Play Me, I’m Yours in Augsburg

Jahrelang hab ich sehnsuchtsvoll nach München geschielt, wo jedes Jahr im Herbst die Aktion Play Me, I’m Yours stattfindet. Nun hat Augsburg dieses Frühjahr endlich seine eigenen Straßenklaviere bekommen. Zwanzig Tage lang standen zehn von Künstlern gestaltete Klaviere an öffentlichen Orten und luden zum Spielen ein. Ich war so begeistert, dass ich schon lange vorher Pläne für eine Tour, bei der ich auf jedem einzelnen Klavier spielen wollte, schmiedete. Ich war sogar so verrückt ein eigenes, kleines Stück – inspieriert von Giant Rooks‘ Chapels – nur für diesen Zweck zu komponieren.

Play Me, I'm Yours - Augsburg - Musik - Klavier - Princess Pietsch

Nachdem ich dann wochenlang um die Klaviere rumgeschlichen bin, war es letzten Donnerstag so weit. Ein paar Tage vor Ende der Aktion startete ich mit Kamera im Gepäck und F. als Fotografen an der Hand zu meiner ganz persönlichen Play Me, I’m Yours Tour. Da wir beide später noch andere Termine hatten, machten wir uns schon um kurz nach 10 Uhr auf den Weg. Da sollten die Klaviere, die alle von Paten betreut werden, schon offen sein. Doch bereits beim ersten Stopp am Rathausplatz standen wir vor einem verschlossenen Piano. Auch am Martin-Luther-Platz und am Kö hatten wir kein Glück. Erst beim Herkulesbrunnen in der Maxstraße. Kurz nach uns kam auch Cheechau, der sich dort um das Klangklavier kümmert, an, deckte es ab, brachte die über Nacht abgefallenen Trichter wieder an und legte Flyer aus. Jetzt konnte es losgehen! Gott sei Dank (weil Christi Himmelfahrt sogar buchstäblich) war Feiertag und deswegen noch kaum Leute unterwegs. So konnte ich ziemlich befreit mein Stück spielen. Denn ganz ehrlich: auf einem rappelvollen Rathausplatz hätte ich mich wohl eher nicht ans Klavier gesetzt.

Play Me, I'm Yours - Augsburg - Musik - Klavier - Princess Pietsch

Anschließend machten wir einen kleinen Abstecher über den Holbeinplatz zum Flower Power Klavier und dann nochmal die selbe Runde wie zuvor. Mittlerweile waren ein paar offen. Andere, die unverschlossen waren, öffneten wir einfach selbst. Denn auch das ist Play Me, I’m Yours: einfach die Initiative ergreifen.

Beim Augsburg Klavier am Martin-Luther-Platz, das von David Rother mit bekannten Augsburger Menschen bemalt wurde, brach mir zum ersten Mal mein Klavierliebhaberherz. Das Instrument war eigentlich kaum mehr bespielbar. Die vordere Abdeckung war locker und jede zweite Taste blieb beim Spielen hängen. Da macht das Musizieren keinen Spaß mehr. Kommt ja kaum mehr ein Ton raus. Auch der Mann, der nach mir am Klavier Platz nahm, schaute nach ein paar Anschlägen ziemlich enttäuscht. Liebe Leute, warum muss man denn so damit umgehen? Nur weil es zur öffentlichen Verfügung steht, heißt das nicht, dass jeder damit machen darf, was er will. Klar, das waren alles gebrauchte Instrumente (bei niegelnagelneuen Teilen, wäre die Ökotante in mir wahrscheinlich vom Glauben abgefallen), aber ein solcher Zustand kommt nicht von Wind und Wetter allein. Bedauerlicherweise war dieses Klavier kein Einzelfall.

