim: Du musst dir das so vorstellen: Immer wenn man du Musik machst und zwei/drei Jahre wartest – zumindest uns geht es so – fühlst du dich immer so: okay…das war vor zwei Jahren, aber es taugt uns nicht mehr so krass. Frag mal Noel Gallagher ob er Wonderwall noch so geil findet. Wahrscheinlich nicht mehr. Ich will jetzt nicht sagen, dass wir so nen Song wie Wonderwall hatten, aber es ist einfach so, dass man älter wird und reift und andere Musik hört. Ich finde es einfach schwierig, noch so viel Begeisterung für einen Song zu haben, der schon drei/vier Jahre alt ist. Und wahrscheinlich denken wir uns mit den Sachen, die wir jetzt machen, in zwei/drei Jahren auch: Oh Mann, das hätten wir anders machen können. Aber mit Blind Freddy ist das noch so ein bisschen was anderes. Auf unserem Album hatten wir auch voll viele Songs, die in eine ganz andere Richtung gegangen sind. Da war ein Song drauf, der war ein bisschen balkanmäßig, einer war auf Spanisch, einer war voll poppig, einer war total ruhig. Das waren Experimente. Wir haben einfach Musik gemacht, die uns taugt und haben nicht darauf geschaut, ob da ein roter Faden drin ist. Grundsätzlich finde ich es schon gut, dass man verschiedene Sachen macht, aber das war einfach ne Spur zu extrem.
Kerim: Findungsphase!
Tim: Ja voll! Das meinten auch alle Leute, die was über das Album geschrieben haben.
Tom: Damals waren wir schon noch so: ach was, Findungsphase – blablabla! Und mittlerweile sind wir schon auch: ja okay, das war unsere Findungsphase.

Trauert ihr irgendwas an Blind Freddy hinterher?

Kerim: Dem Abbauen und dem Aufbauen trauer ich hinterher!
Tom: Warum?
Kerim: Weil es einfach nur drei Verstärker waren und ein Schlagzeug und die Sache war erledigt.
Michi: Ich hab auch  noch eine Sache, der ich hinterher trauer und zwar: Ich hasse es, mir Gedanken darüber zu machen, wann man irgendwelchen Scheiß bei Facebook postet und wann man welches Promovideo macht und da noch ein Teaser und da noch ne Zeile. Da musst du dir das Lied anhören 14.11. von Edgar Wasser, dann weißt du genau, was mich dran stresst. Oder wir treffen uns zur Probe für vier Stunden. Und dann gehen auf einmal drei Stunden für irgendwelche Skypecalls drauf, um halt irgendwas zu planen.

Ich hab letzte Woche euren Song On The Run auf meinem Blog gepostet und jemand hat darunter kommentiert, dass er findet, euer Bandname passt sehr gut zu eurer Musik. Und da ist uns aufgefallen, dass man Kites – also die Drachen, die man steigen lässt – ja eigentlich mit i schreibt. Wer hat den Schreibfehler verbockt?

Kerim: Das ist kein Schreibfehler. Wir sind einfach alle vollkommene Fans vom Ypsilon.
Tim: Das ist schon bewusst so. Es wäre auch arg krass scheiße, wenn du beim Bandnamen einen Schreibfehler einbaust. Es soll auch nicht Drachen heißen. Das ist ein Wort, das wir mehr oder weniger erfunden haben bzw. was abgeändert haben.
Kerim: Es geht mehr um die Klangästhetik und dass es so auch noch cooler aussieht.
Tim: Wenn du die Bandnamenfrage stellen willst…

Nee, die wollte ich eigentlich nicht fragen, weil ich die immer total planlos finde.

Tim: Ja voll, aber wir hatten, als wir uns den Bandnamen überlegt haben, ein paar Bedingungen. Wir sollten einen kurzen haben, wir wollten einen, der schön aussieht, wenn du ihn schreibst – und wir finden, er sieht schön aus. Ich hoffe, du findest auch, dass er schön aussieht.

Ja, sieht schön aus.

Tim: Das war auch immer so eine Sache mit Blind Freddy. Jeder hat uns gefragt: Wer ist eigentlich Freddy von euch? Ist einer von euch blind? Wir wollten einfach versuchen, einen coolen, kurzen Bandnamen zu finden, den man schön irgendwo hinschreibt.

Ihr wart gerade erst mit der Startrampe vom Bayerischen Rundfunk unterwegs. Ich vermute, es war ziemlich cool. Was war das Highlight eures Roadtrips?

