Florence + The Machine – Lover To Lover

Ich hab eine kleine Krise. Mal wieder. Meine Motivation, was mein eigenes musikalisches Schaffen anbelangt, ist zur Zeit nicht so wie ich sie gerne hätte.

Gesangs- und Klavierunterricht und vor allem der Chor machen mir nach wie vor sehr viel Spaß. Ich geh gern hin. Aber irgendwas hängt. Es ist gut und es ist schön, aber in mir steckt momentan keine treibende Kraft, die noch mehr will. Die wissbegierig und neugierig wäre. Manchmal frage ich mich schon, wofür ich das eigentlich mache. Warum nehme ich Musikunterricht und verbringe so viel Zeit damit zu üben? Sollte der Sinn und Zweck dahinter und vor allem mein innigster Wunsch nicht sein, möglichst bald auf Bühnen zu stehen und meine eigenen Songs zu präsentieren? Ja, vielleicht. Auch meine Lehrer pushen mich dahingehend. Mein Klavierlehrer fragt mich jede Woche, wie es um meine eigenen Songs steht und ob wir nicht mal wieder an einem arbeiten sollen. Ich antworte meistens ausweichend, denn ehrlich gesagt, hab ich schon lange keine Songs mehr geschrieben. Zum letzten Mal für die Open Stage Night in der Modular Festival Zentrale, aber das war mehr so notgedrungen. Auch davor hatte ich schon länger keine Lust mehr dazu. Es ist nicht so, dass mir die Ideen fehlen würden. Davon hätte ich genug. Aber mir gefällt schlichtweg nicht, was ich schreibe. Das ist traurig. Und mich macht das echt fertig. Warum kann ich keine Songs schreiben, die mir gefallen? Das ist so paradox!

Aber vielleicht muss ich auch gar nicht. Keiner sagt, dass ich mich dazu zwingen muss. Vielleicht tauge ich viel besser dazu, Songs für andere Musiker zu schreiben. Oder ich mach einfach nur Musik für mich selbst. Ohne auf der Bühne zu stehen. Das macht auch Spaß und bringt mich genauso voran.

Ich hab die letzten Tage viel darüber nachgedacht. Denn am Samstag veranstaltet meine Gesangslehrerin ein kleines Schülerkonzert unter dem Motto „Who You Are“. Ich wollte dort unbedingt Lover To Lover von Florence + The Machine singen. Das Lied haben wir schon vor einer Ewigkeit angefangen, aber es war zu schwer für mich. An einer bestimmten Stelle (diesem verdammten „believe“) ist mir immer die Stimme weggebrochen. Also haben wir den Song beiseite gelegt und uns mit anderen Stücken beschäftigt. Doch die wunderbare Doro hat wahnsinnig gute Arbeit geleistet und mich und mein Stimmchen mit allen möglichen Tricks gestärkt. Als wir nach Monaten mal wieder Lover To Lover probiert haben – hat’s plötzlich funktioniert. Ich finde den Song mega cool. Schon vor Jahren, als ich das Album zum ersten Mal gehört hab, hab ich mir vorgestellt, den eines Tages zu singen. Doch als ich mir vorgestern die Aufnahme von unserer Probe angehört habe, wäre ich am liebsten im Erdboden versunken. Die Töne sitzen, ja. Aber sie wakeln, rutschen und sind viel zu dünn. Einfach ausgedrückt: es klingt scheiße. Mir war die Lust total vergangen und mit der festen Überzeugung, dass ich so nicht auf die Bühne gehen und diesen Song singen werde, haben wir gestern beschlossen, dass ich lieber noch ein Weilchen weiter übe. Und wenn es dann ganz sicher sitzt, ja, dann geh ich damit auf die Bühne. Stattdessen singe ich jetzt Brandy Alexander von Feist. Das haben wir schon vor über einem Jahr gemacht. Das ist zwar eine üble Schnulzennummer, was mir eher weniger recht ist, aber das kann ich wenigstens.

Und dann…dann schauen wir mal weiter. Wie gesagt, ich hab viel darüber nachgedacht. Über mich und die Musik. Und vor allem diese Bühnen! Dabei ist mir auch wieder eingefallen, was Thees Uhlmann damals bei seiner Lesung zu Sophia, der Tod und ich über seine Lektorin gesagt hat. Sie sei fantastisch, eine der Besten und würde grandiose Arbeit leisten. Viele fragten deswegen, warum sie dann nicht einfach mal selbst ein Buch schreiben würde. Thees erklärte das so: Es gibt eben Leute, die spielen lieber im Hintergrund mit. So wie die Bassisten in einer Band. Die stehen irgendwo links oder rechts am Rand, machen lässig und eher unbeachtet ihr Ding und schauen dabei zu, wie der (oder die) am Mikro schwitzt, rumhampelt und sich die Seele aus dem Leib singt. Aber ohne Bassist geht’s halt auch nicht. Der Vergleich gefiel mir und blieb mir im Kopf. Vielleicht bin ich ja genau so jemand. Vielleicht bin auch ich Bassist bzw. Lektorin. Ich muss da nicht rauf auf diese Bühnen und im Rampenlicht stehen. Schon die Tage vor einem solchen Konzert (und wir reden hier von pupskleinen Konzerten, zu denen eh nur Eltern, Freunde und die Oma kommen) sind für mich nicht schön. Ich fühl mich komplett aus der Bahn geworfen und bin schon vier Tage vorher daueraufgeregt. Schon komisch. Ich rock jede Prüfung, geh gern zum Zahnarzt und fahr mit jeder noch so krassen Achterbahn ohne mit der Wimper zu zucken. Und vor einem Konzert sterbe ich fast. Ich zieh einen Schlussstrich: vorerst keine Bühnen mehr. Nach Samstag. Dieses eine Mal schaff ich auch noch.

Florence + the Machine – Ceremonials

Die englische Band besteht aus der Sängerin Florence Welch und den Musikern, die sie jeweils begleiten (The Machine). Vor kurzem habe ich mir deren aktuelles Album „Ceremonials“ gekauft. Eine recht interessante Platte, die irgendwo zwischen Indie, Rock, Pop, Folk und Soul schwebt. Fast alle Songs sind um die fünf Minuten lang und voller Streicher, Trommeln, Harfengezupfe und Florence dramatischem Gesang. All das macht aber die Lieder nicht schlecht, sondern verdeutlicht nur den ganz eigenen Stil der Band. Manche Songs handeln von Kindheitserinnerungen. Oft spielt auch das Wasser eine große Rolle, so wie in diesem Lied. Es handelt vom Ertrinken, wobei Florence jedoch nicht von der Angst sondern der Verlockung singt. Meine persönlichen Lieblingslieder des Albums sind „Only If For A Night“ und „All This And Heaven To“. Und nicht zu vergessen das etwas munterere  „Lover To Lover“.