Play Me, I'm Yours - Augsburg - Musik - Klavier - Princess Pietsch

Weil Feiertag war, konnten wir leider nicht jedes Instrument besuchen. An das in der City Galerie kamen wir nämlich nicht ran. Zu denen in Hochzoll und im Spickel war mir dann auch der Weg zu weit. Immerhin war das Tourneeklavier nach einigen Umzügen mit seinem neuen Standort am Theodor-Heuss-Platz in fußläufige Nähe gelangt. Nach einer kleinen Mittagspause ging es am frühen Nachmittag weiter zum sechsten und letzten Klavier auf unserer Tour: Unsere Zeit läuft ab vor der Bibliothek auf dem Unigelände – für mich eins der schönsten Klaviere. Deswegen wollte ich da auch unbedingt noch hin. Dort haben wir dann ganz interessante Herren getroffen, die uns ziemlich an der Nase rumgeführt haben. Zuerst taten sie so, als hätten sie keine Ahnung vom Klavierspielen. Doch nach meiner kümmerlichen Darbietung setzte sich einer von ihnen selbst ans Instrument und haute mal eben ein ziemlich fetziges Stück raus, dass ich nur noch sprachlos daneben stand.

Play Me, I'm Yours - Augsburg - Musik - Klavier - Princess Pietsch

Aber auch das ist Play Me, I’m Yours: Durch diese zauberhafte Aktion begegnet man Menschen. Zu oft hetzen wir durch die Innenstadt. Nach Feierabend schnell noch ein paar Besorgungen erledigen und dann ab nach Hause. Doch die letzten Wochen schien dieses Phänomen einem anderem gewichen zu sein. Plötzlich blieben die Menschen stehen, verweilten und hörten zu. Ich wohne mitten in der Innenstadt und bin dadurch täglich an mindestens einem Straßenklavier vorbeigekommen. Die Instrumente waren so gut wie durchgehend bespielt, überall erklang Musik in den Straßen. Kinder, junge und alte Menschen, Profis und Anfänger wagten sich an die Pianos. Manche spielten allein, andere zusammen mit einer Geige oder einer Klarinette. Das Schönste war jedoch, dass die Leute die Aktion wirklich genossen. Immer wieder muss ich an die Situation denken, als ich einmal spät abends am Holbeinplatz vorbeikam und dieser mit zig Leuten bevölkert war, die alle dem Pianisten lauschten. So weit ich das mitbekommen hab, war das weder ein angekündigtes Konzert, noch ein Profi am Werk. Aber als er fertig war, applaudierte sein Publikum begeistert, während er freudestrahlend und mit roten Backen das Podest verließ.

Play Me, I'm Yours - Augsburg - Musik - Klavier - Princess Pietsch

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Lieblingssong: Hannah And The Neighbours – Home

Wer Musiker, jung und neu im Business ist, der strebt gern nach Höherem. Klar. Bekanntheit, Groopies, der fette Plattendeal. Als ein vermeintliches Sprungbrett dafür kann dann schon mal der ein oder andere Wettbewerb auserkoren werden. Dass das aber wirklich so aufgeht, klappt vielleicht bei…0,1 Prozent? Darum und wegen Peinlichkeiten wie DSDS hab ich solche Aktionen immer eher belächelt. Nicht weil ich die Teilnehmer lächerlich finde, sondern eher weil die Prozedur an sich kaum Nutzen bringt. Meine Devise lautet: Wer es nicht ohne schafft, wird es auch mit einem Wettbewerb nicht weit bringen.

So finde ich auch den Augsburger Bandwettbewerb Band des Jahres semi gewinnbringend für die Teilnehmer. Man bekommt Bühnenerfahrung und kann austesten, wie die eigene Musik beim Publikum ankommt. Gut. Aber sonst…Außer den Killerpilzen ist damit eigentlich noch niemandem der Durchbruch gelungen. Allein der Slogan „Deutschlands ältester Bandwettbewerb“ wirkt so eingestaubt wie langweilig. Für mich hat der Wettbewerb nur den einen Nutzen: dass ich neue Bands entdecken kann.