Tom: Die ganze Woche war eigentlich geil. Von der Startrampe hat uns auch einer gefragt, aber irgendwie kann man sich gar nicht festlegen.
Michi: Wir haben lauter geile Sachen gemacht. Wir haben so nen Sternekoch getroffen, der mit uns unser Lieblingsessen gekocht hat – Thai Curry. Wir haben nen Typen getroffen, der unseren Remix gemacht hat. In Wien haben wir zwei Konzerte gespielt, dann waren wir saufen mit denen. Das war alles cool eigentlich! Das war teilweise sehr anstrengend, weil…
Tim: Wir haben auch ein Video gedreht.
Michi: Genau, wir haben für unsere beiden Singles so ne ganz gechillte Version gemacht – so was wie ne Akustikversion – nur nicht akustik, sondern in gemütlich. Da haben die z. B. gedreht wie wir das Video drehen.
Tim: So behind-the-scenes-mäßig.
Kerim: Und mehr am 22.11. Da kommt die erste Folge raus.
Michi: 22.11.? Das muss ich meinen Vater sagen. Dann kann er mal wieder Bayerisches Fernsehen schauen…und sieht seinen Sohn!
Tim: Voll besoffen aufm Wiener Naschmarkt!

Da wart ihr auch? Boah, der ist voll geil, da war ich auch schon.

Kerim: Ja voll geil. Da sind auch ein paar lustige Scenen entstanden.
Tim: Ich musste weinen – vor laufender Kamera.
Kerim: Genau, aber mehr wollen wir hier nicht spoilern!
Michi: Ja, alles war cool! Es war sehr anstrengend teilweise, weil man den ganzen Tag gedreht hat. Aber richtig geile Woche!
Tim: Die haben ja so nen Bus – hast das schon mal angeschaut? Das war einfach cool mit dem mal rumzufahren.

Ja, die Folgen mit Cosby hab ich mir unter anderem mal angeschaut.

Kerim: Poledancing war darin nicht möglich.
Tom: Man stellt es sich eigentlich mega stressig vor, wenn man nur mit 80 km/h nach Zürich fährt, weil du ewig unterwegs bist. Aber es ging schon.
Tim: Es ist ein bisschen wie auf nem Tuckerschiff.
Kerim: Du machst dir auch keine Sorgen, wann du mal ankommst oder wie spät es ist.

Es sieht halt so mega gemütlich und gechillt aus!

Alle: Es ist auch mega gemütlich!

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Website: http://www.kytesmusic.com/
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Interview mit Dicht & Ergreifend

Als vor zwei Wochen Dicht & Ergreifend ein Konzert in Augsburg spielten, hab ich natürlich die Chance ergriffen und ein Interview mit ihnen geführt. Seit dem Stereowald Festival kennt man sich ja – öhöm. Selfies haben wir diesmal nicht gemacht, dafür aber die ganze Zeit auf Bayerisch geredet. Teilweise sogar übers Bayerische. Ich hab es trotzdem ins Hochdeutsche übersetzt – sozusagen. Denn den Kauderwelsch und meine bayerischen Schreibkünste wollte ich euch dann doch nicht antun. Wer will, kann sich den Dialekt ja dazu denken…

Ihr wohnt ja mittlerweile in Berlin – oder Über-Bayern wie ihr es nennt. Redet ihr dort auch Bayerisch oder dämpft ihr den Dialekt etwas ein?

Lef Dutti: Ein bisschen schon, man macht da schon einen Unterschied. Aber bayerisch kommt immer durch bei mir.
George Urquell: Ich switch am Tag ungefähr vierzigmal. Also von einer Sekunde auf die andere. Von gestochen Hochdeutsch auf Bayerisch.

Verstehen euch die Leute dort?

Lef Dutti: Wenn du knallhart bayerisch redest, dann wird’s schon manchmal schwierig. Nicht alle verstehen’s. Aber so knallhart bayerisch reden mit jemanden, das mach ich dann auch nicht.
George Urquell: Das ist ja auch unhöflich.

Wobei es bestimmt Leute gibt, die das machen.

Lef Dutti: Ja, die sagen dann: ach, der versteht das schon.
George Urquell: Das krasse ist…mein Onkel! Egal wer anruft, ob’s von der Telekom ist oder von seinem Sky-Abonnement, der redet knallhart Landau-an-der-Isar-Slang. Der zieht das voll durch. Der versucht nicht ein bisschen sich zu verstellen.

Ich finde ja, das Heimat und die eigene Sprache ganz eng miteinander verflochten sind. Fehlt euch das bayerische nicht manchmal oder kommt ihr euch fremd vor in Berlin?