In den letzten Jahren hab ich also Band des Jahres immer weniger verfolgt. Haben doch meine Favoriten eh nie gewonnen. Ob das jetzt von meinem besonders guten oder besonders schlechten Geschmack zeugt, sei mal dahingestellt. Auch dieses Jahr haben es meine Lieblinge zwar ins Finale jedoch nicht aufs Treppchen geschafft. Und ich hab das überhaupt nicht verstanden. Bis ich dieses Video von Hannah And The Neighbours, der diesjährigen Gewinnerin, gesehen hab und vollkommen baff war. Wie eine zweite Adele. Nur tausendmal authentischer. Also diesmal verdientermaßen gewonnen. Und ich drücke ihr die Daumen, dass sie der Preis auch weiterbringt. Jetzt muss ich sie nur noch irgendwann mal live sehen. Geschwärmt wird ja viel von ihrer Band, die sich so erst wenige Wochen vorm Finale spontan und durch Zufall geformt hat. Über ihre Cellistin ist Hannah angeblich auf dem Augsburger Rathausplatz gestolpert. Wortwörtlich.

Foto: Nessa Ina Photographie

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Myousic #7 – David

In der Rubrik Myousic stell ich euch ja immer Menschen vor, die auf irgendeine Art und Weise mit Musik zu tun haben, aber eher im Hintergrund agieren und nicht unbedingt selbst Musiker sind. Myousic hat ein paar Monate Pause gemacht, aber jetzt geht’s wieder los – sogar mit einem kleinen Special! Es geht nämlich um jemanden, der nicht nur hinter seiner eigenen Musik und der von ein paar anderen Leuten steckt, sondern auch hinter meiner. Heute möchte ich euch David, meinen Klavierlehrer, vorstellen!

Als vor gut einem Jahr mein früherer Lehrer aufgehört hat, kam David ans downtown und hat seine Schüler übernommen. Seitdem hat er mich an der Backe. Und erträgt meine ehrlichen Meinungen („Das klingt als könnte es ein Jingle für die ARD sein“) und all meine Launen („Ich will jetzt aber mal was fröhliches spielen!“). Letzteres hat ihn dann sogar dazu gebracht, ein paar Stücke zu schreiben, die fröhlich sind und bei denen ich trotzdem was lerne. Weil mir alles andere von Bach usw. nicht gefallen hat. Ich sag’s ja immer wieder: am downtown unterrichten keine Lehrer, sondern Menschen mit Leidenschaft!

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David Kremer, 33 Jahre alt

Welcher ist dein aktueller Lieblingssong?
Ich hör eigentlich grad gar keine Musik. Nicht freiwillig. Ich wohne mit zwei DJs zusammen und immer wenn ich am Klavier sitze, kommt auch Musik raus. Das reicht. Ich bin ganz froh, wenn es mal still ist. Das letzte Lieblingslied, was mir einfällt, ist Halftime von Nas. Das ist jetzt aber eher so HipHop-Shit.

Hast du einen universellen Tipp fürs Klavierüben?
Der interviewgenste Tipp, den ich geben kann – also interviewgen ist ein Neologismus. Das ist wie „fotogen“ nur eben für Interviews – Also der interviewgenste Tipp ist folgender: Wenn man einen Fehler spielt, sollte man nicht erschrecken, sondern den Fehler so oft spielen, bis er einem gefällt. Und der bisschen langweiligere Tipp ist natürlich: jeden Tag acht Stunden üben! ;)

Was war der schönste Flügel oder das schönste Klavier, auf dem du bisher spielen durftest?
Der Steinway von meinem alten Klavierlehrer. Perlig, fluffig, wunderschön. Die Yuki hat auch ein schönes Klavier – Steinweg, blau lakiert! Und ne B3 Hammond Orgel hab ich mal gespielt. Das hat auch sehr viel Spaß gemacht. Und der Badan hat so ein ganz kleines Plastikkeyboard, das hat nur zehn Tasten, aber die sind bunt! Keine schwarzen Tasten, man kann also nur C-Dur spielen oder D-Moll.