Lef Dutti: Wir sind ja ständig in Bayern auf Konzerten. Und auch zustätzlich ständig in Bayern unterwegs.
George Urquell: Wir haben auch eine extrem große Bayernbastion in Berlin. Einen Haufen Regensburger, also wirklich viele Leute, die auch von Bayern nach Berlin gegangen sind. Da könnte ich jetzt zehn oder fünzehn Leute aufzählen.
Lef Dutti: Aber es gibt schon manche Situationen, wo man dann ein kleines bisschen Heimweh hat. Wenn halt irgendeine Veranstaltung daheim ist. Von unseren Freunden, die in Bayern wohnen. Wo man dann nicht dabei ist.
George Urquell: Wie jetzt erst ein Geburtstag. Der wäre richtig geil, aber dann haben wir mal zwei Wochen frei, dann will ich nicht schon wieder runter fahren, obwohl ich voll gern auf den Geburtstag gehen würde.

Warum seid ihr dann überhaupt nach Berlin gegangen?

George Urquell: Arbeiten…und studieren.
Lef Dutti: Wir sind ja schon seit acht Jahren da.

Ihr habt vor kurzem ein Konzert in Kiew gespielt. Also nicht nur außerhalb Bayerns sonder auch außerhalb Deutschlands! Fühlt sich das dann nochmal anders an oder wie reagieren die Leute dort? Können die mitsingen?

George Urquell: Beim Spliff können’s mitsingen.
DJ Spliff: Da gibt’s ein Video von dem da-Spliff-Song. Und die schreien des alle fleißig mit. Die singen nicht „Okay the Spliff“ oder „It’s the Spliff“ sondern die singen „Ja da Spliff“. Und natürlich muss man das Ganze ein bisschen ins Englische bringen. Also die Ansagen dazwischen und so. Aber die waren dabei und das war ein grandioses Konzert.
George Urquell: Das ist auch eine kulturelle Frage. Der Mindset bei denen ist: Boah leck, da kommen Leute von ganz weit her und spielen umsonst und das hört sich noch geil an und die gehen Vollgas ab. Joa, da machen wir mit! Also das war eines der tollwütigsten Publika, die mir jemals hatten.
Lef Dutti: Die waren richtig hungrig!
George Urquell: Und auch danach! Wir sind ausm Foto machen gar nicht mehr rausgekommen. Die sind alle dahergekommen, als wenn wir Dieter Bohlen wären. Tatsache, Modern Talking ist DIE Nummer in der Ukraine.
Lef Dutti: Der einzige deutsche Exportschlager ist Dieter Bohlen bzw. Modern Talking und natürlich Rammstein.
George Urquell: Und der Thomas Anders spielt da Soloshows.

Was? Immer noch?

George Urquell: Ja, weil er Kohle braucht!
DJ Spliff: Aber der ist sehr gut besucht.
Lef Dutti: Ich glaub, da ist das von Haus aus so. Wenn Konzerte sind, ist da immer was los.

Schreibt ihr eure Songs eigentlich von Anfang an auf bayerisch oder entstehen die Ideen zunächst auf Hochdeutsch?

Lef Dutti: Alles auf bayerisch von Anfang an.
George Urquell: Es geht ja oft mit einem Wortspiel oder so los.
Lef Dutti: Wir denken ja auch auf bayerisch. Das ist ja unsere Muttersprache. Ich glaube, das könnten wir jetzt auch gar nicht bringen, dass wir auf Hochdeutsch ein Album raus bringen.
DJ Spliff: Die Texte von Dampf der Giganten sind ja auf Hochdeutsch im Booklet drin. Das müsste man eigentlich nur mal einrappen, dann könnte man die hochdeutsche Version machen.
Lef Dutti: Und die dritte Platte machen wir dann auf Englisch.
George Urquell: Wir mausern uns von Bayern nach Deutschland und dann gleich Australien und Papua Neuguinea!

Ist es schwieriger auf bayerisch zu texten und wünscht ihr euch manchmal, dass ihr doch das geläufige Deutsch benutzen könntet?

Lef Dutti: Bei manchen Passagen wär’s gut, wenn Hochdeutsch erlaubt wäre quasi. Und andersrum ist es aber auch so, wenn man was auf Hochdeutsch schreibt – fernab von Dicht & Ergreifend – wünscht man sich auch manchmal, dass man auf bayerisch weiterschreiben könnte. Weil irgendeine Zeile einfach mit bayerisch besser beendet werden könnte bzw. ein Wort besser reinpasst. Aber ist halt doof, wenn man das mischt.
George Urquell: Manchmal stolpert man auch über so Fälle wie Konjunktiv und solche Geschichten. Solche Sachen gehen halt dann im Deutschen aber nicht im Bayerischen.
Lef Dutti: Aber auch andersrum!

Ich glaub, ihr habt ja bisher noch nie ein typisches Liebeslied gemacht oder?

DJ Spliff: Ach, da Spliff?!
Alle lachen xD

Würdet ihr denn auch mal ein typisches Schnulzenliebeslied schreiben?

George Urquell: Ich weiß ned. Forever Youngg’seY ist ja eine Ode an lauter Stereotypen von Frauen. Das ist, glaube ich, wenn dann so ein Liebessong. Und das erste, was mir da immer einfällt, sind die Beginner mit Liebeslied. Der hat das Thema ja so gesehen auch Null ernst genommen. Das ist ja eigentlich auch eine Verarschung. Da muss man schon eher so Xavermäßig unterwegs sein.
Lef Dutti: Ich könnte kein Lied schreiben, dass zu 100 Prozent ein Liebeslied ist und keinen Funken an Humor hat.
George Urquell: Checkts mal das Lied von Fatoni mit der Mine aus. Das ist eigentlich eine Liebeserklärung, aber der wuchtet das irgendwie ziemlich geil. Kennt ihr das?
Alle schütteln den Kopf…
George Urquell: Da sind die Ebenen drin. Wer hat gesagt, dass man auf Deutsch keine Liebeslieder schreiben soll? War das Tocotronic? Das ist einfach auch schwierig, ohne dass es schmalzig wird.
Lef Dutti: Also da setz ich mich für ein, dass es kein schmalziges Liebeslied gibt.

Das meiste von eurer Musik kommt ja vom DJ – vom Spliff. Nur Tuba und Trompete nicht. Warum habt ihr die zwei immer live auf der Bühne dabei und bindet das nicht auch irgendwie über den DJ mit ein?

Lef Dutti: Warum nicht? Weil es halt fett ist, vom Sound her.
George Urquell: Man kann halt doch auch ein bisschen mehr variieren. Das Solo zum Schluss ist immer ein bisschen anders. Und es ist auch einfach mehr geboten. Die zwei kommunizieren miteinander, wir sind auch mal nicht auf der Bühne. Das belebt das Ganze ungemein.
Lef Dutti: Wir können aber auch Shows nur zu dritt spielen; das geht genauso. Ist halt dann anders.

In einem Interview habt ihr mal gesagt, dass Dicht & Ergreifend, der erste Song und das alles eher ein Unfall war und gar nicht so geplant. Was würdet ihr jetzt machen, wenn es diesen Unfall nicht gegeben hätte und ihr jetzt keine Musik machen würdet? Was wäre euer Job?

Lef Dutti: Wir haben ja trotzdem immer noch normale Jobs.

Echt? Seid ihr nicht schon hauptberuflich Musiker?

George Urquell: Nee…auf keinen Fall.
Lef Dutti (mit einem Kopfnicken zu Takeda Tight und Lulle 68): Die zwei sind hauptberuflich Musiker.

Was sind dann eure normalen Jobs?

Lef Dutti: Ich bin Grafiker.
George Urquell: Und ich bin Kameramann.
DJ Spliff: Projektmanager.

Also auch nicht hauptberuflich DJ?

DJ Spliff: Nee. Das wäre natürlich schon auch irgendwo cool, aber momentan hab ich wegen den ganzen Konzerten eh nen Break von meinem Job. Ab Januar geht’s wahrscheinlich wieder los. Aber momentan wär’s für mich gar nicht zu stämmen so ein Nine-to-Five-Job.
Lef Dutti: Wir arbeiten aber schon ziemlich frei.
George Urquell: Sag Nine to Five.
DJ Spliff: Geiler Songtitel! Sag Nine To Five!
George Urquell: Das geht sogar im Bayerischen. Sog Neine…na, na.
DJ Spliff: Ham mas scho wieda!

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Facebook: https://www.facebook.com/dichtundergreifend
Website: http://dichtundergreifend.com/

Wer neugierig ist, sollte auch mal hier vorbeischauen. Auf Facebook verlose ich dreimal das Album Dampf der Giganten von Dicht & Ergreifend!

Interview mit A Forest

Bei der letzten Bedroomdisco war die Band A Forest zu Gast. Deren Projekt „I Am A Forest“ wirft so ziemlich alles Gewohnte im Musikbusiness über den Haufen. Das finde ich gut und auch sehr interessant. Darum hab ich mich vorm Konzert mit Sänger Fabian Schuetze genau darüber unterhalten. Auch über ihr Label Analogsoul, den Film „Freiheit, Freiheit, Wirklichkeit“ und nicht zuletzt ihre Musik. Ich war überrascht, was für ausführliche Antworten er mir gegeben hat. Und schon währenddessen etwas besorgt darüber, wie lang ich daran sitzen werde, um das alles abzutippen – but that’s another story…

Mit eurem Projekt „I Am A Forest“ wollt ihr den Entstehungsprozess von Musik und auch die Art und Weise wie man sie konsumiert verändern und transparenter machen. Hat sich euer eigenes Handeln und Arbeiten, was die Musik betrifft, dadurch stark verändert?