The Lumineers – Ophelia

So gern ich auf Konzerte gehe und anschließend darüber schreibe, so sehr genieße ich es gerade, dass die nächsten zwei Wochen einfach mal überhaupt keine Konzerte anstehen. In Augsburg passiert momentan wenig, was für mich von Interesse wäre. Das Gute daran: ich kann mal wieder haufenweise Lieblingssongs auspacken und dann hab ich auch noch vor ein kleines Projekt wieder aufleben zu lassen. Außerdem bin ich gerade dabei eine Reise nach Schweden zu planen. Scheiße, ist das viel zu organisieren. Da ich dann mehrere Wochen unterwegs sein werde, bin ich gerade auf der Suche nach Gastbloggern, die während meiner Abwesenheit den Blog am Leben erhalten möchten. Freiwillige vor?

Und jetzt zu meinem aktuellen Lieblingssong: Ophelia von The Lumineers. Einmal im Radio gehört und sofort verliebt. Das Klavier, der folkige Sound, die stampfenden Füße…Und das aller Beste: wie krass seine Stimme über das Wort „Paycheck“ in der dritten Strophe schrammelt. Wie das kratzt! Wobei das manche vielleicht auch ganz schön stören könnte, aber ich find’s genial.

Zur Zeit spiele ich ja – ganz untypisch für mich – am liebsten klassische Stücke am Klavier. Warum auch immer. Aber Popsongs haben mich einfach nicht mehr gereizt. Bis ich eben diesen Song gehört hab. Ich wollte ihn spielen, vor allem das kleine Solo, das z. B. nach dem ersten Refrain kommt. Und ich wollte ihn singen! Während das Spielen ruckzuck geklappt hat, war das schon eher ein Problem. Zumindest in der Originaltonart. Singe ich es auf der Tonhöhe von Frontmann Wesley Schultz ist es ganz schön tief. Aber ich treff die Töne noch! Eine Oktave höher ist es krass hoch. Aber auch da treff ich noch jeden Ton! Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie stolz ich darauf bin. Gut, schön hört sich weder das eine noch das andere an, aber ich kann es wenigstens! Das war ja nicht immer so. Im Prinzip könnte ich das Problem ganz einfach dadurch lösen, dass ich es in eine andere Tonart transponier. Aber da bin ich zu faul zu. Also müssen meine Nachbarn eben mit abwechselndem Gebrummel und Gefiepe leben.

A Tale Of Golden Keys – Three Weeks

Ach, bin ich froh, wenn der ganze Faschingtrubel wieder vorbei ist. Die billigen Kostüme, die rotzbesoffenen Leute und am aller schlimmsten: die schrecklichen Schlager. Zum Glück gibt es auch noch andere Musik. Niveauvollere. Eine die viel reduzierter ist und trotzdem in Tausend Farben schillert.

A Tale Of Golden Keys, die drei Jungs aus Nürnberg, haben vor ein paar Tagen das Video zu Three Weeks veröffentlicht. Zufälligerweise mein Lieblingssong von ihrem Debüt-Album Everything Went Down As Planned. Auch diesmal muss leider Gottes wieder ein Klavier dran glauben. Zwar wird es nicht wie bei All Of This im Pool versenkt, dafür aber in den Wald verschleppt und dort angezündet. Vielleicht sollten die drei mal über eine Zweitkarriere als Krimiautoren nachdenken…Mir tut das Klavier ja mal wieder schrecklich leid, aber das Lied ist so toll…Der Text ist wunderschön. Hört mal zu. Er passt so unglaublich perfekt auf die Melodie und zu den Klängen der Instrumente, die ihn begleiten. So was findet man selten. Ton für Ton schleicht sich dieser Song in dein Herz und lässt dich endlich erkennen: Ja, das muss so. Es ist die Wahrheit, auch wenn ich es nicht hören will.

Jetzt wurde die Band letzte Woche auch noch fürs Modular Festival bestätigt. Da kommen diesmal wieder reihenweise gute Bands und A Tale Of Golden Keys kann ich konzertmäßig wirklich nur empfehlen.