Sowas funktioniert sehr langsam. Man kann sich sowas natürlich vornehmen, aber das ist ein Prozess. Wir machen alle seit ungefähr zehn Jahren Musik und es ist dann schwer aus seiner Komfortzone rauszukommen. Aber es ist tatsächlich so, dass wir zumindest ein kleines Ziel erreicht haben. Nämlich ein bisschen wegzukommen von diesem Albumfokus, dass man alle zwei Jahre eine Platte macht und sich alles so krass auf diesen Zeitpunkt ausrichtet. Und wir wollten ja eigentlich mehr Fluss haben, weil wir arbeiten die ganze Zeit und wollten das auch abbilden. Und das hat auch funktioniert. Dass es so ein bisschen den Druck raus nimmt: jetzt das nächste Album, die nächste Single! Wir haben halt gesagt, wir machen Musik und immer wenn wir das machen, wenn wir ein kleinen Zwischenstand haben, dann zeigen wir das auch den Leuten ohne den Druck zu haben, dass das jetzt alles ist wovon unser Leben abhängt.

Wenn ihr Musik von anderen Bands hört, nehmt ihr das jetzt anders wahr oder betrachtet das in einem anderen Licht?

Durch das Projekt nicht, aber als Musiker hört man natürlich ganz anders Musik. Wahrscheinlich. Ich hab jetzt selbst nicht den Vergleich zu jemanden, der selbst keine Musik macht. Aber es gibt zum Glück immer noch Musik, die man so ganz ohne Kopf hören kann, einfach weil sie einen emotional ganz krass anfasst. Egal auf welchem Gefühlszustand das ist, wo man abgeholt wird. Das kann auch happy Musik sein, wo dann der Kopf ausgeht. Aber klar hört man dann schon immer: ah, das haben die so gemacht, ah krass der Sound, wie ist das gemacht. Man denkt natürlich über ganz andere Sachen nach. Mit der Zeit nimmt das auch eher zu, weil man natürlich immer kritischer wird und immer mehr Wissen hat, wie Musik funktioniert.

Habt ihr auch schon Veränderungen von außen festgestellt? Also wie eure Fans z. B. das Projekt aufnehmen und umsetzen?

Total! Ein Ziel war, die Hürden abzubauen. Stück für Stück. Wir wollen, dass die Musik gehört und weiter verbreitet wird. Das sagen ja alle, aber wir haben dann auch gesagt: Okay, da muss man dann auch so konsequent sein, die Hürden dafür so weit wie möglich einzureißen. Und z. B. auch auf der Tour ein digitales Album als Pay-What-You-Want nach dem Konzert mitnehmen können. Man bezahlt wirklich so viel wie man möchte. Und wir gucken auch nicht schief, wenn jemand nur 1 Euro reinwirft. Weil wir wollen, dass es Spread gibt. Und das haben wir auch ganz massiv gemerkt. Auch die Tonträger und die Konzerte zu einem Preis anzubieten, wo dann nur noch möglichst wenig Leute sagen: Boah, die Kohle hab ich nicht. Ich kann jeden verstehen, der sagt, die 25 Euro für ein Konzert…dafür reicht mein Geld nicht, weil ich ein scheiß Job hab und mir das nicht leisten kann. Und das möchte ich eigentlich nie hören! Das liegt mir sehr am Herzen, dass jeder die Musik mitnehmen kann. Vielleicht nicht in der Deluxe-Vinyl-Version, aber so dass sie jeder besitzt und hört.

Habt ihr dadurch auch schon mal stark negative Kritik bekommen, die ihr sonst vielleicht nicht erfahren hättet? Oder andersrum: auch schon sehr schöne Sachen mitgeteilt bekommen?

Es gab wenig nevatives Feedback, aber es gibt ein paar Angriffspunkte beim Projekt, die ich auch legitim finde, die ich zumindest verstehen kann. Ich kann z. B. verstehen wenn jemand aus dem bösen, fiesen Musikbusiness sagt, dass ihm das nicht passt. Weil ich nämlich ganz transparent sage, wie Dinge funktionieren, wie sich Preise zusammen setzen. Das gefällt nicht jedem. Oder dass mal eine Stimme kommt: „Das ist nur Marketing.“ Vielleicht auch weil die Idee nicht ganz durchstiegen wurde, weil wir sie auch kompliziert gemacht haben und das Thema etwas komplex ist. Klar, sowas kommt, aber das Positive überwiegt stark. Wir haben viel mehr Kontakt zu den Leuten als vorher. Viel mehr Gespräche und nicht nur nach dem Konzert „War cool“, was immer kommt. Das hilft einem ja nicht großartig weiter. Was cooler ist, wenn jemand sagt: „Ich hab das die ganze Zeit über verfolgt und ich hab jetzt nochmal folgende Nachfrage dazu.“ Das ist ein Gespräch über das ich mich einfach mega freue. Und das passiert ganz oft. Oder dass die Leute sagen, dass sie jetzt mehr Bewusstsein dafür haben, was der Unterschied zwischen dem CD kaufen bei mir nach dem Konzert oder dem Bestellen auf Amazon ist. Also was für Rattenschwänze das hat. Ich will niemanden verbieten, Sachen auf Amazon zu kaufen – weil ich das auch mache und das äußerst bequem finde – aber so ein Bewusstsein zu schärfen, was man damit halt auch tut.

Glaubt ihr, dass ihr in der Hinsicht sowas wie Vorreiter seid und andere Bands das auch übernehmen?

Ich hoffe es!

Aber in der Richtung ist noch nichts passiert?

Nee. Ich glaube, dass das schon eine Bewegung ist, die ganz viel Kraft hat und lange dauern wird. Wir sind ja heute auch an einem Ort, der das zeigt. Sowas wie Bedroomdisco-Konzerte, ein Off-Space, privates Engagement, plus einen Eintritt quasi Pay-What-You-Want und man kommt zusammen wegen der Musik, ist ja auch genau das was ich eigentlich mit der Band in einem anderen Bereich mache. Das sowas Erfolg hat und sich eine Bewegung etabliert hat von Konzerten solcher Art, spricht dafür, dass es mehr gibt als Arena und fiese Ticketpreise und fiese Ticketgebühren und dass das hier genauso wertvoll ist. Dass sich der Wert von Musik nicht über den Preis misst oder den Erfolg, den ein Produkt hat.

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Ihr seid ja auch Teil eures Labels Analogsoul. Dadurch überschneiden sich ja quasi die Bereiche Band und Label. Macht das die Arbeit auf der einen oder anderen Seite schwieriger oder einfacher?

Das hat ganz klare Vorteile, die heißen Kontrolle, kurze Wege, flache Hierarchie, niemanden fragen müssen, selbst sein Projekt durchführen können und die Möglichkeiten dafür zu haben innerhalb einer erweiterten Familie zu arbeiten und überall Experten sitzen zu haben, die man lange kennt und die man schätzt. Hat aber natürlich ganz klar den Nachteil, dass man extrem viel Arbeit hat. Das ist aber glaube ich das Problem eines jeden Selbstständigen. Das nimmt man aber gerne in Kauf, weil man weiß, ich arbeite den Euro, den ich gerade erwirtschaftet habe, niemand anderen in die Tasche außer mir. Ich weiß genau, was ich dafür gemacht habe und wie viel Schweiß und Tränen da drin stecken. Das macht halt diesen Euro wertvoller.

Aber habt ihr nicht die Befürchtung, dass ihr euch auf dem Label selbst bevorzugt behandelt?

Nein. Analogsoul darf man nicht als klassisches Label sehen. Analogsoul ist sowas wie eine Plattform für einen Kreis von Leuten, die es möglich macht, dort selbst Projekte zu verwirklichen. Und wenn eine andere Band auf dem Label sagt, sie möchten jetzt eine Veröffentlichung machen, dann sind die auch ihre eigenen Projektleiter und führen das komplett durch. Analogsoul bietet quasi die Tools, das möglich zu machen. Die greifen auf meine Resourcen zu, wenn sie das möchten. Oder auf die von anderen Leuten im Netzwerk. Und so entsteht gar nicht die Situation, dass sich jemand um etwas mehr kümmert. Natürlich kümmere ich mich um mein Projekt, aber ich buche auch Konzerte für andere Leute, die mich halt gefragt haben und deren Schaffen ich für herausragend halte. Das sind klar abgesteckte Bereiche und auch getrennt. Klar schallte ich mehrmals am Tag den Schalter um und begebe mich in eine neue Rolle hinein. Mal bin ich der Booker von einer Band, dann zwei Stunden später bin ich der Veranstalter eines Konzerts oder fahr abends zum Konzert und steh selbst auf der Bühne. Aber ich leite kein Label, sondern arbeite mit vielen Leuten in einem Netzwerk zusammen, in dem ganz viele unterschiedliche Projekte realisiert werden.

Ich bin ja schon gespannt auf den Film, den ihr mitgebracht habt. An dem habt ihr ja auch selbst mitgearbeitet und im Prinzip erzählt er ja auch von eurer eigenen Situation als Musiker. Habt ihr dadurch vielleicht auch selbst eine andere Sicht auf die Dinge bekommen?