Foto: Tobias Schrenk

Album: Mika – No Place In Heaven

Mika – den würde ich ja gern mal wieder live sehen. Das letzte Mal ist viel zu lange her, hat aber tierisch Spaß gemacht. Das war noch ganz am Anfang dieses kleinen Blogs. Mittlerweile hat Mika schon längst ein weiteres Album draußen, über das ich eigentlich mal was schreiben wollte, aber nie dazu gekommen bin. Denn ganz ehrlich: Albumrezensionen gehören nicht zu meinen Favoriten.

Trotzdem: Mika gehört immer noch zu meinen Lieblingsmusikern. Nicht umsonst ziert ein We Are Golden meinen linken Oberarm. Jedes Album hab ich Zuhause. Und dennoch – es ist so peinlich: Den Release von No Place In Heaven hab ich um mehrere Wochen verpasst, weil ich es irgendwie nicht mitbekommen hab. Ich glaube, auf Facebook hab ich es einfach übersehen.

Aber es ist sooo gut. Mika kann das einfach perfekt und hat auch hier wieder das Unglaubliche geschafft: anstatt Songs irgendwo im Zwischendrin zu schreiben, zaubert er Lieder, die dir entweder das Herz um Tonnen schwerer machen oder deinem Gemüt eine bisher unbekannte Leichtigkeit verschaffen. Mit dem einen Song macht er dich todtraurig und beim nächsten tanzt du schon wieder Pirouetten drehend durchs Zimmer. Rio ist z. B. einer dieser Motivationskatalysatoren. Da möchte ich immer auf der Stelle meine Koffer packen und wegfahren. Und die Geschichte hinter Talk About You kennt wahrscheinlich jeder: man verliebt sich und ohne es zu merken redet man fast pausenlos über diese eine Person. Mein Favorit unter den Happy Songs ist jedoch Oh Girl You’re The Devil. Den würde ich gern mal mit unserem Chor singen. Der Song macht einfach gute Laune. Leider haben wir niemanden, der die tiefe Stimme singen kann. Schade.

Richtig schlimm finde ich allerdings das Lied No Place In Heaven. In dem Sinne, dass es vom Text her echt heftig ist. Dazu muss man vielleicht wissen, dass Mika schwul ist (und die katholische Kirche ja sowas absolut nicht billigt). Dann sieht man Zeilen wie „For every love I had to hide“ oder „Do you think that you could learn to love me anyway?“ und natürlich ganz besonders „There’s no place in heaven for someone like me“ in ganz anderem Licht. Und wenn er dann singt: „Father, if there’s a heaven let me in. I don’t know where to go if I should die“ kommen einem schon fast die Tränen.

Allgemein scheint Mika mit seinem nun vierten Album einige Dinge aufzuarbeiten und den Leuten zu sagen, was ihm nicht passt. Da macht er selbst bei seiner Mutter keine Ausnahme, was bei All She Wants ziemlich deutlich wird („But it’s oh so complicated
if your mother is like mine“). Ich finde sowas einfach grandios. Immer raus mit der Wahrheit!

Was ich an Mikas Songs auch immer wieder aufs Neue wunderschön finde, ist der mehrstimmige Gesang; z. B. bei Good Guys, wo ich ausnahmsweise sogar mal einen Remix schöner finde als das Original (der Night Time Mix – wunderbar!). Ansonsten lässt sich damit auch sehr gut eine traurige Stimmung erzeugen. Minimalistischer Sound – da reicht schon ein einfaches Klavier – Mikas Stimme, die so unfassbar locker von äußerst tief bis unglaublich hoch spaziert, und noch ein mehrstimmiger Frauenchor im Hintergrund. Das hat schon auf seinem ersten Album mit Happy Ending gut funktioniert und wird bei No Place In Heaven mit Hurts gleich wiederholt. Das hat jedes Mal wieder das Potential zu Tränen zu rühren.

Ach Mika. Der Mann mit den Wuschellocken. Mit den verrücktesten Outfits (take a look!). Mit den Gute-Laune-Songs. Und denen zum Heulen. Der immer für alles die passenden Worte findet. Mein Lieblingsmusiker.