Ja, weil man im Alltag nie dazu kommt, das großartig zu hinterfragen was man macht. Der Film war dann so ein Anstoß, dass Fragen gestellt wurden, die ich mir schon lange nicht mehr gestellt habe. Dann schaut man natürlich von außen auf sich selbst drauf und guckt auch ganz genau, was man da so macht. Klar, erschrickt man sich auch mal oder freut sich über was anderes. Als wir den Film dann gesehen haben, dachten wir schon so: Krass! Das ist ein wichtiger Aspekt und der kommt in unserem Alltag gar nicht wirklich vor und der Film hat das hervorgebracht. Sich Gedanken zu machen über Geld, Krankenversicherung bezahlen, Miete bezahlen, was ist in fünf Jahren…all solche Fragen. Wenn es gut läuft und alles cool ist, stellt man sich solche Fragen auch gar nicht.

Habt ihr daraus auch Konsequenzen gezogen?

Nee, keine massiven Konsequenzen. Weil – auch das erzählt der Film dann relativ deutlich – keiner auch nur im Entferntesten auf die Idee kommen würde, etwas grundlegend an seiner Situation zu ändern. Also einen Büroberuf zu ergreifen oder sich anstellen zu lassen oder sowas. Aber was so in den letzten Jahren passiert ist, weil mit Anfang 20 fährst du ja nur durch. Wenn man dann 30 wird, kommt man schon so an den Punkt (und das war auch zum Zeitpunkt vom Film), dass man sich Gedanken macht: Was will ich in zehn Jahren machen? Wie bau ich meine Strukturen auf, dass ich in 20 Jahren noch Musik veröffentlichen kann, wenn ich das möchte. Und wir alle glauben, dass wir das dann noch möchten.

Eure Musik ist schwer zu beschreiben, irgendwie arg anders – zumindest finde ich das. War das von Anfang an so geplant, dass ihr etwas ganz Anderes machen wolltet, das nicht total mainstream ist? Oder ist das einfach so passiert?

Die Musik entsteht aus der Konstellation der beteiligten Personen auf einen ganz natürlichen Weg. Weil da jeder so sein Ding mitreinbringt und da ensteht halt was. Das wird auch nicht großartig vorher diskutiert, weil so Sachen wie Genre natürlich unausgesprochen klar sind und man ja auch weiß, was der andere macht. Und es ist auch unausgesprochen klar, dass wir jetzt nicht die mega Popproduktion durchfahren, auch wenn wir das vielleicht könnten. Das Projekt ist nicht dafür da, sondern das ist tatsächlich ein krasses Herzblutding von allen, die heute Abend auf der Bühne stehen. Auch vom Team drum rum. Techniker, visuelle Umsetzung, Konzepter, Projektleiter, alle möglichen Leute, die daran beteiligt sind. Und das ist exakt die Musik die wir machen wollen ohne uns darüber Gedanken gemacht zu haben. Und dann kommen halt die Einflüsse aus Electronica, weil man das auch privat konsumiert. Oder dann bringt der eine ne HipHop-Sozialisation aus seiner Jugend mit. Und Friedemann hört halt bestimmte Schlagzeuger am liebsten spielen und dann kommt halt das bei raus.

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Cosby und der Interview Fail

Ich bin ein recht ehrlicher Mensch. Dass das teilweise schon peinlich oder nicht ganz so schlau war, kann man sich denken. Aber ich steh dazu und finde es einfach wichtig Klartext zu sprechen. Auch hier auf dem Blog bin ich immer ehrlich. Egal ob mir ein Konzert verdammt gut gefallen hat oder ich der Meinung bin, dass die Band ihren Auftritt total verkackt hat. Dass ich damit nicht nur Lorbeeren ernte ist klar. Zuletzt hab ich beim Bericht zum Stadtschall Festival meinen Gedanken so richtig freien Lauf gelassen und eben auch den ein oder anderen bösen Satz fallen lassen. Die Reaktionen dazu waren gemischt – es gab gute und lobende aber auch ein paar kritische bis Zähne fletschende Nachrichten erreichten mich. Egal. Da muss man drüber hinweg sehen. Und ich werde es wieder tun. Ich nehm schon mal Anlauf…

Vor gut zwei Monaten bekam ich eine Email von Wilde + Schneider, einer PR-Agentur aus München. Die sind unter anderem für Dagobert, Bilderbuch, Deichkind und Jesper Munk tätig. Die Liste ist lang und liest sich ausgesprochen gut. Auf jeden Fall sind sie über mein Interview, das ich mit Impala Ray geführt habe, auf mich aufmerksam geworden. Das hat mich mega gefreut! Man wird wahrgenommen. Von einer PR-Agentur! Wahnsinn! Also erst mal große Begeisterung und ein kleiner Freudentanz meinerseits. Vor allem da ich zugeben muss, dass besagtes Interview nicht gerade mein bestes war. Ich hatte mich kaum darauf vorbereitet. Tüdelü.

Trotzdem: die fragten mich tatsächlich, ob ich nicht Lust hätte Cosby zu interviewen. Was für eine Frage! Natürlich! Beim Stereowald Festival war ich doch so mega begeistert gewesen von dieser Band. Da Cosby aus München sind, Augsburg praktisch ums Eck liegt und ich eh ab und zu drüben bin, haben wir vereinbart, dass wir das Interview bei einem Treffen machen. Das ist mir einfach lieber und finde ich auch schöner als per Mail oder Telefon. Ich bekam jede Menge Infos zur Band zugeschickt und das Album sollte ich auch bald bekommen. Noch vorm offiziellen Releaseday am 28. August!

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Als Interviewtermin war der 6. September angedacht, da ich an dem Tag sowieso in München sein würde. Doch dann war erst mal eine Woche lang Funkstille, obwohl ich bis dahin weder wusste wann, wie und wo, noch ob es sicher klappt. Als dann klar war, dass ich doch nicht wie geplant am 6. September in München sein würde, wollte ich das Interview verschieben. Kein Problem. Mein Vorschlag, es Ende Oktober zu machen, wenn ich wieder mal in München sein würde, war denen dann allerdings zu spät, um das neue Album zu promoten. Ich sollte einfach einen Termin vorschlagen, der mir passt. Okay. Da ich damals eh gerade eine Woche Urlaub hatte und nicht viel geplant hatte, beschloss ich, dass ich doch auch mal nur so wegen dem Interview nach München fahren könnte. Ich hab denen tatsächlich drei Termine vorgeschlagen und zugesichert, dass ich es (dank jeder Menge Zeit) sogar die Woche drauf schon online stellen könnte. Das Album war mittlerweile erschienen, nur bei mir war noch keins angekommen.

Die von mir vorgeschlagenen Termine verstrichen und ich hab ganze zwei Wochen lang nichts von der PR-Agentur gehört. Mir ist es eh ein Rätsel, warum sie nicht direkt den Kontakt zu Cosby hergestellt haben. Wäre wahrscheinlich um einiges einfacher gewesen. Also hab mal wieder ich die Initiative ergriffen und einen neuen Termin vorgeschlagen. Am 18. September hätte ich abends in München vorbeischauen können. Da hatte dann aber Marie keine Zeit. Weil sie aber der Kopf der Band ist, hätte ich sie schon gerne dabei gehabt. Wie sah es mit der Woche drauf aus? Da sind die vier leider gaaanz arg busy, eine Woche lang unterwegs und haben gar keine Zeit. Puh…Am 26. September hab ich dann nochmal eine Email geschrieben, nachgefragt, ob die Band nicht mal in der Nähe von Augsburg unterwegs sind und dann sogar eingewilligt, das Interview doch per Email zu machen. Damit es halt endlich mal was wird.

Seitdem hab ich nichts mehr von denen gehört. Weder von Cosby noch von Wilde + Schneider. Auf eine Antwort warte ich jetzt schon seit drei Wochen. Das Interview liegt hier vorbereitet rum und wird wahrscheinlich nie mehr gebraucht. Wobei ich das noch nicht mal wirklich schlimm finde. Am meisten ärgert mich, dass die auf mich zugekommen sind, ich ihnen aber zum Schluss nur noch hinterhergelaufen bin. Und das auch noch ohne Ergebnis. Keine Ahnung, ob die doch keinen Bock mehr drauf hatten oder einfach zu schusselig sind und das Ganze verplant haben. Keine Ahnung, ob es an der PR-Agentur oder an Cosby lag. Wobei ich zugeben muss, dass mir die Band mittlerweile recht unsympathisch geworden ist. Die wirken mir doch schon etwas abgehoben, dafür dass sie halt noch ziemlich klein und unbekannt sind. Übrigens ist das nicht nur mein Eindruck. Eine Bloggerkollegin hatte das Glück mal ein Interview mit den vier führen zu dürfen und hat sogar noch mal eine Mail geschrieben, als es online ging. Ein Danke hat sie dafür nie bekommen.

Fazit: Über zwei Monate hinweg hab ich viele, viele Emails geschrieben und viele, viele Termine vorgeschlagen. Doch anscheinend war nie einer gut genug. Wenn ich überhaupt mal eine Antwort bekam. Na danke fürs Gespräch!