Konzert: Martin Kohlstedt – 09.12.2015 – Bedroomdisco

Mein Bericht zur Bedroomdisco hat diesmal etwas Verspätung. I know. Der Grund dafür ist, dass ich einen Artikel über die Bedroomdisco im Allgemeinen für die Neue Szene geschrieben hab und der hatte wegen Redaktionsschluss Vorrang. Zum Schreiben hab ich mir letzte Woche extra zwei Tage frei genommen. Und weil ich so viel Zeit hatte, hab ich diesmal sogar für die ganze Bande gekocht. Für die Bedroomdisco-Musiker gibt’s ja immer was mit ganz viel Liebe Gekochtes.

Abends bin ich dann mit Sack und Pack ein paar Straßen weiter zum GAG (Gampls Arbeitsgemeinschaft für musikalische Kultur und Bildung) gelaufen. In dem schönen Raum mit Flügel war ich im Sommer im Rahmen des Literaturspaziergangs schon mal. Während wir klar Schiff machten und aufgebaut haben, kamen auch Martin und Peter an. Peter ist Fotograf und begleitet Martin Kohlstedt schon seit drei Jahren, um ein Langzeitportrait über ihn zu machen. Nach einer kurzen Begrüßungsrunde haben wir weiter gewerkelt und Martin hat sich erst mal mit dem Baldwin Flügel vertraut gemacht. Über eine halbe Stunde hat er einfach gespielt und sich damit „angefreundet“. Das fand ich echt interessant. Nach ausgiebigen Testen waren also die beiden aufeinander eingespielt. Martin meinte, dass der Flügel so eine gewisse Schwere hat. Dass also die Tasten – ich hoffe, ich hab das richtig in Erinnerung – keinen Ton erzeugen, wenn man sie zu langsam drückt. Immer wieder erwähnte er aber auch, dass er sich richtig drauf freut, dass das heute nur mit Soloklavier ist. Neben dem akustischen hat er nämlich auch ein elektronisches Set.

Ich fand es aber sehr passend für die Vorweihnachtszeit, dass diesmal alles komplett akustisch war. Keine Kabel und kein Gesang. Darauf war ich schon am meisten gespannt. Über eine Stunde nur Instrumentalmusik. Ich hör sowas sehr gern, war aber noch nie auf einem solchen Konzert. Ob das nicht schnell langweilig wird? Nein, definitiv nicht. Die Zeit verging sogar viel zu schnell! Am Anfang konnte ich mich noch nicht so recht auf die Musik einlassen, weil immer die Fotos irgendwo in meinem Kopf rumschwirrten. Die brauchte ich für den Artikel in der Neuen Szene. Sonst hätte ich diesmal drauf gepfiffen und nur eins oder zwei gemacht. Das Geräusch, das eine Spiegelreflex beim Auslösen macht, kann nämlich in einer solch andächtigen und ruhigen Atmosphäre verdammt laut sein. Ich hab’s schnell hinter mich gebracht und mir dann einen Platz am Rand gesucht.

Nach kurzer Zeit hat mich die Musik komplett erfasst, fast schon überrannt. Musik – egal welcher Art – erzeugt im besten Fall immer Emotionen beim Zuhörer. Bei solch purer Klaviermusik ist das aber nochmal was anderes, finde ich. Noch viel viel stärker. Zumindest ging es mir so. Um mich rum saßen alle ganz ruhig da, haben teilweise sogar ihre Augen geschlossen. Das fand ich so schön und gleichzeitig total beeindruckend. Bei den ruhigen Stücken hab ich auch einfach meinen Kopf in die Hände gelegt und die Augen zu gemacht. Einfach nur zugehört und genossen. Aber bei den schnelleren und fröhlicheren Stücken ging das nicht. Es hat mich schon ein bisschen Beherrschung gekostet nicht zu viel rumzuzappeln. Ruhig sitzen bleiben finde ich eh immer super anstrengend. Aber dann auch noch bei solcher Musik! Martin Kohlstedt hat bei vielen Stücken mit dem Fuß auf den Boden getappt und so noch einen Beat dazu erzeugt. Ich hätt’s am liebsten genauso gemacht (z. B. bei HAR oder VET). Alle anderen saßen aber weiterhin ganz still da. What’s wrong with me?!

Zu fast jedem Stück hat Martin ein paar Worte gesagt oder die Entstehungsgeschichte erzählt. Nur das Geheimnis, warum die Titel immer aus drei Buchstaben bestehen, hat er letzten Endes doch nicht gelüftet. Interessant fand ich auch, dass er von den Stücken erzählte, als ob es kleine Wesen mit eigenem Willen wären. Das eine hatte kein Rückgrat, das andere den meisten Galgenhumor von allen. Interessant…und wenn man selbst klassische Sachen spielt sogar irgendwie nachvollziehbar. Irgendwie…

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Martin Kohlstedt – EXA

Die letzte Bedroomdisco in diesem Jahr steht bevor und die wird so, so gut! Irgendwie sag ich das immer oder? Diesmal wird ein etwas anderer Musiker kommen, als man das bisher gewohnt ist. Kein Singer-Songwriter, keine Band. Nein – es wird sogar nicht mal gesungen! Oha! Große Fragezeichen in den Augen und ein klein wenig Verwirrung im Kopf. Wie soll das denn funktionieren? Wird das nicht schnell langweilig? Vielleicht ja diesmal was in Richtung Techno? Nee, nur über meine Leiche. Und langweilig wird das ganz bestimmt auch nicht!

Es kommt nämlich Martin Kohlstedt, ein Pianist, der wirklich nicht singt sondern nur Klavier spielt. Und das so gut, dass auch ganz sicher keiner den Gesang vermissen wird. Versprochen! Ich hör solche Art von Musik ja generell sehr gerne und als ich zum ersten Mal was von Martin Kohlstedt gehört habe, dachte ich mir: „Klingt ja wie Ludovico Einaudi.“ Nur der ist halt jetzt auch schon ziemlich fame. Wer also den Soundtrack von Ziemlich beste Freunde gut fand, wird Martin Kohlstedt lieben. Und das dann auch noch in einem Wohnzimmer mit echtem (!!!) Klavier. Was will man mehr?

Hier geht’s zur Facebookveranstaltung mit allen wichtigen Infos: https://www.facebook.com/events/1144995765528918/

Enno Bunger – Neonlicht

Whoop-Whoop! Mein Lieblingssingersongwriter, Lieblingsklavierspieler, Lieblingssongtexter Enno Bunger bringt am 18. September sein neues Album raus. Vorab gibt’s schon mal den ersten Song Neonlicht als kleinen Vorgeschmack. Wenn der Rest vom Album genauso wird, bin ich mir sicher: Das wird grandios! Oder zumindest weniger melancholisch als das letzte.

AnnenMayKantereit – Barfuß am Klavier

Ich habe Blut geleckt! Jep. Mittlerweile habe ich schon mit dem Schreiben von einem dritten Song angefangen. Es ist wirklich unglaublich. Nie hätte ich gedacht, dass ich mal selbst Lieder schreiben werde!

Ein Song ist sogar schon fertig, mehr oder weniger. Mein Klavierlehrer hat mir geraten, ihn mit anderen Instrumenten zusammen auszuprobieren, am Besten gleich mit einer ganzen Band. Das hab ich dann letztes Wochenende auch gemacht. In meiner Musikschule fand wieder das Band Basic Weekend statt. Dort kann man mit anderen zusammen als Band spielen, um das mal auszuprobieren oder sich neue Inspiration zu holen. Die Idee finde ich wirklich super! Wir waren eine ziemlich große Band: ich als Sängerin und Keyboarderin, dann noch eine Sängerin, ein Bass, drei Gitarren und zwei Schlagzeugerinnen. Das war echt viel! Und leider hatte ich dadurch den Eindruck, dass die vielen Instrumente meinem Song das Gefühl nahmen. Für mich war es nur noch ein verschwommener Brei aus zu viel von allem. Aber das war okay. Denn somit weiß ich jetzt, dass meine Musik und eine große Band nicht zusammenpassen. Ich will es lieber minimalistischer. So wie Barfuß am Klavier.